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Asien-Pazifik: Die Chancen einer dynamischen Wachstumsregion

Digitalisierung und wachsende Märkte verändern den Asien-Pazifik-Raum. Rainer Fritzsche, geschäftsführender Gesellschafter von Ovid Partner, erklärt, was den pazifisch-asiatischen vom europäischen und US-Markt unterscheidet, warum die Region für Diversifikation im Portfolio sorgen kann und weshalb er dort mittel- und langfristig mit guten Erträgen rechnet.

Nächtliche Straße und Skyline einer asiatischen Großstadt als Symbolbild für Investment im Raum Asien-Pazifik

05.08.2026

Asien-Pazifik: Die Chancen einer dynamischen Wachstumsregion

DUP UNTERNEHMER-Magazin: Was kann den asiatisch-pazifischen Raum für Anlegende interessant machen?

Rainer Fritzsche: Der Asien-Pazifik-Raum ist die Schlüsselregion für globales Wachstum und Innovation. Mit rund 4,2 Milliarden Menschen – also etwa der Hälfte der Weltbevölkerung – sowie bedeutenden Metropolen und zentralen Welthandelsrouten zählt er zu den dynamischsten Wirtschaftsregionen der Welt. Die zentrale Rolle der Region zeigt sich auch in der 2020 gegründeten Regional Comprehensive Economic Partnership, kurz RCEP, einer der weltweit größten Freihandelszonen mit 15 Mitgliedstaaten. Zudem trägt der Asien-Pazifik-Raum mehr als ein Drittel zur globalen Wirtschaftsleistung bei. Das ist faszinierend.

Wie unterscheidet sich dieser Wirtschaftsraum von europäischen oder US-Märkten?

Fritzsche: Die Region vereint Emerging Markets, also aufstrebende Märkte, wie Pakistan und Kambodscha mit hochindustrialisierten Ländern wie Taiwan, Südkorea und Japan. Diese Kombination aus unterschiedlichen Entwicklungsstufen eröffnet vielfältige Investitionsmöglichkeiten, ermöglicht unterschiedliche Wachstumstreiber im Portfolio und unterscheidet den Asien-Pazifik-Raum deutlich von europäischen und US-Märkten. 

Würden Sie im Bereich Asien-Pazifik eher in stark spezialisierte Unternehmen oder in diversifizierte Konzerne investieren?

Fritzsche: Konglomerate wie Mitsubishi Heavy Industries – die von Autos über Gasturbinen und Klimageräten aktiv sind – bieten durch ihre breite Aufstellung Stabilität. Hier kann auch von Zukunftstrends profitiert werden. Kleinere, spezialisierte Unternehmen, wie das australische Unternehmen Charter Hall, das im Bereich öffentlicher und sozialer Infrastruktur aktiv ist, können durch ihre Fokussierung auf bestimmte Bereiche stärkere Wachstumsmöglichkeiten eröffnen. Unserer Meinung nach ermöglicht die Kombination eine ausgewogene Anlagestrategie. Die Vielfalt schafft Zugang zu unterschiedlichen Wachstumsfeldern sowie Geschäftsmodellen und ermöglicht ein breit aufgestelltes Investment.

Auf welche Branchen lohnt sich ein Blick im asiatisch-pazifischen Markt?

Fritzsche: Die Branchenvielfalt ist sehr groß. Um einige Ressourcen zu nennen: Malaysia verfügt über große Ölvorkommen und exportiert mehr Energie, als es importiert. Zudem baut das Land seine digitale Infrastruktur sowie seinen Rechenzentrumssektor deutlich aus. China ist führend bei Batterietechnologien und erneuerbaren Energien. Firmen aus Japan und Südkorea stellen Turbinen- oder Spezialmaschinen für die Halbleiterproduktion her. Gleichzeitig gewinnt der Seehandel innerhalb Asiens weiter an Bedeutung und stärkt die verschiedenen Branchen – von Logistik und Infrastruktur bis hin zu Industrie und Handel. In dem Kontext spielt für uns auch der unterschiedliche Entwicklungsstand der Länder eine wichtige Rolle. Während Staaten wie Japan, Südkorea, Taiwan und China stark industrialisiert und in Innovations- und Technologiebranchen führend sind, bieten Länder wie Indien, Indonesien und Vietnam durch ihre wachsende Industrie und ihre starke Bedeutung in der Agrarwirtschaft zusätzliches Wachstumspotenzial.

