Performance Coaching

„Auch ein gutes Führungsteam kann schlecht zusammenarbeiten“

Ein Team wird nicht automatisch gut, nur weil jede einzelne Person stark ist. Im Interview erklärt Topcoach und Führungsexpertin Caroline Birke, wie Gruppen zu echten Teams werden und welchen realistischen Beitrag dabei das sogenannte Performance Coaching leisten kann.

Ein Mann sitzt am Schreibtisch mit den Händen vor dem Gesicht, während mehrere Personen Dinge wie Stifte, Smartphones und Schreibblöcke auf ihn richten, als Symbolbild für Führungsteams und Zusammenarbeit

02.02.2026

DUP UNTERNEHMER-Magazin: Viele Unternehmen beklagen: „Wir haben ein starkes Führungsteam – aber gemeinsam kommen wir nicht voran.“ Wie kann das sein?

Caroline Birke: Das höre ich oft. Vergleichbar ist das etwa mit der Situation bei Profi-Fußballvereinen. Zwar erhöhen viele internationale Topstars in einer Mannschaft deren Chance auf Erfolge. Trotzdem ist Erfolg nicht sicher. Ein Team kann sich auch gegenseitig ausbremsen.
Damit ein Team funktioniert, braucht es Führung und klare Regeln: im Fußball durch den Trainer, im Business-Leben etwa durch einen Coach. Die Leute können ihren Job, daran hakt es meist nicht. Aber ein Team entsteht nicht automatisch, nur weil Menschen auf derselben Ebene arbeiten. Oft fehlt ein gemeinsames Verständnis von Zusammenarbeit. Jeder optimiert seinen Bereich – aber niemand optimiert das Ganze. Dazu kommen unausgesprochene Konflikte, Machtfragen oder schlicht unterschiedliche Erwartungen an Rollen und Verantwortlichkeiten. Auf dem Papier wirkt das Team stark, in der Praxis verpufft Energie in Reibung statt in Ergebnissen.

In solchen Situationen versuchen viele Unternehmen reflexhaft, solche Probleme mit Workshops zu lösen. Was halten Sie davon?

Birke: Kurz gesagt: Von einmaligen Workshops - nicht viel.

Weil?

Birke: … einmalig oder punktuell angesetzte Workshops häufig Harmonie erzeugen, wo eigentlich Klarheit nötig wäre. Für ein paar Stunden fühlt sich alles leichter an: Man redet, lacht, klebt Post-ist; danach läuft meist alles weiter wie zuvor. Ein Workshop kann gute Impulse setzen, aber er ersetzt nicht die harte Arbeit an Strukturen, Verantwortlichkeiten und Verhaltensmustern. Genau dort entscheidet sich, ob ein Führungsteam wirklich performt – oder nur so tut, als ob. Wenn ich Teams begleite, ist ein Workshop nur ein Startpunkt. Die Tiefenarbeit folgt im Anschluss.

Was sind überhaupt die Ursachen dafür, dass Führungsteams trotz guter Einzelpersonen nicht funktionieren?

Birke: Meist sind es banale Dinge. Viele Führungsteams tragen Konflikte mit sich herum, die niemand anspricht – aus Loyalität, aus Bequemlichkeit oder aus Angst vor Eskalation. Gleichzeitig verteidigen Bereichsleiter ihre Territorien, statt das Unternehmen als Ganzes im Blick zu behalten. Und über allem schwebt ein Klassiker: fehlende Klarheit. Wer entscheidet was? Wer trägt Verantwortung? Wer informiert wen? Wenn diese Fragen nicht eindeutig beantwortet sind, beginnt das Rätselraten. Und das kostet Vertrauen.

Sie setzen in Ihrer Arbeit auf Performance-Coaching. Was steckt dahinter, und was ist der zentrale Unterschied zum erwähnten Workshop?

Birke: Am Anfang steht eine nüchterne Bestandsaufnahme: Wie arbeitet das Team tatsächlich? Wo gehen Entscheidungen verloren? Welche unausgesprochenen Konflikte bremsen? Anschließend definieren die Beteiligten mithilfe eines Coaches die Rollen, Verantwortlichkeiten und Entscheidungswege. So, dass man im Meeting nicht mehr über Zuständigkeiten diskutiert. Und dann wird gearbeitet, nicht diskutiert. Wir nehmen echte Fälle aus dem Führungsalltag, treffen Entscheidungen und verändern Verhalten. Teams erleben unmittelbar, wie sich Zusammenarbeit verändert, wenn man nicht an der Oberfläche kratzt, sondern die Mechanik des Miteinanders neu justiert.

Was dürfen Unternehmen realistisch von einem Performance Coaching erwarten – und was nicht?

Birke: Sie dürfen erwarten, dass ihr Führungsteam schneller, klarer und konfliktfähiger wird. Dass sich neue Verhaltens- und Kommunikationsmuster bis in die Teams verankern. Entscheidungen werden nicht länger vertagt, Verantwortlichkeiten nicht länger verwässert, und die Zusammenarbeit fühlt sich spürbar leichter an. Was Coaching allerdings nicht leisten kann, ist ein Wunder ohne aktiver Beteiligung aller. Wer nicht bereit ist, ehrlich hinzuschauen, wird nichts verändern. Und auch Harmonie ist kein realistisches Ziel: ein gutes Führungsteam ist kein Freundeskreis, sondern ein funktionierendes Entscheidungsorgan. Perfekt wird es nie sein, aber deutlich wirksamer sehr schnell.

Wenn ein KMU merkt: „Unser Führungsteam ist einzeln stark, aber gemeinsam wirkungslos.“ – was wäre dann der erste sinnvolle Schritt?

Birke: Der erste Schritt ist radikale Ehrlichkeit. Wo verlieren wir Geschwindigkeit? Wo treffen wir keine Entscheidungen? Wo arbeiten wir nebeneinander statt miteinander? Diese Fragen klingen simpel, aber sie öffnen den Blick für die eigentlichen Ursachen. Sobald ein Unternehmen erkennt, dass es nicht an den Menschen scheitert, sondern an der Art, wie diese zusammenarbeiten, wird Veränderung möglich. Performance Coaching setzt genau dort an: es macht aus einem starken Führungsteam ein wirksames.

Porträt von Caroline Birke

Caroline Birke

ist CEO und Gründerin von Caroline Birke Führungskräfte Coaching, Mentoring & Training. Über 13 Jahre war sie selbst in Führungsverantwortung tätig, zwölf davon in leitenden Positionen bis auf C-Level. Sie hat einen MBA in General Management und arbeitet heute branchenübergreifend als zertifizierte Business- und Management-Coachin