DUP UNTERNEHMER-Magazin: Viele Unternehmen wollen Künstliche Intelligenz schnell einsetzen, scheitern aber an gewachsenen Systemen, Datensilos und alten Prozessen. Ist KI eher ein Beschleuniger, oder legt sie vor allem alte Versäumnisse offen?
Stefanie Hegener: KI ist der ultimative Rückspiegel für verpasste Hausaufgaben. Wer seine Daten-Infrastruktur in den letzten fünf Jahren vernachlässigt hat, dem nützt auch das beste KI-Tool heute nichts. KI beschleunigt nur das, was bereits da ist – im Guten wie im Schlechten.
Was ist dafür der Hauptgrund?
Hegener: Der Grund liegt in der technologischen „Erbschuld“ von Unternehmen. 62 Prozent der Unternehmer sagen, dass Teile ihrer geschäftskritischen Anwendungen derart veraltet sind, dass sie heutigen Anforderungen nicht mehr genügen. Ausbaden muss das am Ende das Marketing. Denn während die Kommunikation nach außen hin ein attraktives Bild des Unternehmens vermittelt, arbeiten Vertrieb und Außendienst aufgrund mangelnder Produktdaten und manueller Prozesse komplett aneinander vorbei.
Haben Sie ein konkretes Beispiel dafür?
Hegener: Nehmen Sie den beliebten KI-Chatbot: Dieser verliert jeglichen Nutzen, wenn das Personal weiterhin den Großteil der Anfragen manuell bearbeiten muss, um Daten wie Bestellnummern aus Drittsystemen zu fischen. Dabei ist die Ursache selten in der KI-Technik selbst zu suchen; vielmehr mangelt es an durchdachten Schnittstellen und einer durch den Menschen geschaffenen strukturellen Basis.
Wie stellt sich ein Unternehmen „KI-ready“ auf?
Hegener: „KI-ready“ zu sein bedeutet in erster Linie, KI nicht als bloßes Feature zu begreifen, sondern als fundamentales Architekturprinzip. Unternehmen brauchen ein neues Operating-System, das autonome KI-Entscheidungen überhaupt erst ermöglicht. Und auf struktureller Ebene erfordert es eine völlig neue Form der Zusammenarbeit: Wir müssen historisch gewachsene Silos zwischen Marketing, Sales, Service und IT konsequent einreißen und in zusammenhängenden Wertschöpfungssystemen denken. In unserem neuen „Open-KI-Playbook“ haben wir dafür drei sehr klare Schritte definiert: Schmerzpunkte analysieren, klare Spielregeln für KI aufstellen und alle Tools in einem internen, sicheren Umfeld testen.
Verändert das auch die Rolle von Agenturen?
Hegener: Das klassische Projektgeschäft, bei dem Agenturen ein System implementieren und danach wieder verschwinden, ist schlichtweg tot. Unsere Kunden verlangen heute nach einem „Digital Solution Provider“, der Technologie und Prozesse kontinuierlich weiterentwickelt. Wir bei Open verstehen uns als Sparringspartner. Wir modernisieren technische Ökosysteme und sorgen dafür, dass interne Teams die neuen Werkzeuge nicht nur bedienen können, sondern strategisch beherrschen. Denn am Ende steht fest: Empathie, finale kreative Spitze und das ethische Gespür lassen sich nicht an Maschinen delegieren.

