Künstliche Intelligenz

Simon Pierro: Wenn Künstliche Intelligenz zur Magie wird

Künstliche Intelligenz kann inzwischen vieles, was Simon Pierro früher nur vortäuschen konnte. Für den Digitalmagier beginnt genau dort die nächste Stufe der Innovation. Beim BIG BANG KI FESTIVAL zeigte er auf der Bühne einen spielerischen, kreativen Umgang mit neuen Technologien und verriet, weshalb Vertrauen und Experimentierfreude im KI-Zeitalter wichtiger werden.

Der KI Magier Simon Pierro zapft Bier aus einem Tablet auf der Bühne des BIG BANG KI FESTIVALS 2026

22.10.2026

Simon Pierro hat ein Problem, von dem die meisten Unternehmerinnen und Unternehmer nur träumen können: Die Technologie holt seine Illusionen ein. Seit zwei Jahrzehnten simuliert der Magier Dinge, von denen er glaubte, Computer könnten sie irgendwann tatsächlich. Auch bei Shows für Firmenevents. Inzwischen kann KI mit seinem Publikum sprechen, auf Menschen reagieren und Inhalte in Echtzeit erzeugen. „Früher habe ich versucht, mit Magie die Zukunft der Technologie vorwegzunehmen. Heute muss ich mir manchmal überlegen, wie ich die Realität wieder magischer gestalte als die Technologie“, sagt Pierro. Konkretes Beispiel: Er zapft Bier aus seinem iPad. Pierros Arbeit dreht sich längst um eine Frage, die auch viele Unternehmen beschäftigt: Was ist echte Innovation – und was lediglich ein neues Werkzeug? „Bei KI wäre die Illusion nicht die Technologie selbst, sondern der Glaube, dass ein neues Tool automatisch Fortschritt bedeutet“, so der Magier. Es sei wie mit einem Zauberkasten: Wer einen habe, könne deshalb längst noch kein Publikum begeistern.

Zaubern mit Zukunftstechnologie

Pierro hat sich früh mit digitalen Technologien beschäftigt. 2016 traf er im Silicon Valley Adam Cheyer, einen der Köpfe hinter den Sprachassistenten Siri und Viv. Noch im selben Jahr begann er KI zum Gegenstand seiner Shows zu machen. Sein Ansatz heißt „Künstlerische Intelligenz“: Er versteckt Technologie nicht hinter der Magie, sondern holt sie auf die Bühne. Wirklich interessant werde es für ihn dort, wo die neue Technologie etwas ermöglicht, das vorher nicht möglich war. Für seine Shows bedeutet das neue Kunststücke und Formen der Interaktion. Für Unternehmen lässt sich daraus ein anspruchsvollerer Innovationsbegriff ableiten: Nicht der Einsatz von KI ist entscheidend, sondern das Neue, das durch sie entsteht.

Dabei rückt ausgerechnet mit leistungsfähigerer Technologie der Mensch stärker in den Mittelpunkt. Pierro erklärt: „Ein Magier muss verstehen, wohin Menschen schauen, was sie erwarten, was sie überrascht – und wann sie vertrauen.“ Und er ergänzt: „Die beste Technologie hilft wenig, wenn Menschen Berührungsängste haben.“ Pierro beschreibt das mit der Ironie seines Berufs: „Als Magier verspreche ich eine Täuschung und liefere sie auch.“ In Zeiten von Deepfakes und Co. ist dagegen oftmals nicht klar, was digital noch echt ist. Deshalb gewinne das unmittelbar Erlebte an Wert, so Pierro. Was sich beim BIG BANG KI FESTIVAL zeigte: Die Technik verändert sich. Der Wunsch zu staunen nicht.