Gastbeitrag

Weiterbildung

Learning and Development: Wie KI Wissen nachhaltig wachsen lässt

41 Prozent der deutschen Unternehmen verwenden laut einer Bitkom-Umfrage aus dem April Künstliche Intelligenz – mehr als doppelt so viele wie vor einem Jahr. Gleichzeitig bezeichnet sich weit über die Hälfte der Betriebe, die KI nutzen, als Nachzügler. Wer sowohl das Potenzial als auch die Grenzen von KI begreift, kann vor allem im Bereich Learning and Development Pionierarbeit leisten, schreiben Janine Kappenberg und Rubén Leites García in ihrem Gastbeitrag.

Eine Frau steht vor einer Präsentation und hält einen Vortrag zum Thema Learning and Development

04.08.2026

Aus Angst, den Anschluss zu verlieren, schießen in vielen Unternehmen abteilungsübergreifend KI-generierte Trainings ohne Struktur und ohne Didaktik wie Pilze aus dem Boden. Zwar wirken diese Lern­inhalte zunächst plausibel und nützlich, doch ihnen fehlt es an Tiefe.

Erst eine solide Datenreife, ein weitreichendes Verständnis für die jeweilige Materie auf Anwenderseite, die Einbettung interner Lern- und Lehrstrategien sowie vorab klar definierte Lernziele verschaffen einer KI-gestützten Trainingserstellung einen Mehrwert. Die Implementierung erfordert ein hohes Zeit- und Finanzbudget und sollte deshalb mit einer Pilot- und Experimentierphase beginnen, um mögliche Hürden im gesamtbetrieblichen Roll-out vorwegzunehmen.

Learning and Development: Begleiter statt Bestimmer

KI ersetzt weder Führungskräfte noch Beauftragte für Weiterentwicklung und -bildung. Damit Maßnahmen im Learning and Development (L&D) greifen, braucht es Impulse für innovatives und kreatives Denken aus der zwischenmenschlichen Kommunikation. KI soll Verantwortliche bei Routineaufgaben entlasten und ihnen mehr Zeit für wertschöpfende Tätigkeiten verschaffen. Wenn der Mensch den Takt in puncto Qualität und Quantität bestimmt, leisten digitale Tools sinnvolle Unterstützungsarbeit. Expertinnen und Experten müssen KI-generierte Lerninhalte stets kontrollieren, um die Weitergabe von Fehlinformationen zu vermeiden. Zudem sollten digitale Tools nicht zu einem Meer an E-Learnings verleiten, ansonsten verwässern didaktische Ziele.

Menschliche Kompetenzen vor KI

Viele L&D-Abteilungen stellen unrealistische Erwartungen an KI und machen sie für Erfolg oder Misserfolg verantwortlich. Allerdings sollten Unternehmen einer starken Lernkultur mehr Beachtung schenken. Ohne progressives Wissensmanagement setzt auch die fortschrittlichste Technologie keinen Stimulus für eine erfolgreiche Weiterentwicklung: Eine KI-Strategie ohne Lernstrategie bleibt fahrlässig. Erst durch die gezielte Förderung von Soft Skills, wie Kontextualisierungsfähigkeit, Urteils- und Entscheidungsfähigkeit, Kommunikation, Selbstführung und Ambiguitätstoleranz der Mitarbeitenden, und durch einen Praxistransfer, etwa im realen Arbeitskontext oder Peer-Learning, kann KI zur unternehmerischen Resilienz beitragen.

Porträtfoto von Janine Kappenberg

Janine Kappenberg

ist Mitgründerin sowie Strategy & Creational Lead L&D bei der Agentur Sapered

Rubén Leites García

ist Mitgründer und CEO von Sapered und dort vor allem für die Bereiche Business Strategy und Operational Planning zuständig