Kolumne

Gesundheit

Warum KI-Datenanalyse über den Erfolg von KI entscheidet

Eine neue Studie verdeutlicht eindrucksvoll, welches diagnostische Potenzial im menschlichen Schlaf verborgen liegt: In „Nature Medicine“ wurde ein neues Modell auf Basis Künstlicher Intelligenz (KI) vorgestellt, das anhand einer einzigen Nacht Schlaf das Risiko für 130 verschiedene Erkrankungen vorhersagen kann.

Eine durchsichtige Pille, in der sich ein DNA-Strang befindet. Um die Pille herum sind Elektroden, als Symbol für KI-Datenanalyse

24.02.2026

Die Zukunft der Medizin

Das „Foundation Model SleepFM“ – ein besonders großes KI-Basismodell – wurde mit 585.000 Stunden Schlafdaten von rund 65.000 Menschen trainiert. In das Training flossen komplexe Signale aus Gehirnaktivität (EEG), Herzfunktion (EKG), Muskelspannung und Atmung ein.

Auf dieser Basis wurde das Modell in die Lage versetzt, bereits nach einer einzigen Nacht Aussagen über das ­Risiko für schwerwiegende ­Erkrankungen zu machen. ­Darunter Gesamtmortalität, ­Demenz, Myokardinfarkt, Herz­insuffizienz, chronische Nieren­erkrankung, Schlaganfall und Vorhofflimmern.

Diese Ergebnisse markieren einen wichtigen Baustein für die Medizin der Zukunft. Sie zeigen, dass KI nicht nur große Datenmengen verarbeiten, sondern darin auch verborgene Muster erkennen kann, die dem menschlichen Auge oft entgehen. Schlaf wird damit zu einer Art biologischer Langzeitmessung, in der sich zahlreiche Prozesse des Körpers gleichzeitig widerspiegeln. KI lernt zunehmend, diese „Sprache des Schlafes“ zu entschlüsseln. Gleichzeitig zeigt die Studie, dass der eigentliche Mehrwert nicht allein in der Datengenerierung liegt.

Das menschliche Urteil ist entscheidend

David Matusiewicz ist Professor für Medizinmanagement an der FOM Hochschule. Seit 2015 verantwortet er dort als Dekan den Hochschulbereich Gesundheit & Soziales und ist einer der renommiertesten Experten für Digital Health in Deutschland.

In Zukunft werden Wearables, Sensoren und medizinische Systeme enorme Mengen an Gesundheitsdaten erzeugen – kontinuierlich, hochauflösend und über lange Zeiträume. Doch Daten an sich sind noch keine Erkenntnis. Entscheidend ist die sinnvolle Interpreta­tion dieser Informationen. Ein Modell kann Wahrscheinlichkeiten berechnen und Risiken anzeigen, doch was diese Ergebnisse für den einzelnen Menschen bedeuten, wie zuverlässig sie sind und welche Konsequenzen daraus gezogen werden sollten, erfordert Kontext, medizinisches Wissen und ethische Abwägung.

KI kann Ärzte und Patienten unterstützen, Frühwarnsignale liefern und Prävention personalisieren. Sie kann jedoch die menschliche Interpretation nicht ersetzen, sondern nur ergänzen. Die Herausforderung der kommenden Jahre wird daher nicht primär darin bestehen, noch mehr Daten zu sammeln, sondern darin, Daten richtig zu deuten, sie verständlich zu machen und verantwortungsvoll in Entscheidungen zu übersetzen. Erst im Zusammenspiel von leistungsfähiger KI und fundierter Interpretation entfaltet sich das volle Technologiepotenzial für eine bessere, präzisere und menschlichere Medizin.