Kolumne

E-Health

Datenplattform Mensch: Warum der digitale Zwilling unsere Zukunft verändert

Die digitale Transformation hat in den vergangenen Jahrzehnten Unternehmen, Märkte und Institutionen grundlegend verändert. Heute erleben wir jedoch eine Entwicklung, die weit über die Digitalisierung von Prozessen hinausgeht: Der Mensch selbst wird zunehmend zur Datenplattform. Künstliche Intelligenz wirkt dabei als Katalysator eines tiefgreifenden Paradigmenwechsels, in dem biologische, soziale und verhaltensbezogene Informationen zu einem integralen Bestandteil digitaler Wertschöpfung werden.

Eine Person, die umhüllt ist von einer Wolke mit einem Netzwerk aus Daten, dargestellt durch ein Lichternetz, als Symbol für das Thema Datenplattform Mensch

31.07.2026

Während Suchmaschinen, soziale Netzwerke oder E-Commerce-Anbieter lange Zeit die zentralen Sammelpunkte digitaler Daten waren, verschiebt sich der Fokus nun auf die indivi­duelle Person. Smartphones, Wearables, vernetzte Fahrzeuge, Smart-Home-Systeme und KI-basierte Assistenten erzeugen einen kontinuierlichen Strom von Informationen über unser Verhalten, unsere Gesundheit, unsere Präferenzen und unsere Entscheidungen. Der Mensch wird damit nicht mehr nur zum Produzenten von Daten, sondern zum zentralen Knotenpunkt eines umfassenden Datenökosystems.

Vom Plattformmodell zur Personenökonomie

Portrait des Digital Health Experten David Matusiewicz.
David Matusiewicz ist Professor für Medizinmanagement an der FOM Hochschule. Seit 2015 verantwortet er dort als Dekan den Hochschulbereich Gesundheit & Soziales und ist einer der renommiertesten Experten für Digital Health in Deutschland.

Diese Entwicklung markiert den Übergang von der Plattformökonomie zur Personenökonomie. Die entscheidende Ressource der Zukunft sind daher nicht mehr ausschließlich Produkte, Dienstleistungen oder digitale Infrastrukturen, sondern es ist die Fähigkeit, individuelle Datenkontexte intelligent zu verstehen und nutzbar zu machen. KI-Systeme sind erstmals in der Lage, aus der Vielzahl fragmentierter Informationen Muster, Zusammenhänge und Prognosen abzuleiten, die für den einzelnen Menschen einen konkreten Mehrwert schaffen können. Gerade im Gesundheitswesen wird das Poten­zial besonders sichtbar. Statt Krankheiten erst dann zu behandeln, wenn Symptome auftreten, ermöglichen datengetriebene Modelle eine immer präzisere Prävention. Kontinuierliche Gesundheitsdaten, genetische Informationen, Lebensstilfaktoren und Umweltparameter können zusammengeführt werden, um individuelle Risiken frühzeitig zu erkennen. Die Vision ist eine Medizin, die nicht reaktiv, sondern prädiktiv, präventiv und personalisiert arbeitet.

Der digitale Zwilling verändert Medizin und Prävention

Die eigentliche Revolution liegt jedoch nicht in der Datensammlung selbst, sondern in der Entstehung eines digitalen Zwillings des Menschen. Mit jeder Interaktion entsteht ein immer präziseres Abbild individueller Präferenzen, Fähigkeiten und Verhaltensmuster. Die Datenplattform Mensch ist deshalb mehr als ein technologisches Konzept. Sie beschreibt die vielleicht wichtigste Zukunftsfrage unserer Zeit: Wie gelingt es, die wachsende Intelligenz der Maschinen in den Dienst des Menschen zu stellen?