Frauen in Führung: Die Vorbotinnen des neuen Normal für Deutschlands Wirtschaft
Die Gleichstellung von Frauen in der deutschen Wirtschaft schreitet immer noch nur langsam voran. Doch wer genau hinsieht, findet Beispiele für Entscheiderinnen, die ihre Position in den Führungsetagen behaupten und Unternehmen prägen. Um ihren Vorbildcharakter weiter zu stärken, möchte DUP UNTERNEHMERIN sie noch sichtbarer machen.

Die Zahlen bewegen sich seit Jahren kaum. Ob in Wirtschaft, Politik oder Wissenschaft – immer neue Studien zeigen: Bis zur Gleichstellung von Frauen ist es noch ein weiter Weg. Einige Beispiele: Frauen stellen hierzulande zwar knapp die Hälfte der Erwerbstätigen, doch in den Chefetagen sind sie deutlich in der Unterzahl. In den 160 börsennotierten Unternehmen in Dax, MDax und SDax sitzt nur auf jedem fünften Vorstandsposten eine Frau. Ohne die viel geschmähte Frauenquote fänden sich hier womöglich noch weniger Vorständinnen. In der Riege der 40 Dax-Unternehmen zumindest haben BMW, Mercedes und Porsche gerade mal die eine vom Gesetzgeber geforderte Frau für den Vorstand verpflichtet.
Wer einen Lichtblick finden will, muss ein bisschen suchen: Einer zeigt sich bei Start-ups. Zwar sank zuletzt der Anteil der Gründerinnen leicht. Doch immerhin konnten Chefinnen junger Unternehmen mehr Kapital einsammeln. Die Zahl der Venturecapital-Finanzierungen für Unternehmen mit mindestens
einer Gründerin verdoppelte sich laut Startup-Verband von 2017 bis 2025. Das investierte Kapital vervierfachte sich sogar, offenbar auch eine Folge des wachsenden Ehrgeizes von Gründerinnen. Laut dem „Female Founders Monitor 2025“, der sich auf Daten des „Deutschen Startup Monitors“ stützt, haben immer mehr Frauen große Pläne für ihre Unternehmen. So hegten 2023 bereits 62 Prozent der Gründerinnen starke Wachstumsambitionen gegenüber 42 Prozent drei Jahre zuvor. Zur Wahrheit gehört aber auch: 91 Prozent des Kapitals von Investorinnen und Investoren geht immer noch an reine Männerteams.
Lichtblick im Mittelstand
Etwas Hoffung gibt auch das „Mittelstandspanel“ der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW): Demnach wurden 2025 rund 16 Prozent der kleineren und mittleren Unternehmen hierzulande von einer Chefin geführt. Das bedeutet im Vergleich zum Höchststand von 2022 zwar einen Rückschritt um 3,7 Prozentpunkte, verglichen mit dem Vorjahr aber ein Plus von 1,7 Prozentpunkten. Der internationale Vergleich zeigt jedoch: Andere Länder sind deutlich weiter. Während der Anteil von Frauen in Führungspositionen im EU-Durchschnitt 2024 bei rund 35 Prozent lag, betrug er in Deutschland gerade mal 29 Prozent. Spitzenreiter Schweden brachte es sogar auf 44 Prozent. Doch Dirk Schumacher, Chefvolkswirt der KfW, zeigt sich optimistisch: „Ein wesentlicher Hebel, um mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen, liegt in der weiteren Erhöhung der Erwerbstätigkeit von Frauen. Hier hat sich in den vergangenen Jahren schon einiges getan, sodass ich davon ausgehe, dass die Frauenquote in mittelständischen Führungspositionen sukzessive steigen wird.“
Kaum Veränderung ohne Druck
Veränderung geschieht selten einfach so. Regulatorische Eingriffe – wie die Quote für Vorstandsriegen – zeigen, dass Fortschritt eingefordert werden muss. Wo Verbindlichkeit fehlt, bleibt die Entwicklung hinter den Erwartungen zurück. Hier muss auch die Politik die Weichen stellen. Allerdings ist die weibliche Perspektive im Bundestag unterrepräsentiert: Von den 630 Sitzen sind gerade mal 204 weiblich besetzt. „Frauen sind in den Parlamenten in Deutschland immer noch nicht angemessen vertreten. Wir belegen hier inzwischen den traurigen Rang 60 im internationalen Vergleich“, kritisierte Bundesfrauenministerin Karin Prien jüngst im Plenum.
Generell droht in Politik und Wirtschaft in puncto Gleichstellung gerade eher ein Backlash. „Seit der jüngsten Wahl in den USA spüren wir wieder mehr Gegenwind“, berichtet etwa Yu Zhang, Unternehmerin und Initiatorin des Frauennetzwerks „Female Impact Summit“. So ging US-Präsident Donald Trump kurz nach seinem Amtsantritt per Dekret gegen die Förderung von Vielfalt, Gerechtigkeit und Inklusion – englisch Diversity, Equity, Inclusion (DEI) – in Konzernen vor. Auch gegen Programme, mit denen Unternehmen den Frauenanteil erhöhen wollen. Daraufhin stellten nicht nur zahlreiche US-Unternehmen ihre DEI-Programme ein. Europäische Konzerne mit großem US-Geschäft reagierten ebenfalls. Aldi Süd etwa löschte Hinweise auf sein DEI-Engagement von der Karriererubrik seiner Webseite in den USA.
Vorbilder prägen Ambitionen
Doch allen Widerständen zum Trotz – es gibt sie, die Vorständinnen, Unternehmerinnen, Gründerinnen und Investorinnen. Sie prägen Strategien, treiben Transformation, bauen Unternehmen auf. Gerade weil sie so oft die Ausnahme darstellen, ist der Blick auf jene, die es geschafft haben, so wichtig. Um diesen Blick zu schärfen, hat DUP UNTERNEHMERIN eine paritätisch besetzte Jury namhafter Expertinnen und Experten gebeten, 50 Persönlichkeiten mit dem Titel „Top 50 Frauen für Deutschlands Zukunft“ auszuzeichnen. Sie führen Unternehmen, gestalten Branchen, investieren in die Zukunft. Ihre Bedeutung reicht weit über die eigene Organisation hinaus. Sie sind Vorbilder für eine Generation von Frauen, die ihre Karrierewege plant, Verantwortung übernehmen will und ihren Platz in der Wirtschaft einfordert. Sichtbarkeit spielt dabei eine entscheidende Rolle. Wo Frauen in Führungspositionen präsent sind, verändern sich nicht nur Unternehmenskulturen – es verändern sich zugleich Ambitionen. Auch darin liegt die Bedeutung der „Top 50 Frauen für Deutschlands Zukunft“: nicht in ihrer Rolle als Ausnahmeerscheinungen, sondern als Vorbotinnen einer neuen Normalität.