Die Chancen von Silber als Geldanlage
Auf der Liste der renditestärksten Anlagen stand 2025 Silber ganz oben. Wer zu Jahresanfang 100.000 Euro in das Edelmetall investierte, konnte sich am 30. Dezember über ein Vermögen von 227.600 Euro freuen. Damit schlug Silber das bei Anlegenden beliebtere Gold um Längen: Mit dem gelben Metall hätte sich der Depotstand zu Jahresende lediglich auf 145.200 Euro belaufen.
Silber hat 2025 also eine wahre Rally hingelegt. Am Jahresende kostete eine Feinunze – das sind rund 31,1 Gramm – 71,30 Dollar, ein Jahr zuvor waren es 28,83 Dollar. Tim Schieferstein, Co-Geschäftsführer des Edelmetallspezialisten Solit Management GmbH: „Der rasante Preisanstieg im Jahr 2025, und insbesondere im letzten Quartal, hat mehrere Ursachen. Neben der starken industriellen Nachfrage – etwa aus den Bereichen Solarenergie, Elektromobilität und Elektronik – spielt Silber auch seine Rolle als Krisen- und Inflationsschutz aus“ (siehe Interview unten).
Die Nachfrage nach Silber übersteigt das Angebot
Als Industriemetall ist Silber derzeit äußerst gefragt. Weil es Strom sowie Wärme besser leitet und Licht besser reflektiert als jedes andere Metall und sich zudem leicht formen und dehnen lässt, ist es unverzichtbar in boomenden Branchen, insbesondere der Photovoltaik. Die Folge: Die Silberproduktion kommt dem Bedarf nicht mehr hinterher. Forschende der Universität Gent haben errechnet, dass die weltweite verfügbare Menge an Silber bis 2030 lediglich 62 bis 70 Prozent der Nachfrage befriedigen kann.
„Das bestehende Silberangebot stößt an Grenzen, da Minen die hohe Nachfrage nicht decken können: In den letzten fünf Jahren wurde mehr Silber verbraucht als gefördert. Dieser Mix aus realer und spekulativer Nachfrage treibt den Preis massiv. Hinzu kommen anhaltende Inflationssorgen, geopolitische Unsicherheiten sowie die Erwartung sinkender Zinsen“, sagt Schieferstein. So hat beispielsweise China Anfang des Jahres neue Exportkontrollen für Silber in Kraft gesetzt, um der heimischen Industrie das wertvolle Metall zu sichern. Die USA führen es seit Kurzem auf ihrer Liste der „kritischen Mineralien“.
Große Schwankungen beim Silberpreis
Aus Anlegendensicht zählt Silber ebenso wie Gold zu den Sachwerten. Dank seiner Wertbeständigkeit kann es beispielsweise gegen Inflation schützen und gerade in Krisenzeiten seine Stärken ausspielen. Schieferstein erwartet, dass sich Silber im Lauf dieses Jahres weiter verteuern wird. Anlegende sollten allerdings wissen, dass das weiße Edelmetall großen Preisschwankungen unterliegen kann. Das zeigte sich gerade wieder Ende vergangenen Jahres. War der Silberpreis am 26. Dezember um mehr als zehn Prozent gestiegen, fuhr er nur drei Tage später mit einem Rücksetzer um rund neun Prozent den größten Tagesverlust der vergangenen fünf Jahre ein.
Barren, Münzen, ETCs und Fonds
Wer sein Portfolio mit Silber diversifizieren möchte, hat verschiedene Möglichkeiten. Anlegende sollten allerdings beachten, dass Silber – ebensowenig wie Gold – keine Erträge abwirft. Eine Rendite können sie nur erzielen, wenn sie ihr Edelmetall teurer verkaufen, als sie es eingekauft haben.
Als Anlageform stehen beispielsweise Silbermünzen und -barren zur Wahl. Diese können bei Edelmetallhändlern oder der Hausbank erstanden werden. Anlegende müssen bei einschlägigen Händlern allerdings hohe Abschläge zwischen Kauf- und Verkaufspreis einkalkulieren. Obendrein stellt sich die Frage, wie sie die Stücke lagern möchten. Wer sich für ein Schließfach entscheidet, sollte beachten, dass Banken und Sparkassen für den Inhalt nur bis zu einer begrenzten Höhe haften, meist 10.000 oder 15.000 Euro. Übersteigt der Inhalt diesen Wert, ist eine zusätzliche Versicherung nötig, die extra kostet. Und auch wer Sachwerte im heimischen Tresor aufbewahrt, sollte auf einen ausreichenden Versicherungsschutz achten.
