Wer Symptome hat, wartet oft nicht mehr auf den nächsten Arzttermin. Stattdessen wird gesucht, gelesen und verglichen. Im Browser oder inzwischen direkt im Dialog mit einer KI. Was früher „Dr. Google“ war, ist heute ein Chatfenster, das in Sekundenschnelle strukturierte Antworten liefert. Verständlich formuliert und meist erstaunlich plausibel. Das Problem: Plausibilität ist noch keine medizinische Einordnung.
Wenn Information zur Unsicherheit wird
Eine Studie der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) offenbart, dass 91 Prozent der befragten Personen Gesundheitsinformationen online recherchiert. Mit KI-Systemen hat diese Entwicklung eine neue Qualität erreicht, denn die Antworten wirken nicht nur informativ, sondern beratend. Genau darin liegt das Risiko: KI kann Zusammenhänge darstellen, aber sie kennt weder die individuelle Krankengeschichte noch Begleiterkrankungen, Wechselwirkungen oder persönliche Risikofaktoren. Was als hilfreiche Orientierung beginnt, kann ohne Kontext schnell zu Fehlinterpretationen führen – oder zu unnötiger Verunsicherung. Viele Informationen bedeuten nicht automatisch mehr Sicherheit.
Warum falsche Nutzung zur größten Gefahr wird
Internationale Analysen zu Gesundheits- und Medizintechnologien weisen zudem darauf hin, dass Risiken seltener durch die Technik selbst entstehen als durch ihren falschen Einsatz. Das gilt für komplexe Geräte im Krankenhaus ebenso wie für digitale Anwendungen im Alltag.
Übertragen auf KI heißt das: Nicht die Existenz solcher Systeme ist das Problem, sondern der Umgang mit ihnen. Wer eine KI-Antwort als endgültige Diagnose versteht oder ärztlichen Rat dadurch ersetzt, bewegt sich auf dünnem Eis. Denn KI ersetzt keine medizinische Untersuchung. Gerade weil die Systeme immer besser werden, wächst die Versuchung, ihnen zu viel zuzutrauen.
Die unterschätzte Schlüsselkompetenz: digitale Gesundheitskompetenz
Digitale Gesundheitskompetenz nimmt eine immer wichtigere Rolle ein. Gemeint ist mehr als nur die Fähigkeit, Informationen zu finden. Es geht darum,
- Quellen einschätzen zu können
- zwischen allgemeiner Information und individueller Diagnose zu unterscheiden
- KI-Antworten kritisch zu hinterfragen
- und zu wissen, wann professionelle Hilfe notwendig ist
Lernen, mit KI verantwortungsvoll umzugehen
Digitale Gesundheitskompetenz entsteht nicht von selbst. Sie braucht Wissen darüber, wie KI-Systeme trainiert werden, welche Daten sie nutzen, wo ihre Grenzen liegen und wie sich algorithmische Empfehlungen von ärztlicher Diagnostik unterscheiden.
Wer versteht, dass KI Wahrscheinlichkeiten berechnet und keine individuelle Krankengeschichte kennt, wird ihre Antworten anders einordnen. Wer weiß, dass Trainingsdaten Verzerrungen enthalten können, wird sensibler für mögliche Fehlinterpretationen. Und wer die rechtlichen Rahmenbedingungen digitaler Versorgung kennt, kann besser einschätzen, wo digitale Tools sinnvoll ergänzen – und wo nicht.
Solche Fragen werden inzwischen nicht nur in Fachkreisen diskutiert, sondern zunehmend auch öffentlich, etwa beim BIG BANG KI FESTIVAL, wo Medizin, Politik und Technologie aufeinandertreffen. Dort geht es neben der Technikbegeisterung vor allem um die Einordnung: Wie verändert KI Diagnostik? Welche Qualitätsstandards braucht digitale Versorgung? Und wie gelingt es, Vertrauen aufzubauen, ohne Risiken zu verharmlosen?
Auf der Bühne stehen Expertinnen und Experten wie Staatsministerin für Gesundheit Judith Gerlach, Gematik-Geschäftsführerin Brenya Adjei, Kassenärztechef Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Barmer Prof. Dr. Christoph Straub oder Doctolib-CEO Nikolay Kolev.
Es sind genau diese Schnittstellen – zwischen Anwendung, Regulierung und medizinischer Praxis –, an denen sich entscheidet, wie sicher KI im Gesundheitswesen künftig eingesetzt werden kann.
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