Aus Angst, den Anschluss zu verlieren, schießen in vielen Unternehmen abteilungsübergreifend KI-generierte Trainings ohne Struktur und ohne Didaktik wie Pilze aus dem Boden. Zwar wirken diese Lerninhalte zunächst plausibel und nützlich, doch ihnen fehlt es an Tiefe.
Erst eine solide Datenreife, ein weitreichendes Verständnis für die jeweilige Materie auf Anwenderseite, die Einbettung interner Lern- und Lehrstrategien sowie vorab klar definierte Lernziele verschaffen einer KI-gestützten Trainingserstellung einen Mehrwert. Die Implementierung erfordert ein hohes Zeit- und Finanzbudget und sollte deshalb mit einer Pilot- und Experimentierphase beginnen, um mögliche Hürden im gesamtbetrieblichen Roll-out vorwegzunehmen.
Learning and Development: Begleiter statt Bestimmer
KI ersetzt weder Führungskräfte noch Beauftragte für Weiterentwicklung und -bildung. Damit Maßnahmen im Learning and Development (L&D) greifen, braucht es Impulse für innovatives und kreatives Denken aus der zwischenmenschlichen Kommunikation. KI soll Verantwortliche bei Routineaufgaben entlasten und ihnen mehr Zeit für wertschöpfende Tätigkeiten verschaffen. Wenn der Mensch den Takt in puncto Qualität und Quantität bestimmt, leisten digitale Tools sinnvolle Unterstützungsarbeit. Expertinnen und Experten müssen KI-generierte Lerninhalte stets kontrollieren, um die Weitergabe von Fehlinformationen zu vermeiden. Zudem sollten digitale Tools nicht zu einem Meer an E-Learnings verleiten, ansonsten verwässern didaktische Ziele.
Menschliche Kompetenzen vor KI
Viele L&D-Abteilungen stellen unrealistische Erwartungen an KI und machen sie für Erfolg oder Misserfolg verantwortlich. Allerdings sollten Unternehmen einer starken Lernkultur mehr Beachtung schenken. Ohne progressives Wissensmanagement setzt auch die fortschrittlichste Technologie keinen Stimulus für eine erfolgreiche Weiterentwicklung: Eine KI-Strategie ohne Lernstrategie bleibt fahrlässig. Erst durch die gezielte Förderung von Soft Skills, wie Kontextualisierungsfähigkeit, Urteils- und Entscheidungsfähigkeit, Kommunikation, Selbstführung und Ambiguitätstoleranz der Mitarbeitenden, und durch einen Praxistransfer, etwa im realen Arbeitskontext oder Peer-Learning, kann KI zur unternehmerischen Resilienz beitragen.

