DUP UNTERNEHMER-Magazin: Das Geschäft von AWS lief bereits gut. Wozu jetzt ein zusätzliches Angebot speziell für Europa und Deutschland?
Michael Hanisch: Die AWS European Sovereign Cloud ist aus konkretem Bedarf entstanden: Angesichts mehrerer Schocks – Pandemie, instabile Lieferketten, der Ukrainekrieg – sowie zunehmender Sabotageakte hybrider Kriegsführung wurde vielen Unternehmenskunden, Aufsichtsbehörden und Regierungen klar, wie fragil digitale Infrastrukturen sein können. Die Diskussion um digitale Souveränität hat dadurch deutlich an Fahrt gewonnen. Wir verfolgen seit 2007 das sogenannte Regionskonzept: Kunden entscheiden selbst, ob ihre Daten in Frankfurt, Dublin oder einem anderen Standort liegen. Sie erhalten von uns die Zusicherung, dass ihre Daten den gewählten Ort nicht verlassen, sofern sie dies nicht ausdrücklich beauftragen. Dieses Konzept haben wir jetzt vertieft mit dem Ziel operativer Souveränität.
Können Sie das auch mit Blick auf US-Gesetze wie den Cloud Act garantieren?
Hanisch: Der Cloud Act ist ein Instrument der Strafverfolgung bei Verdacht auf schwere Taten wie Terrorismus, Geldwäsche oder Drogenhandel. Betroffen sind viele Unternehmen mit US-Geschäft, nicht allein Cloud-Anbieter. AWS sichert vertraglich zu, entsprechende Anfragen der US-Behörden anzufechten. Außerdem ist ein Zugriff schon technisch gar nicht möglich: Die Daten sind verschlüsselt, und AWS hat keinen Zugriff auf die Schlüssel. Deswegen könnten wir selbst im bisher nie eingetretenen Extremfall allenfalls verschlüsselte Daten übergeben, mit denen niemand etwas anfangen kann. Die AWS European Sovereign Cloud verfügt über mehrere Schutzebenen: organisatorische Maßnahmen, rechtliche Zusagen und technische Schutzmechanismen sowie über Attestate und Zertifizierungen durch unabhängige Dritte.
Wie stellen Sie sicher, dass AWS technisch keinen Zugriff auf Kundendaten hat?
Hanisch: Über unser „Nitro“-System – eine Kombination aus spezieller Hardware und Software: Die Trennung zwischen AWS und Kundensystemen ist nicht allein Software, sondern buchstäblich in die Hardware gegossen. Selbst rein theoretische Angriffe, zum Beispiel das Auslesen gestohlener tiefgefrorener Hardware per Rasterelektronenmikroskop, würden ins Leere laufen, da sämtliche Daten unter Verwendung bestimmter CPUs wie AWS-Graviton-Chips durchgängig verschlüsselt sind.
Was haben kleinere und mittelgroße Unternehmen mit wenig IT-Ressourcen davon?
Hanisch: Wir unterstützen Interessierte bei der Anbindung mit Account-Teams, technischer Beratung und einem großen Partnernetzwerk. Viele Lösungen lassen sich über spezialisierte Partner umsetzen und betreiben. Darüber hinaus gibt es geschäftsnahe AWS-Services, etwa für Nachfrageprognosen oder die Lieferkettensteuerung. Ein anschauliches Beispiel: Erwartet ein Händler besseres Wetter, möchte er rechtzeitig mehr Badehosen in den richtigen Regionen anbieten können. Services wie AWS Supply Chain helfen dabei, Lagerbestände und Lieferketten zu steuern – damit die Ware punktgenau dort ankommt, wo sie gebraucht wird.

