Sind Führungsqualitäten von Menschen für die Arbeit mit Menschen und mit KI Agenten gleich wichtig? Können wir mit KI Agenten vielleicht die Führungsqualitäten von Menschen messen und vorhersagen? NVIDIA-Chef Jensen Huang hat folgenden Satz geprägt: “The IT department of every company is going to be the HR department of AI agents in the future.” Das bedeutet nicht nur, dass KI Agenten in allen Unternehmen immer wichtiger werden. Es bedeutet auch, dass “leadarship skills” auf der menschlichen UND der KI-Ebene entscheidend sind. Führungskräfte müssen beide Arten von “Mitarbeitern” führen können. Und es kommt dabei auf ganz bestimmte Kompetenzen bei uns Menschen an, damit das gelingt. Jede Führungskraft muss sich fragen: Habe ich diese Skills? Und jedes Unternehmen muss sich fragen: Haben meine Führungskräfte diese Skills? Für die Antworten auf diese Fragen könne wiederum (zumindest zu einem großen Teil) KI Agenten helfen.
Wer gut Menschen führen kann, kann auch KI-Agenten gut führen - und andersrum!
Eine aktuelle Cambridge-Studie zeigt, dass die Führungsqualitäten bei künstlich intelligenten Agenten auch die Führungsqualitäten von menschlichen Gruppen vorhersagen. Die Leistung von Führungskräften in diesem „KI-Führungstest“ war stark korreliert (ρ=0,81) mit ihrer Leadership-Wirkung in Teams mit Menschen. Erfolgreiche Führungskräfte sowohl von Menschen als auch von KI-Agenten stellen mehr Fragen und beteiligen sich häufiger an intensiven Konversationen; sie erzielen höhere Werte bei Messungen der sozialen Intelligenz, der sogenannten “fluiden Intelligenz” (die Fähigkeit, Wissen zu erlangen, neue Informationen zu verstehen und sich Dinge zu merken) und der Entscheidungsfähigkeit. Unterschiede gibt es hingegen nicht in Bezug auf Geschlecht, Alter, ethnische Zugehörigkeit oder Bildung.
Wie fanden die Cambridge-Forscher das heraus? In dem Experiment mussten menschliche Führungskräfte eine Reihe von kollaborativen Problemen lösen, indem sie Teams von KI-Agenten leiten. Dann sollten die selben Probleme in zufällig zusammengestellten Teams mit Menschen gelöst werden. Bei der Aufgabe handelt es sich um eine modifizierte Version des „Hidden Profile“-Problems, einem weit verbreiteten sozialwissenschaftlichen Paradigma zur Untersuchung von Gruppenentscheidungen. Bei Hidden Profile Puzzles erhält jedes Gruppenmitglied mehrere Informationen; einige davon nur exklusiv, also für die anderen unbekannt. Die Gruppen müssen nun die Informationen durch Gespräche aufdecken und ihr kollektives Wissen zu einer Entscheidung zusammenfassen. Dies ist eine entscheidende Komponente erfolgreicher Teamarbeit und erfordert mehrere einzigartige menschliche Fähigkeiten wie flexible sprachliche Kommunikation und Perspektivenübernahme.
Die 5 Top für Agenten- und HR-Leadership
Die Ergebnisse sind klar und eindeutig:
- Der Teamerfolg hängt von der Führungsperson ab. Bei Menschen UND KI-Agenten. Variationen in der Leistung der Führungskraft haben einen großen und statistisch signifikanten Einfluss auf die Leistung der Gruppe, sowohl für den KI-Test als auch für die menschliche Teams.
- Die gleichen Fähigkeiten und demographischen Faktoren sagen den Erfolg in beiden Tests (Menschen/Agenten) voraus.
- Die individuellen Ergebnisse des Tests mit KI-Agenten korrelieren in hohem Maße mit den Ergebnissen der Tests mit menschlichen Teams. Bedeutet: Was in Tests mit KI-Agenten simuliert wird, tritt in Zusammenarbeit mit “echten” Menschen auch so ein.
- Die gleichen Verhaltensmuster der Führungsperson sagen den Erfolg in beiden Tests voraus.
- Variationen in der Leistung der Führungskraft spielen für die Gruppenleistung in beiden Tests eine Rolle. Eine schlechte Führungskraft führt sowohl Teams aus Menschen, als auch Teams aus KI-Agenten zu schlechteren Leistungen.
