BIG BANG UNTERNEHMER-Magazin: „Würth Lens“ ermöglicht die KI-gestützte Erkennung von Werkzeug und Schrauben per Foto. Welche Branchen nutzen Ihren Dienst?
Mika Straka: Unsere App wird vor allem von Handwerksbetrieben genutzt, die im Metallbereich und der Haustechnik tätig sind. Auch Unternehmen, die mit chemischen Produkten arbeiten, gehören zu unseren Kunden, sie ordern vor allem Schutzhandschuhe. Unsere Zielgruppe sind in der Regel kleinere Handwerksbetriebe, in denen die Mitarbeitenden direkt über die App bei uns bestellen können.
Ersetzt Ihre Lösung lediglich die Suche in der Werkstatt, oder verändert sie den gesamten Beschaffungsprozess Ihrer Kunden?
Straka: Die App ist eine Erweiterung bestehender Kontaktpunkte. Es gibt bereits Scanner für Barcodes, aber dieser steht oftmals auf der Verpackung, nicht auf dem eigentlichen Produkt, zum Beispiel bei Schrauben oder Dübeln. Unsere Lösung überwindet eine Hürde, die im Alltag groß ist. Handwerkerinnen und Handwerker beherrschen zwar ihr Fach, kennen aber nicht immer den exakten technischen Begriff: Sie wissen, was sie brauchen – verwenden aber gern ihren ausgeprägten Handwerkerjargon, und dieser wird nicht in jedem System abgebildet. Genau hier hilft die KI-Bilderkennung.
Welche wirtschaftlichen Effekte ergeben sich durch die Nutzung der App?
Straka: Zeit ist Geld. Durch die visuelle Produkterkennung in unserer App müssen Handwerker deutlich seltener Baustellen verlassen, um in Niederlassungen Teile und Produkte zu suchen. Früher wurden häufig Fotos per WhatsApp an unsere Verkäufer geschickt, heute läuft dieser Prozess zeitsparend direkt über unsere App.
Wo liegen aktuell die technischen Grenzen der KI-gestützten Schraubenerkennung?
Straka: Eine der größten Herausforderungen ist die Skalierungsinvarianz von Schrauben: Ohne Referenzobjekt lassen sich Größe, Durchmesser oder Gewinde nicht zu hundert Prozent sicher bestimmen. Aktuell erkennt die KI die Schraubenart, die exakten Abmessungen wählen unsere Kundinnen und Kunden selbst. Sehr gut funktioniert dagegen die Unterscheidung zwischen Edelstahl und anderem Material, was gerade im Außeneinsatz entscheidend ist. Die KI-Erkennung ist im Handwerks- und Werkstattumfeld zudem anspruchsvoll, weil auf den Fotos oft Störobjekte auftauchen.
Wie schätzen Sie die Digitalisierungsbereitschaft im Handwerk ein?
Straka: Sie ist sehr unterschiedlich ausgeprägt und stark vom einzelnen Gewerk abhängig. Papier hat weiterhin seinen Wert, gleichzeitig wächst aber erkennbar das Interesse an digitalen Lösungen. Planungstools, digitale Dokumentation oder Videocalls zur schnellen Ferndiagnose werden zunehmend genutzt – oft aus Zeitmangel und Pragmatismus. Im Alltag zeigt sich: Auch im Umgang mit digitalen Tools handelt das Handwerk eben sehr lösungsorientiert.