Mehrwertsteuer sparen beim Silberkauf
Edelmetallhändler bieten meist die Verwahrung der Silberanlagen in einem Hochsicherheitstresor an. Wie bei einem Schließfach werden hier Gebühren fällig. Steuerlich interessant kann es allerdings sein, einen Silberbarren im Schweizer Zollfreilager eines Händlers zu kaufen und zu verkaufen, ihn also auch dort verwahren zu lassen. Denn dann fällt keine Mehrwertsteuer an. A propos Steuer: Wer Silbermünzen oder -barren mindestens ein Jahr lang hält, zahlt beim Verkauf keine Steuer auf den Gewinn.
Einige Edelmetallhändler offerieren zudem Silbersparpläne. Damit erwerben Sparerinnen und Sparer ab einem geringen monatlichen Betrag Anteile an einem Silberbarren, bis er ihnen nach einiger Zeit in Gänze gehört.
Silberfonds statt physischer Anlagen
Wer keine physischen Silberanlagen besitzen, aber den Silberpreis nachvollziehen möchte, kann sich für Aktien von relevanten Unternehmen entscheiden. Einschlägige Fonds umfassen oft neben Silber auch Gold und andere Edelmetalle. Der Jupiter Gold & Silver Fund (ISIN: IE00BYVJRK24) beispielsweise setzt auf Wertpapiere von Unternehmen, die sich auf den Abbau von Gold und Silber oder die Verwahrung physischer Goldbestände konzentrieren. Der Stabilitas Silber und Weißmetalle (ISIN: LU0265804046) investiert vor allem in Aktien kleiner bis mittlerer Unternehmen, die in der Gewinnung, Verarbeitung und Vermarktung von Silber tätig sind. Und der Global X Silver Miners (ISIN: IE000UL6CLP7) will die Kurs- und Renditeentwicklung des Solactive Global Silver Miners Total Return v2 Index nachvollziehen, der die Aktienmarktperformance globaler Unternehmen aus der Silberbergbaubranche abbildet. Wie bei allen Fonds gilt auch hier: Bei Papieren, die nicht auf Euro lauten, müssen Anlegende das Wechselkursrisiko beachten.
Silber-ETCs als Alternative
Silber-ETFs sind in Deutschland nicht handelbar. Denn hierzulande ist es nicht erlaubt, ETFs mit nur einem Bestandteil aufzulegen, weil so die vorgeschriebene Diversifizierung nicht erreicht werden kann. Eine Alternative sind ETCs, kurz für Exchange Traded Commodities (deutsch: börsengehandelte Rohstoffe). Wie ETFs können sie bei der Bank oder dem Onlinebroker gekauft werden. Ein Silber-ETC ist eine Inhaberschuldverschreibung. Anlegende sollten darauf achten, dass der ETC mit physischen Silberbeständen besichert ist. Dann hinterlegt der Emittent für jeden ETC-Anteil eine bestimmte Menge des realen Edelmetalls in einem Tresor.
Eine der ältesten einschlägigen Lösungen ist der WisdomTree Physical Silver ETC (ISIN: JE00B1VS3333). Eine andere Möglichkeit: Der DB ETC Xtrackers Physical Silver (ISIN: DE000A1E0HS6). Allerdings sollten Anlegende berücksichtigen: Falls der Emittent Konkurs anmeldet, kann es Probleme bei der Rückzahlung der ETC-Anteile geben, selbst wenn physisches Silber hinterlegt ist.
„Deutlicher Preisanstieg noch in diesem Jahr“
Edelmetallexperte Tim Schieferstein ist überzeugt, dass Silber Chancen verspricht, die Gold nicht bietet. Und er erklärt, weshalb der Silberpreis schon bald auf 100 Dollar pro Feinunze klettern könnte.
Silber steht als Anlageobjekt seit jeher im Schatten von Gold. Zu Recht?
