Neue Kampagne

KI gegen Krebs: Warum die Technologie jetzt bei den Patientinnen und Patienten ankommen muss

Jens de Buhr, Christian Lenz und Inga Bergen im Gespräch über KI in der Krebsmedizin

22.06.2026

Auf der Yes!Con diskutierten Inga Bergen, Christian Lenz und Jens de Buhr, wie Künstliche Intelligenz Forschung beschleunigt, Arztgespräche verändert – und warum der Mensch in der Medizin unverzichtbar bleibt.

Künstliche Intelligenz ist in der Medizin keine ferne Zukunftsvision mehr. Sie ist bereits Teil der Krebsmedizin. Sie hilft, Forschung zu beschleunigen, Diagnosen besser vorzubereiten, Therapien präziser zu planen und klinische Studien effizienter zu machen.

Doch die entscheidende Frage lautet nicht allein: Was kann KI technisch leisten?

Die entscheidende Frage lautet: Wie kommt KI wirklich bei Patientinnen und Patienten an?

Darüber diskutierten auf der Yes!Con in Berlin Moderatorin Inga Bergen, Christian Lenz, Medical Director Pfizer Deutschland, und KI-Experte Jens de Buhr. Im Mittelpunkt stand ein Thema, das für die Zukunft des Gesundheitswesens zentral ist: Künstliche Intelligenz muss aus der abstrakten Technologiedebatte herauskommen – und konkret den Menschen helfen.

Der pinke Elefant im Raum symbolisiert die neue Kampagne "Yes@Work", die über Krebs am Arbeitsplatz aufklärt

KI kann Forschung massiv beschleunigen

Ein zentrales Thema der Diskussion war das enorme Tempo, das KI in die medizinische Forschung bringen kann. Christian Lenz machte deutlich, wie stark sich Entwicklungsprozesse verändern. Die Entwicklung neuer Medikamente dauert heute häufig zehn Jahre oder länger. Für Patientinnen und Patienten, die dringend auf neue Therapien angewiesen sind, ist diese Zeitspanne besonders belastend.

KI kann solche Prozesse deutlich verkürzen. In der Forschung können riesige Datenmengen, Molekül-Datenbanken und Studieninformationen heute in einem Tempo ausgewertet werden, das vor wenigen Jahren kaum vorstellbar war. Was früher Monate dauerte, kann in einzelnen Bereichen inzwischen in Minuten geschehen.

Damit wird KI zu einem Instrument, das nicht nur Effizienz schafft, sondern im besten Fall Zeit gewinnt – Zeit, die für schwer erkrankte Menschen entscheidend sein kann.

Patientinnen und Patienten werden informierter

Jens de Buhr betonte auf dem Podium, dass KI auch die Rolle der Patientinnen und Patienten verändert. Wer heute einen Befund, einen Arztbrief oder eine Therapieempfehlung erhält, kann sich mithilfe von KI besser vorbereiten. Medizinische Begriffe lassen sich übersetzen, Zusammenhänge erklären, Fragen für das nächste Arztgespräch strukturieren.

Gerade in belastenden Situationen kann das helfen. Viele Menschen sind nach einer Diagnose verunsichert. Sie verstehen nicht jedes Detail, vergessen im Arztgespräch wichtige Fragen oder verlassen die Praxis mit neuen Unsicherheiten. KI kann hier unterstützen: nicht als Ersatz für ärztliche Beratung, sondern als Werkzeug zur Orientierung.

Ein praktischer Nutzen liegt darin, dass Patientinnen und Patienten vor einem Termin fragen können: Welche Punkte sollte ich mit meiner Ärztin oder meinem Arzt klären? Welche Begriffe aus meinem Befund muss ich verstehen? Welche nächsten Schritte sind möglich?

Damit kann KI Gespräche vorbereiten – und Patientinnen und Patienten in die Lage versetzen, informierter und selbstbewusster aufzutreten.

Das Arzt-Patienten-Verhältnis verändert sich

Die Diskussion zeigte auch: KI wird das Verhältnis zwischen ärztlichem Personal und Patientinnen und Patienten neu sortieren. Erkrankte kommen künftig häufiger mit Vorwissen, Daten, KI-Auswertungen oder konkreten Fragen in die Praxis. Das kann herausfordernd sein. Es kann aber auch zu besseren Gesprächen führen.

Wenn KI richtig eingesetzt wird, entsteht ein Gespräch auf Augenhöhe. Ärztinnen und Ärzte behalten die medizinische Verantwortung, die Patientientenschaft versteht mehr und kann besser mitentscheiden.

Gleichzeitig wurde klar: KI darf nicht zu einer kalten Datenmedizin führen. Gerade in der Onkologie geht es nicht nur um Laborwerte, Scans und Wahrscheinlichkeiten. Es geht um Angst, Hoffnung, Vertrauen und persönliche Lebenssituationen. Medizinische Entscheidungen brauchen Daten – aber sie brauchen auch Empathie.

