New Work

Die nächste Kollegin heißt KI

Maschinen denken, erschaffen – und verändern die Arbeitswelt grundlegend. Einer, der diesen Wandel seit Jahren begleitet, ist Giordano Righi, Gründer der Personalvermittlungsagentur und Unternehmensberatung Liberty Morgan. Mit seinem Projekt Agentic Recruitment Artificial Intelligence, kurz ARAI, entwickelt er mit Partnern einen KI-Agenten, der mit Menschen im Recruiting zusammenarbeitet.

Ein humanoider Roboter und eine Frau befinden sich zusammen hinter einem Schreibtisch, als bildlichen Hinweis auf KI Recruiting

15.12.2025

DUP UNTERNEHMER-Magazin: Sie sind seit über 25 Jahren im Recruiting tätig. Heute sprechen Sie über „agentische KI“ und eine zweite Workforce. Was hat Ihre Perspektive verändert?

Giordano Righi: Ich habe erlebt, wie sich Recruiting von Telefonaten und Excel-Tabellen zu Predictive Analytics und Machine-Learning entwickelt hat. Der entscheidende Wandel liegt in der Autonomie. KI ist kein Werkzeug mehr, sie ist ein handelnder Akteur im System geworden. Sie kann Interviews führen, bewerten und lernen. Das ist kein evolutionärer, sondern ein paradigmatischer Wandel: Wir treten in eine Ära ein, in der KI eine Kollegin ist.

Was steckt hinter Ihrem Projekt ARAI?

Righi: ARAI ist unsere Vision eines KI-gestützten Recruitings. Wir entwickeln Avatare, die Echtzeitinterviews führen, Emotionen erkennen und objektive Bewertungen erstellen. Ziel ist es nicht, Recruiter zu ersetzen, sondern sie auf ihre menschlichen Kernkompetenzen zu fokussieren. Die KI übernimmt Routine und Analyse, der Mensch konzentriert sich auf Empathie, Intuition und Beziehung. Recruiter werden zu dem, was ich „Human Relationship Manager“ nenne.

Viele befürchten, dass KI Jobs vernichtet. Sie sagen, sie schafft neue Arbeitsplätze.

Righi: Ja, Routinetätigkeiten werden wegfallen, aber neue Berufsfelder entstehen. Wir werden KI-Trainer, Ethikbeauftragte und sogenannte Alignment-Controller brauchen, die prüfen, ob KI-Systeme noch im Einklang mit menschlichen Werten handeln.

In einem Ihrer Essays schreiben Sie: „Daten wissen, aber sie kennen keine Moral.“ Was meinen Sie damit?

Righi: KI-Systeme optimieren Ergebnisse, aber sie kennen kein Richtig oder Falsch. Deshalb braucht es Regeln. Europa hat mit dem EU AI Act als erste Region versucht, ethische Leitplanken für KI gesetzlich zu verankern – ein wichtiger Schritt. Während die USA ausschließlich innovationsgetrieben und China machtgetrieben agieren, verfolgt Europa einen wertorientierten Ansatz. Dabei gilt es, die richtige Balance zwischen Speed und Regulierung zu finden.

Wo positioniert sich Liberty Morgan in dieser Transformation?

Righi: Wir konzentrieren uns auf die Märkte, die die Zukunft prägen: Künstliche Intelligenz, digitale Transformation und Energiewende. Unser Ziel ist es, menschliches Potenzial mit technologischer Intelligenz zu verbinden.

Und was raten Sie jungen Fachkräften in dieser neuen Arbeitswelt?

Righi: Spezialisieren Sie sich nicht zu früh. Die Zukunft gehört neugierigen Generalisten, die Technologie, Psychologie und Ethik verbinden können. Lernen Sie, mit Maschinen zu kommunizieren, aber vergessen Sie den Menschen nicht. Wir müssen das bewusste Element in dieser Gleichung bleiben.

Porträt von Giordano Righi

Giordano Righi

ist Gründer und Geschäftsführer der Unternehmensberatung Liberty Morgan