Tim Schieferstein: Ich persönlich bin voll überzeugt von Silber. Das Weißmetall wird häufig als der „kleine Bruder“ von Gold bezeichnet. Das liegt unter anderem daran, dass Silber Preisbewegungen von Gold oft erst zeitverzögert nachvollzieht. Dabei bietet Silber Chancen, die Gold nicht hat: Es wird stark industriell nachgefragt, ist deutlich günstiger und reagiert häufig dynamischer auf Marktbewegungen. Aus meiner Sicht ist Silber nach wie vor unterbewertet und verfügt über erhebliches Aufholpotenzial. Ein gezielter Silberanteil kann ein Portfolio daher sinnvoll ergänzen.
Eignet sich Silber – ähnlich wie Gold – als sicherer Hafen, etwa zum Inflationsschutz?
Schieferstein: Ja, Silber eignet sich als Inflationsschutz. Im Gegensatz zu Papiergeld ist es begrenzt verfügbar und kann langfristig Wert speichern. Allerdings ist Silber volatiler als Gold, da es sowohl Anlageobjekt als auch Industriemetall ist. Dadurch reagiert es stärker auf Konjunkturzyklen und technologische Entwicklungen. Wer Silber beimischt, sollte daher diversifizieren und Schwankungen einkalkulieren.
Silbermünzen oder -barren – welche Anlageform eignet sich für wen?
Schieferstein: Beide Anlageformen haben ihre Berechtigung. Die meisten Anleger entscheiden sich für Silbermünzen statt für Silberbarren, denn sie sind oftmals hinsichtlich des Grammpreises günstiger als Barren. Darüber hinaus verfügen Silbermünzen wie Maple Leaf oder Britannia über optische Sicherheitsmerkmale, die diese Münzen quasi unfälschbar machen. Mit rund 70 Euro für eine Silberunze, das sind rund 31,1 Gramm, ermöglichen Münzen auch bereits ab geringen Anlagebeträgen, vom Anstieg des Silberpreises zu profitieren.
Welche Vor- und Nachteile bieten Alternativen wie Silber-ETCs sowie Silberaktien oder -fonds?
Schieferstein: Silber-ETCs sind börsengehandelte Schuldverschreibungen, die die Preisentwicklung von Silber abbilden, ohne dass Anleger das Metall physisch besitzen müssen. Sie sind einfach handelbar, bergen jedoch ein Emittentenrisiko und bilden den Silberpreis nicht immer eins zu eins ab. Wichtig ist daher, auf physisch besicherte Produkte zu achten. Reine Silber-ETFs sind in Deutschland nicht erlaubt. Silberaktien hingegen sind Unternehmensbeteiligungen an Minengesellschaften. Hier investieren Anleger nicht nur in den Rohstoff, sondern auch in das Geschäftsmodell – inklusive unternehmerischer Risiken. Daher sollte man nur mit entsprechendem Hintergrundwissen investieren. Physisches Silber ist im Vergleich transparenter und weniger komplex.
Lohnt sich jetzt noch der Einstieg oder ist der Silberpreis bereits zu hoch?
Schieferstein: Im Vergleich zu den letzten Jahren ist der Silberpreis stark gestiegen, aber vielleicht schauen wir in einem Jahr zurück und wünschen uns diesen niedrigen Preis zurück. Die Preisentwicklung bei Edelmetallen ist immer relativ. Der beste Zeitpunkt zum Einstieg? Jetzt! Zumal eine Investition in Edelmetalle langfristig erfolgen sollte. Für kurzfristige Spekulationen eignen sich Gold und Silber nur bedingt. Gestaffelte Investitionen können sinnvoll sein, um vom Cost-Average-Effekt zu profitieren.
Welche Entwicklung erwarten Sie für 2026?
Schieferstein: Wir sind sehr optimistisch und rechnen mit weiter steigender Nachfrage bei gleichzeitig moderatem Angebotswachstum. Zudem spricht die Charttechnik eindeutig für einen weiteren deutlichen Anstieg. Für Silber bedeutet das grundsätzlich eine positive Perspektive, auch wenn kurzfristige Schwankungen bleiben dürften. Unterstützend wirken erwartete Zinssenkungen, die globalen Unsicherheiten, sowie ein wachsendes Misstrauen gegenüber Papierwährungen. Zentralbanken kaufen weiterhin Gold in großem Umfang, was auch Silber Rückenwind geben kann. Entsprechend optimistisch sind viele Marktteilnehmer – für Silber werden sogar langfristige Kursziele von deutlich höheren Niveaus diskutiert. Ich halte es für durchaus wahrscheinlich, dass eine Feinunze Silber bereits in diesem Jahr mehr als 100 US-Dollar kosten wird.