KI ersetzt nicht den Menschen

Ein wichtiger Konsens auf dem Podium: KI wird Ärztinnen und Ärzte nicht ersetzen. Sie wird sie unterstützen.

KI kann analysieren, sortieren, erklären, beschleunigen und Muster erkennen. Sie kann helfen, Fehler zu reduzieren und Routineaufgaben zu entlasten. Aber sie kann nicht das menschliche Gespräch ersetzen. Sie kann keine echte Beziehung aufbauen. Sie kann nicht in gleicher Weise trösten, einordnen und Verantwortung übernehmen.

Gerade in der Krebsmedizin bleibt dieser menschliche Faktor entscheidend. Wer eine schwere Diagnose erhält, braucht nicht nur Information. Er oder sie braucht Zuwendung, Orientierung und Vertrauen.

Die große Chance liegt deshalb nicht darin, Medizin zu entmenschlichen. Die große Chance liegt darin, Ärztinnen und Ärzten durch KI von Aufgaben zu entlasten, damit wieder mehr Zeit für das Wesentliche bleibt: das Gespräch mit den Patientinnen und Patienten.

Gute Daten und klare Regeln sind Voraussetzung

Damit KI im Gesundheitswesen ihr Potenzial entfalten kann, braucht es klare Voraussetzungen. Dazu gehören vor allem gute Daten, sichere Systeme und transparente Regeln.

Denn KI ist nur so gut wie die Daten, mit denen sie arbeitet. Wenn Daten unvollständig, fehlerhaft oder nicht verfügbar sind, bleiben auch die Ergebnisse begrenzt. Hinzu kommt die sensible Frage des Datenschutzes. Gesundheitsdaten gehören zu den persönlichsten Informationen überhaupt. Patientinnen und Patienten müssen darauf vertrauen können, dass ihre Daten geschützt sind und dass KI-Anwendungen verantwortungsvoll eingesetzt werden.

Auf dem Podium wurde deshalb auch diskutiert, wie wichtig Datensouveränität ist. Wer KI für medizinische Fragen nutzt, sollte persönliche Informationen schützen, Namen und andere Identifikationsmerkmale entfernen und Ergebnisse nicht ungeprüft übernehmen.

KI kann Orientierung geben. Die medizinische Einordnung gehört weiterhin in das Gespräch mit Ärztinnen und Ärzten.

Vom Reparaturbetrieb zur Prävention

Ein weiterer zentraler Punkt: KI könnte helfen, das Gesundheitssystem stärker in Richtung Prävention zu entwickeln. Heute ist Medizin oft ein Reparaturbetrieb. Krankheiten werden behandelt, wenn sie bereits da sind. KI kann dazu beitragen, Risiken früher zu erkennen, Muster in Gesundheitsdaten sichtbar zu machen und präventive Maßnahmen gezielter einzusetzen.

Das könnte das Gesundheitssystem langfristig verändern. Wenn Krankheiten früher erkannt oder sogar verhindert werden können, entsteht ein neuer Nutzen – für Erkrankte, Ärztinnen, Ärzten und das gesamte Versorgungssystem.

Gerade in der Onkologie kann dies besonders relevant werden. Früherkennung, individualisierte Therapieentscheidungen und bessere Datenauswertung gehören zu den Feldern, in denen KI große Wirkung entfalten kann.

Drei Takeaways von der Yes!Con

Erstens: KI kann Patientinnen und Patienten stärken. Sie hilft, Befunde zu verstehen, Fragen vorzubereiten und Gespräche mit Ärztinnen und Ärzten strukturierter zu führen.

Zweitens: KI kann medizinische Innovation beschleunigen. In Forschung, Studien und Medikamentenentwicklung kann sie Prozesse deutlich verkürzen und neue Erkenntnisse schneller nutzbar machen.

Drittens: KI braucht Menschlichkeit. Die Technologie kann viel leisten. Aber Vertrauen, Empathie und Verantwortung bleiben Kernaufgaben der Medizin.

Entscheidend ist der konkrete Nutzen

Die Debatte auf der Yes!Con machte deutlich: KI ist kein Selbstzweck. Ihr Wert bemisst sich nicht daran, wie beeindruckend die Technologie ist. Ihr Wert bemisst sich daran, was sie für Patientinnen und Patienten verändert.

Mehr Orientierung. Schnellere Entscheidungen. Bessere Vorbereitung. Präzisere Therapien. Mehr Zeit für das menschliche Gespräch. Das ist der eigentliche Maßstab für KI in der Medizin.

An gleicher Stelle, in der STATION Berlin, wird diese Debatte bald weitergeführt: Am 16. und 17. September findet dort das BIG BANG KI Festival statt. Im Mittelpunkt stehann erneut die Frage, wie Künstliche Intelligenz aus der Theorie in die konkrete Anwendung kommt – in Medizin, Wirtschaft und Gesellschaft.