Kolumne

Altersvorsorge

Basisrente für Selbstständige: Steuergeschenk oder Betonklotz am Bein?

Während die Bundesregierung noch das Altersvorsorgedepot als Ergänzung zur gesetzlichen Rente plant, gibt es für Selbstständige schon lange eine geförderte Vorsorgeform: die Basisrente. Warum sie ein echter Rendite-Booster für die Vorsorge sein kann, welche Nachteile sie hat und worauf man bei einem Vertrag achten sollte, erklärt Kolumnist Bastian Kunkel.

Ilustration einer Hand mit einem Taschenrechner als Symbolbild für die Basisrente

04.03.2026

Basisrente für Selbstständige: Steuergeschenk oder Betonklotz am Bein?

Wenn man selbstständig ist, kennt man das Spiel: Man muss sich um alles selbst kümmern – Umsatz, Krankenversicherung, Steuern … Und irgendwo hinten im Kopf sitzt noch dieses Thema Altersvorsorge, das man gern auf „später“ verschiebt. Blöd nur: Später kommt schneller als gedacht. Die Basisrente (aka Rürup-Rente) wurde genau dafür gebaut: als Ersatz zur gesetzlichen Rentenversicherung für Selbstständige. Und ja – sie ist staatlich gefördert. Aber nicht mit Zulagen wie Riester, sondern über Steuern. Und genau da wird’s spannend.

Der große Hebel: Steuern sparen in der Ansparphase

Der größte Vorteil ist brutal simpel: Man kann die Beiträge steuerlich absetzen – 2026 sogar zu 100 Prozent bis 30.826 Euro (bei Zusammenveranlagung das Doppelte). Das heißt: Wenn man gut verdient und einen hohen Steuersatz hat, beteiligt sich das Finanzamt ordentlich am Vorsorgeaufbau. Das ist der Moment, wo viele zum ersten Mal merken: „Okay, das ist kein kleiner Bonus – das ist ein echter Rendite-Booster.“

Rendite geht auch bei der Basisrente: ETFs statt Sparbuch-Rente

Viele denken bei Rürup immer noch an „klassische Rentenversicherung mit Mini-Zins“. Muss nicht sein. Gute Basisrenten können fondsgebunden laufen – auch mit ETFs. Und wenn man auf eine Beitragsgarantie verzichtet, können sogar 100 Prozent der Beiträge in ETFs investiert werden. In Kombi mit dem Steuervorteil kann das richtig stark sein – wenn die Kosten passen. Und hier kommt der erste Haken: Kosten fressen Rendite. In unserer Beratungspraxis bei „Versicherungen mit Kopf“ sehen wir leider regelmäßig Verträge, bei denen die Rendite nicht an der Börse scheitert – sondern an Effektivkosten, die still und leise alles auffressen. Gute Verträge liegen oft um 1 Prozent Effektivkosten – bei allem, was deutlich darüber liegt, muss man sehr genau hinschauen.

Der „Nachteil“, der eigentlich ein Feature ist: Man kommt nicht ran

Jetzt der Teil, den viele hassen: Man kann nicht kündigen, nicht beleihen, nicht mal eben Kapital entnehmen. Und am Ende gibt’s nur Rente – keine Einmalauszahlung. Rentenbeginn frühestens ab 62 (bei älteren Verträgen teils ab 60). Klingt unflexibel? Ist es auch. Aber ganz ehrlich: Genau das macht sie zur Basisversorgung. Wer jederzeit ans Geld kann, plündert sich die Altersvorsorge oft selbst – und wundert sich mit 58, warum „irgendwie nichts übrig ist“. Die Basisrente schützt das zukünftige vor dem heutigen Ich.

Rentenphase: Steuer kommt zurück – aber meist günstiger

Die Basisrente wird nachgelagert besteuert. Bedeutet: Später werden die Rentenzahlungen versteuert – 2026 liegt der Besteuerungsanteil bei 84 Prozent, der dann jedes Jahr weiter steigt (bis langfristig 100 Prozent). Entscheidend ist der erste Rentenjahrgang: Der steuerfreie Anteil wird dann in Euro festgeschrieben und bleibt lebenslang gleich. Die Logik dahinter: In der Erwerbsphase hat man oft einen höheren Steuersatz als in der Rente. Wenn das der Fall ist, kann das insgesamt steuerlich sinnvoll sein.

Worauf man wirklich achten sollte: Rentenfaktor und Hinterbliebenenschutz

Bei einer Basisrente hängt am Ende alles an der monatlichen Rente – also ist der Rentenfaktor ein Riesenthema. Wenn der nicht sauber garantiert ist (und idealerweise ohne Treuhänderklausel), kann aus „sieht gut aus“ schnell „war doch nicht so gut“ werden. Und: Standardmäßig ist kein Hinterbliebenenschutz drin. Stirbt man früh, kann das bitter sein. Man kann das lösen (Beitragsrückgewähr, Hinterbliebenenrente, Rentengarantiezeit) – kostet aber extra. Und das sollte bewusst entschieden werden, nicht „aus Versehen mitgekauft“.

Fazit: Lohnt sich das? Ja – aber nur für den richtigen Typ Mensch

Die Basisrente lohnt sich vor allem dann, wenn man gut verdient und Steuern sparen will, Altersvorsorge wirklich „wegschließen“ will, ETF-orientiert investieren möchte und einen günstigen Vertrag bekommt. Wenn man dagegen maximale Flexibilität will („man will später vielleicht Kapital, man will ran können, man will notfalls stoppen und kündigen“), dann ist Rürup meist der falsche Schuh. Die Basisrente ist kein Lifestyle-Produkt. Sie ist ein Werkzeug. Und wie bei jedem Werkzeug gilt: In der richtigen Hand genial – in der falschen Hand endet’s mit blauen Fingern.

Porträt von Bastian Kunkel, Gründer von Versicherungen mit Kopf

Bastian Kunkel

Der Autor von „Total verunsichert“ ist Gründer und Geschäftsführer der VKM Versicherungsmakler GmbH. Deren Markenplattform „Versicherungen mit Kopf “ ist einer der bei Google in Deutschland am besten bewerteten Versicherungsmakler. VKM Versicherungsmakler berät Privatkunden digital und unabhängig von einzelnen Versicherungsunternehmen – verständlich, transparent und praxisnah.