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Schiffsbeleuchtung: Warum Licht über Sicherheit auf See entscheidet

Wer an Schiffbau denkt, dem kommen sofort Stahl, Turbinen oder gewaltige Antriebe in den Kopf. Licht fällt in diesem Zusammenhang kaum jemandem ein. Dabei gehört Schiffsbeleuchtung zu den Komponenten, die über Sicherheit, Einsatzfähigkeit und im Ernstfall sogar über Leben und Tod entscheiden können. Für Georg Blum, CEO von Lightpartner, ist genau das der Grund, warum maritime Lichtsysteme mit gewöhnlicher Beleuchtung kaum etwas gemeinsam haben.

Ein Schiff auf See während der Abenddämmerung. Die Schiffsbeleuchtung ist dadurch gut zu erkennen.

07.08.2026

Das Wort Lampen vermeidet Georg Blum, CEO des Bremer Unternehmens Lightpartner, ganz bewusst. Schließlich entwickelt sein Unternehmen komplette Lichtsysteme für die Schifffahrt – vom eigentlichen Leuchtmittel über Steuerungselektronik bis zur Energieverteilung. Systeme, die auf ihre Umgebung reagieren und unter Bedingungen funktionieren müssen, bei denen herkömmliche Technik längst versagt. Dass Lightpartner heute weltweit zu den führenden Spezialisten der Nische Schiffsbeleuchtung gehört, sei das Ergebnis von mehr als drei Jahrzehnten Entwicklung. Blum sagt: „Das passiert jedoch nicht über Nacht, es braucht viel Blut, Schweiß und Tränen.“ Entscheidend seien dafür nicht allein Kon­s­truktionen oder Patente gewesen, sondern vor allem die Menschen im Unternehmen. „Am Ende ist es die Mannschaft“, sagt Blum, „die verstehen muss, was Kunden wirklich brauchen. Und die daraus passende Lösungen entwickelt.“

Schiffbeleuchtung: Die Badewanne als Testlabor

Die Geschichte von Lightpartner beginnt Mitte der 1990er-Jahre. Gegründet wurde das Unternehmen 1995 von Dietrich Haas und Heiko Riekers. Sie füllten eine Lücke, nachdem der damals marktführende Spezialleuchten-Hersteller in Bremen von einem Wettbewerber aus Norwegen übernommen und in einer Konzernstruktur verschmolzen wurde. So entstand auf Initiative der Meyer Werft ein neuer Spezialist. Der Gründer machte sich selbstständig, erste Prototypen wurden improvisiert getestet. „Damals noch in der Badewanne“, blickt Blum mit einem Schmunzeln zurück. Aus dieser pragmatischen Anfangszeit entwickelte sich ein Unternehmen, dessen Lichtsysteme heute auf Kreuzfahrtschiffen, Offshore-Plattformen, Forschungsschiffen und Marineschiffen rund um den Globus eingesetzt werden.

Doch obwohl alle diese Schiffe auf See unterwegs sind, könnten ihre Anforderungen kaum unterschiedlicher sein. „Ein Kreuzfahrtschiff ist bunt und lustig. Der Marineschiffbau ist aber alles andere als das“, zitiert Blum einen Kunden. Wo auf einem Kreuzfahrtschiff Licht vor allem Emotionen erzeugen und Räume inszenieren soll, zählen im militärischen Schiffbau vor allem Funk­tion, Robustheit und Tarnung. Außenbeleuchtung darf dort nur eine exakt definierte Sichtbarkeit besitzen. Hinzu kommen Schock- und Vibrationsfestigkeit sowie die Fähigkeit, empfindliche Elektronik oder Waffensysteme nicht zu stören und nicht von ihnen gestört zu werden.

Bis eine Leuchte diesen Anforderungen entspricht, vergehen Monate, nicht selten Jahre. Im Bremer Labor werden dafür Salzwasser, Feuchtigkeit, Frost, Hitze, mechanische Belastungen und Temperatursprünge simuliert. Für Marineprojekte folgen zusätzliche Prüfungen in externen Spezial­laboren und bei den Auftraggebern. Blum erklärt: „Manche Systeme müssen Belastungen standhalten, die sich im eigenen Haus gar nicht erzeugen lassen. Erst wenn Material, Konstruktion und Zertifizierung zusammenspielen, erhält ein Produkt die Freigabe.“

Rekordaufträge in der maritimen Wirtschaft

Dabei ist die eigentliche Bewährungsprobe für ein Schiff nicht das Labor, sondern der Einsatz auf See. Ein Kreuzfahrtschiff kann im Winter in Finnland ausgerüstet werden und wenige Wochen später durch die Karibik fahren. Marineschiffe operieren unter Bedingungen, unter denen andere Schiffe längst Schutz suchen würden. Ersatzteile lassen sich dort nicht kurzfristig beschaffen. „Die Crew ist zwar in der Lage, mit einem Kaugummi und einer Plastiktüte fast alles zu reparieren“, sagt Blum. Darauf verlassen dürfe sich jedoch niemand. Zuverlässigkeit müsse daher bereits in der Konstruktion beginnen.

Gerade darin sieht Blum im Mittelstand einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil: Im Schiffbau komme es oft auf Geschwindigkeit und unmittelbare Entscheidungen an. „Ein Mittelständler ist mehr ein Organismus als eine Organisation“, so Blum. Probleme würden in seinem Unternehmen dort gelöst, wo sie entstehen – nicht erst nach mehreren Hierarchieebenen. Genau diese Flexibilität sei bei milliardenschweren Schiffbauprojekten oft entscheidend. Dass seine Branche derzeit einen neuen Aufschwung erlebt, führt Blum nicht allein auf steigende Verteidigungsausgaben zurück.

Kreuzfahrtwerften melden zudem Rekordaufträge, Offshore-Windparks treiben den Ausbau der Energieinfrastruktur voran, zugleich gewinnt die maritime Sicherheit angesichts der geopolitischen Lage an Bedeutung. Für ihn fügt sich daraus ein größeres Bild zusammen: Die maritime Industrie werde wieder zu einer strategischen Schlüsselbranche. Und mit ihr rückt etwas in den Fokus, das erst dann auffällt, wenn es ausfällt: Licht.

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Im DUP Business Talk spricht Lightpartner-CEO Georg Blum über maritime Lichtsysteme, extreme Anforderungen auf See und die Frage, warum Licht für Schifffahrt, Sicherheit und kritische Infrastruktur systemrelevant ist.

Porträtfoto von Georg Blum

Georg Blum

Der Diplom-Ingenieur ist seit 2024 Geschäftsführer des Bremer Unternehmens Lightpartner, eines international führenden Spezialisten für maritime Lichtsysteme. Er verfügt über langjährige Erfahrung in der maritimen Industrie und verantwortet die Entwicklung von Beleuchtungslösungen für Kreuzfahrt-, Offshore- und Marineschiffe