Welche Sektoren wachsen dort am stärksten und sind daher für Anlegende besonders attraktiv?

Fritzsche: Besonders interessant ist der gesamte Bereich der IT-Branche von Software bis Hardware. Das zeigt sich auch in der Zusammensetzung unseres Portfolios „Ovid Asia Pacific Wealth Fund“. Asiatische Zulieferer sind ein zentraler Bestandteil der globalen Technologiebranche. Kein KI-Unternehmen auf dieser Welt kommt ohne asiatische Chips und Zulieferer wie beispielsweise den japanischen Kondensatorenhersteller Murata aus. Neben der Technologie spielen auch Rohstoffe eine wichtige Rolle. Indonesien verfügt über große Nickelvorkommen. Australien hat bedeutende Reserven von Gold, Uran und Seltenen Erden. Darüber hinaus bieten auch Unternehmen aus dem Konsumbereich interessante Chancen, da sie von der steigenden Nachfrage in der Region profitieren können.

Gibt es Branchen, die besonders krisenresistent sind?

Fritzsche: Auch im Asien-Pazifik-Raum gelten vor allem stabile Geschäftsbereiche wie Mautstraßen, Energieerzeugung, Wasserversorgung und Telekommunikation als krisenresistent – ähnlich wie in Europa und den USA.

Wie beeinflussen kulturelle Unterschiede in der Region wirtschaftliche Chancen und Entwicklungen?

Fritzsche: Die Vielfalt an unterschiedlichen Sprachen ist Fluch und Segen zugleich. Sie bringt sowohl Herausforderungen als auch Chancen mit sich. Jedoch gilt in den meisten Ländern Englisch als Geschäftssprache und wird auch in allen Schulen gelehrt. Ein ausgeprägter Gemeinschaftssinn und eine hohe Leistungsbereitschaft fördern die weitere positive Entwicklung der Region. 

Welche langfristigen Trends herrschen in dem Wirtschaftsraum?

Fritzsche: Die Region Asien-Pazifik verfügt über alle Teile einer kompletten Wertschöpfungskette vor Ort. Hinzu kommen ein sehr hoher Bildungsstand und Bildungshunger in den meisten Ländern. Damit verbunden sind eine sehr hohe Affinität für digitale Technik, ein starker Ausbau und die Vernetzung der Energieerzeugung sowie eine große Offenheit für Technologieneuheiten wie die Robotik. Gleichzeitig besteht in einigen Bereichen weiterhin großer Nachholbedarf, insbesondere bei der Infrastruktur.

Wie sind Investments in Asien-Pazifik-Fonds zuletzt gelaufen und wie schätzen Sie deren weitere Entwicklung ein?

Fritzsche: Betrachtet man die vergangenen zehn Jahre, gab es sehr gute Ergebnisse aus der Region. Diese basieren unter anderem auf Wachstumsraten, die höher als in Europa und den USA sind. Auch die Vielfalt der Märkte – von Industrieländern wie Japan über fortgeschrittene Schwellenländer wie Südkorea bis hin zu Emerging Markets wie Thailand und Indien – bietet unterschiedliche Wachstumsperspektiven. Dies ist eine gute Voraussetzung für mittelfristige – also in einem Zeitraum von vier bis fünf Jahren – und langfristige positive Erträge aus der Region.

Porträtfoto von Rainer Fritzsche

Rainer Fritzsche

Rainer Fritzsche ist Gründer und geschäftsführender Gesellschafter des Fondsinitiators Ovid Partner. Er verfügt über knapp 36 Jahre Erfahrung in der Initiierung von Long-Only- und Alternativen Investment-Publikumfonds