Neue Kampagne

Krebs am Arbeitsplatz: Der Elefant im Büro

Mit der Initiative „Yes!@Work“ will die gemeinnützige Organisation Yeswecan!cer Unternehmen dabei unterstützen, offener mit Krebs im Arbeitsalltag umzugehen. Die neue Kampagne rückt ein Thema in den Mittelpunkt, das in vielen Betrieben noch immer verdrängt wird: das große Schweigen rund um erkrankte Mitarbeitende.

Foto vom OMR-Messestand mit dem pinken Elefanten, der auf das Thema Krebs am Arbeitsplatz aufmerksam machen soll

10.06.2026

Menschen bleiben stehen, zücken ihre Smartphones, machen Fotos. Mitten auf dem OMR-Festival in Hamburg ragt ein vier Meter hoher pinker Elefant in die Halle. Zwischen KI-Demos und Zukunftspanels wirkt er wie ein Fremdkörper – und das ist gewollt. Yeswecan!cer hat eines der größten Digital- und Marketingfestivals Europas bewusst als Bühne für seine neue Kampagne gewählt. Denn dort, wo über die Arbeitswelt von morgen gesprochen wird, soll ein Thema sichtbar werden, das viele Unternehmen noch immer verdrängen: Krebs im Job.

Rund 500.000 Menschen erkranken in Deutschland jedes Jahr neu an Krebs, etwa ein Drittel davon im erwerbsfähigen Alter. Trotzdem fehlt in vielen Unternehmen ein professioneller Umgang mit der Situation. Führungskräfte reagieren oft unsicher, Betroffene ziehen sich zurück.

„Unternehmen sprechen über Transformation und mentale Gesundheit. Aber wenn Krebs in Teams vorkommt, herrscht oft plötzlich Schweigen. Das müssen wir ändern“, sagt Daniela Fahl von Yeswecan!cer.

Wenn moderne Arbeitswelten sprachlos werden

Kaum ein Event steht so sehr für Zukunft, Digitalisierung und neue Arbeit wie die OMR. Gerade deshalb entfaltet die Aktion dort ihre Wirkung. Während auf den Bühnen über Innovation und Effizienz gesprochen wird, erinnert der pinke Elefant daran, dass zur Realität eben auch Krankheit, Überforderung und persönliche Krisen gehören.

Mit „Yes!@Work“ will Yeswecan!cer Unternehmen dabei unterstützen, einen offeneren Umgang mit Krebs im Berufsalltag zu entwickeln. Dazu gehören Seminare für Führungskräfte, Kommunikationshilfen und sogenannte „CancerGuides“ – geschulte Ansprechpartner innerhalb der Unternehmen. Ziel ist es, aus Unsicherheit Handlungskompetenz zu machen.

Sichtbarkeit statt Sprachlosigkeit

Die Aktion setzt dabei weniger auf Betroffenheit als auf Sichtbarkeit. Denn obwohl Unternehmen heute intensiv über mentale Gesundheit sprechen, bleiben Erkrankungen im Arbeitsalltag oft ein blinder Fleck. „Wer Arbeitswelten gestalten will, muss auch lernen, offen mit Krankheit, Unsicherheit und Verantwortung umzugehen“, sagt Fahl.

Yeswecan!cer wurde 2018 von Krebsbetroffenen gegründet und gehört heute zu Deutschlands größten digitalen Selbsthilfegruppen für Erkrankte und ihre Angehörigen. Mit Formaten wie der „Yes!Con“, der „Yes!App“ und Initiativen wie „Yes!@Work“ möchte die Organisation Krebs stärker in gesellschaftliche und wirtschaftliche Debatten bringen. Vielleicht ist der pinke Elefant auf der OMR deshalb vor allem eines: eine Erinnerung daran, dass Unternehmen über Zukunft nicht glaubwürdig sprechen können, wenn sie bei den existenziellen Fragen ihrer Mitarbeitenden verstummen.

Porträtfoto von Daniela Fahl

Daniela Fahl

ist Projektleiterin der Initiative YES!@WORK