Für Führungskräfte und Unternehmen Unternehmen bedeutet das: AI-Literacy (gute KI-Kenntnisse in Theorie und vor allem Praxis) UND menschliche Kompetenzen sind IMMER entscheidend! Für KI-Führungskräfte UND HR-Führungskräfte.
Was gute Führungskräfte bei Menschen und Agenten gleich machen
In der Studie sagen die gleichen Fähigkeiten/Charakteristika der Führungskräfte den Erfolg im KI-Test und im Praxistest voraus. Wenn der KI-Führungstest den Praxistest gut nachbildet, können wir also in der Praxis erwarten, dass ähnliche Führungseigenschaften und Fähigkeitsprofile den Erfolg in beiden Tests vorhersagen. Die Studie stellt fest, dass der Umfang der Kommunikation - gemessen an der Anzahl der Wörter - nicht mit guter Führung in Verbindung steht. Viel reden ist also nicht gleich gute Führung! Egal ob mit Menschen oder KI Agenten. Gute Führungskräfte stellen im Gegenteil mehr Fragen und ihre Teams beteiligen sich stärker an Gesprächen. Gute Führungskräfte neigen auch dazu, Pluralpronomen zu verwenden, indem sie sich auf „wir“ und „uns“ beziehen. Und das gilt für Menschen wie Agenten. Einen Unterschied gibt es aber dennoch: Die Bedeutung der emotionalen Wahrnehmungsfähigkeit. Diese ist deutlich stärker in den “Humantests”. Emotionale Intelligenz ist also für Führungskräfte im Umgag mit Menschen unerlässlich. Klingt vielleicht banal; ist es aber nicht. Denn wenn Führungskräfte immer mehr und öfter KI-Agenten Teams leiten, müssen sie darauf achten, dass sie gegenüber anderen Menschen diese emotionale Intelligenz nicht verlernen. Grundsätzlich gilt: Menschliche Kompetenzen sind in allen Teams IMMER wichtig!
Mit KI-Agenten Leadership-Sills messen, voraussagen und entwickeln
Die Ergebnisse sind auch relevant für das Recruiting und die Entwicklung von Führungskräften. Denn Teams von KI-Agenten können für die Auswahl und die Entwicklung von Führungskräften sehr gut genutzt werden, da es ja immer auf die gleichen Fähigkeiten und Leadership-Skills ankommt. Diese neue Methode kann einen Weg zur Verbesserung der Auswahl von Führungskräften und Managern in der Zukunft darstellen. Die Ergebnisse der Forschung deuten darauf hin, dass der kausale Einfluss, den Führungskräfte auf Gruppen haben, nicht stark von demographischen Faktoren abhängt. Dies deutet wiederum darauf hin, dass bei den derzeitigen Auswahlverfahren viele Führungskräfte mit hohem Potenzial übersehen werden, weil nicht auf die entscheidenden Leadership-Skills geachtet wird. KI-Agenten-Teams können aber genau diese entscheidenden Skills objektiver, langfristiger und nachhaltiger testen. Wir stehen hier also vor dem Beginn einer neuen Ära des Recruitings und der Personalentwicklung im KI-Zeitalter. Erste Erfahrungen in der Praxis, wie wir sie bei The Essence bereits gesammelt haben, zeigen, dass dieser Ansatz sehr effektiv und erfolgreich ist. Solche KI-basierten praktischen und skalierbaren Beurteilungen von Führungskompetenzen könne ganz neue Potenziale und versteckte Schätze in der eigenen Mitarbeiterschaft zu Tage fördern, da ein erweiterter Ansatz die Kompetenzen und praktische Erfahrung viel umfassender beleuchtet und darstellt. Bisher wird diese Möglichkeit von Unternehmen nicht genutzt. Meistens ist mit dem Einsatz von KI im klassischen Recruiting schon das Ende der Fahnenstange erreicht (wenn es den überhaupt wirklich “KI” ist…). Das Potenzial und der Nutzen mit KI-Agenten und Agenten-Teams ist hier aber geradezu riesig und auf alle Szenarien, Branchen und Bereiche schnell und leicht adaptierbar. Und auch wenn es sich hier um die aktuell höchste Stufe von High-Tech und KI handelt: Es hilft uns beim Erkennen und Trainieren unserer menschlichen Kompetenzen für gute und erfolgreiche Führung. Das ist eine gute Nachricht.

