Kolumne

Rente

Altersvorsorgedepot 2027: Endlich Förderung für Selbstständige – aber kein Allheilmittel

Mit dem Altersvorsorgedepot können auch Selbstständige ab 2027 staatlich gefördert vorsorgen. Warum das prinzipiell eine gute Sache ist, aber nicht ausreicht, erklärt Vorsorgeexperte Bastian Kunkel.

Frau sitzt am Schreibtisch vor ihrem Laptop als Symbolbild für eine Sparerin, die sich über das Altersvorsorgedepot informiert

05.11.2026

Jahrelang wurden Selbstständige bei der staatlich geförderten Altersvorsorge weitgehend außen vor gelassen. Ab 2027 ist damit Schluss. Doch wer glaubt, dass das neue Altersvorsorgedepot die Rentenlücke im Alleingang schließt, wird enttäuscht.

Endlich wird eine Lücke geschlossen

Keine automatische gesetzliche Rente, kein Arbeitgeberzuschuss und bei der Riester-Rente meist nur der Umweg über den Ehepartner. Mit dem Altersvorsorgedepot profitieren erstmals auch Gewerbetreibende und Freiberufler direkt von staatlichen Zulagen. Voraussetzung sind entsprechende, in der Steuererklärung angegebene Einkünfte. Das wurde ehrlich gesagt auch Zeit.

Wie viel Geld gibt der Staat dazu?

Auf die ersten 360 Euro Eigenbeitrag im Jahr gibt es 50 Prozent Zulage, für weitere Einzahlungen bis 1.800 Euro 25 Prozent. Macht maximal 540 Euro Grundzulage. Dazu kommen bis zu 300 Euro pro Kind und einmalig 200 Euro für alle unter 25. Zusätzlich prüft das Finanzamt, ob der Sonderausgabenabzug mehr bringt.

Anders als bei Riester sind geförderte Depots ohne Beitragsgarantie möglich, etwa mit ETFs. Mehr Renditechancen also, aber auch mehr Risiko.

Warum 540 Euro noch keine Altersvorsorge sind

Mehr als 1.800 Euro in das Altersvorsorgedepot einzuzahlen ist möglich, bringt aber keine zusätzliche Zulage. Für Selbstständige ohne nennenswerte gesetzliche Rente reicht das allein kaum aus.

Wer größere Beträge steuerlich gefördert zurücklegen möchte, sollte auch die Basisrente prüfen. Ihr Abzugsrahmen ist deutlich höher, dafür ist das Geld langfristig gebunden und fließt als lebenslange Rente.

Aus unserer Altersvorsorge-Beratungspraxis bei Versicherungen mit Kopf wissen wir: Entscheidend ist nicht die höchste Förderung, sondern eine Vorsorge, die zu Einkommen, Liquidität und Lebensplanung passt.

Drei Dinge, die Sie nicht unterschätzen sollten

  1. Die Anlagestrategie. Eine Garantie kostet häufig Rendite. Trotzdem sollten Sie wissen, wie viel Risiko Sie tatsächlich tragen können.
  2. Die Kosten. Beim Standarddepot sind die Effektivkosten auf ein Prozent begrenzt, bei anderen Angeboten nicht. Über Jahrzehnte macht das einen gewaltigen Unterschied.
  3. Die Flexibilität. Ausgezahlt wird in der Regel ab 65, als lebenslange Rente oder als Auszahlplan bis mindestens 85. Bis zu 30 Prozent können zu Beginn auf einmal entnommen werden. Wer vorher kündigt, muss Zulagen und Steuervorteile grundsätzlich zurückzahlen.

Fazit

Das Altersvorsorgedepot ist ein echter Fortschritt. Trotzdem bleibt es ein Baustein. Nicht mehr und nicht weniger. Selbstständige brauchen eine Strategie, die auch schwankende Einnahmen, Rücklagen und den Schutz der eigenen Arbeitskraft berücksichtigt.

Denn die beste Altersvorsorge ist nicht die mit der höchsten Zulage. Sondern die, die zu Ihrem Leben passt und die Sie konsequent durchziehen.

Porträt von Bastian Kunkel, Gründer von Versicherungen mit Kopf

Bastian Kunkel

Der Autor von „Total verunsichert“ ist Gründer und Geschäftsführer der VMK Versicherungsmakler GmbH. Deren Markenplattform „Versicherungen mit Kopf “ ist einer der bei Google in Deutschland am besten bewerteten Versicherungsmakler. VMK Versicherungsmakler berät Privatkunden digital und unabhängig von einzelnen Versicherungsunternehmen – verständlich, transparent und praxisnah. Als Keynote-Speaker zeigt Kunkel zudem, wie er in der „langweiligsten Branche der Welt“ fast eine Million Follower aufgebaut hat und wie Social Media, Personal Branding und digitale Sichtbarkeit heute wirklich funktionieren.