WM: Sportaktien im Fokus
Wenn am 19. Juli im New-York-New-Jersey-Stadion das Finale der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 abgepfiffen wird, dürften nicht nur die an der WM beteiligten Nationalmannschaften eine Bilanz des Turniers ziehen, sondern auch die Führungskräfte von Unternehmen, deren Geschäft von der Veranstaltung in Mexiko, Kanada und den USA - etwa im „Hard Rock Stadium Miami“ (siehe Foto oben) – profitieren. Dazu zählen unter anderen die Sportartikelanbieter Adidas (14 Teams), Nike (12) oder Puma (11), die zusammen annähernd 80 Prozent der beteiligten 48 Manschaften ausrüsten. Wie die Analysten der DZ Bank – Thomas Maul und Katharina Schmenger – feststellen, zählen zu den wichtigsten Umsatztreibern im Umfeld einer Weltmeisterschaft „vor allem der Verkauf von Trikots aber auch von Bällen, Fußballschuhen und fußballinspirierter Mode“.
Meistgesehenes Sportereignis der Geschichte
Die DZ-Bank-Experten zum Rekordturnier: „Der Hauptgrund für die verlängerte Turnierdauer auf 39 Tage ist die Aufstockung des Turniers von 32 auf 48 teilnehmende Mannschaften. Dadurch erhöht sich die Anzahl der Spiele von 64 (WM 2022) auf 104. Dies führt unseres Erachtens zu einer massiven Steigerung der Reichweite und Medienpräsenz. Die FIFA prognostiziert, dass rund sechs Milliarden Menschen das Turnier verfolgen werden – dies würde die WM 2026 zum meistgesehenen Sportereignis der Geschichte machen.“ Die deutsche Elf ist allerdings schon Ende Juni im Sechszehntelfinale im K.O.-Spiel gegen Paraguay im Elfmeterschießen ausgeschieden.
Trikots für eine Milliarde Euro
Dennoch: die Dimensionen des Geschäfts allein mit Trikots sind beeindruckend. Um sie einzuschätzen wurde bei der DZ Bank ein „DZ Bank Trikot-Modell“ entwickelt. Danach „werden Nike, Adidas und Puma für ihre Top-Teams (Buchmacher-Top-10 / FIFA-Top-10) und die Mannschaften der Gastgeberländer insgesamt rund 22 Millionen Trikots verkaufen und damit einen Gesamtumsatz von über einer Milliarde Euro
erzielen. Nike führt das Ranking im Basisszenario mit circa 12,3 Millionen Trikots (Umsatz: 662 Millionen Euro) an. Für Adidas prognostiziert das DZ BANK Trikot-Modell im Basisszenario 8,2 Millionen Trikots (Umsatz: 440 Millionen Euro) und für Puma
1,3 Millionen Trikots (Umsatz: 71 Millionen Euro).
Diese Sportaktien stehen auf „Kaufen“
Da die Hersteller die jeweiligen Teams mit jährlichen Summen in teils zweistelliger Millionenhöhe sponsern, hält sich die Profitabilität des reinen Trikotverkaufs in Grenzen. Er dient aber zur „Markenbildung und zur Hebung von Cross-Selling-Potenzialen“, so die DZ Banker.
Sie stellen in ihrer Analyse die Titel von Adidas und Nike auf „Kaufen“. Bei Puma lautet das Urteil „Halten“. Das Unternehmen befindet sich nach Problemen in einer Restrukturierungsphase und erwartet erst für das nächste Jahr wieder Wachstum. Die Adidas-Fans unter den Anlegenden sollten allerdings berücksichtigen, dass das Unternehmen aus Herzogenaurach jetzt nach über 70 Jahren Partnerschaft seinen Ausrüstervertrag mit dem DFB an den Konkurrenten Nike abgeben muss.
Nicht nur Ausrüster zählen indirekt zu Sportaktien
Vielleicht lohnt auch ein Blick auf Aktien von Unternehmen, die nicht als direkte Ausrüster von der WM profitieren könnten. So wirbt beispielsweise der Internetdienstleister 1&1, der zum Reich von United Internet gehört, Neukunden mit einem Trikot der deutschen Nationalelf. Womöglich bringt das den Kurs des Titels, der sich zuletzt auf Talfahrt befand, wieder in Schwung.
Auch der riesige Online-Modehändler Zalando könnte profitieren. Pünktlich zum Start der Weltmeisterschaft lancierte der DFB-Sponsor ein neues Videoformat, das die Nationalelf über einen längeren Zeitraum begleiten sollte. Ziel war und ist wohl, Fußballfans für das Sportsware-Angebot von Zalando zu begeistern. Unabhängig davon schätzen die Kapitalmarktprofis der Investmentbank Berenberg aus Hamburg den Titel aufgrund des strukturellen Wachstums und einer Margenausweitung des Unternehmens als „Kauf“ ein. Sportbegeiste können also auch an der Börse spannende Zeiten erleben.