Die Bundesregierung hat Ende 2025 die gesetzliche Grundlage dafür geschaffen, dass Autofahrerinnen und Autofahrer ihren Führerschein „bis Ende 2026“ zusätzlich digital auf dem Handy vorzeigen können. Der digitale Führerschein wird dabei nicht als deutscher Sonderweg geplant, sondern technisch von Beginn an auf die europäische EUDI-Wallet (European Digital Identity Wallet) – das ist eine sichere Smartphone-App als digitale Brieftasche für EU-Bürgerinnen und -Bürger – ausgerichtet. Sie soll bis Ende 2030 den einheitlichen EU-Führerschein auf dem Smartphone ermöglichen.
Zuvor startet jedoch eine nationale, nur hier anerkannte Version. Berechtigt sind alle, die ein kompatibles Smartphone besitzen, die Online-Ausweisfunktion ihres Persos nutzen und bereit sind, ihren Führerschein einmal digital zu verifizieren. Ohne Handy, NFC-fähigen Ausweis oder stabile Internetverbindung geht’s nicht, auch nach 2030.

Die Plastikkarte bleibt laut EU-Beschluss ausdrücklich erhalten, insbesondere für Menschen ohne digitales Set-up und für Fahrten ins Ausland, zum Beispiel wenn Drittstaaten keine digitalen Nachweise akzeptieren. Herzstück ist eine staatlich kontrollierte App-Infrastruktur: In Deutschland soll der digitale Führerschein über eine behördliche Anwendung – perspektivisch in Verbindung mit i-Kfz und der ID-Wallet des Bundes – direkt aus den Registern des Kraftfahrtbundesamts (KBA) bereitgestellt werden. Die Identifizierung läuft über die Online-Ausweisfunktion, ergänzt um einen Abgleich des vorhandenen Kartenführerscheins, etwa per Foto-Ident mit Vorder- und Rückseite plus Selfie, wie er heute bereits bei ID-Wallet- und Verimi-Lösungen üblich ist.
App und Plastikkarte – beides bleibt gültig
Der eigentliche Datensatz wandert dann als signierter Nachweis in die persönliche digitale Brieftasche der Nutzenden, die künftig in die europäische EUDI-Wallet übergehen soll. Gezeigt wird der digitale Führerschein im Alltag in Form eines QR- oder Screen-Nachweises, den Polizei, Autovermieter oder Carsharing-Anbieter mit eigenen Prüftools verifizieren können.
Vorteile: Der Dokumentenballast sinkt – Führerschein, Fahrzeugschein und weitere Nachweise lassen sich gebündelt auf dem Smartphone mitführen, Updates und Verlängerungen können perspektivisch online abgewickelt werden. Behörden und Polizei profitieren von besser automatisierbaren Prüfprozessen, geringerer Fälschungsanfälligkeit und der Möglichkeit, Entzüge oder Auflagen quasi in zu hinterlegen. Für Mobilitätsdienste – vom Carsharing bis zur digitalen Parkraumbewirtschaftung – wird der verifizierte Führerscheinnachweis zum Schlüssel für schlankere Onboarding-Prozesse, weil einmal geprüfte Daten sicher wiederverwendet werden können.
Nachteile: Der digitale Führerschein ist zunächst ein reines Inlandsthema, im Ausland muss weiterhin die physische Karte gezeigt werden – wer sich nur aufs Smartphone verlässt, riskiert Ärger bei Kontrollen. Zudem entstehen neue Abhängigkeiten: Fällt das Handy aus, ist der Akku leer, oder streikt die App, entscheidet weiterhin die Plastikkarte darüber, ob man seine „Pappe“ nachweisen kann. Und schließlich bleiben Datenschutz- und Sicherheitsfragen: Zwar werden die Plattformen vom BSI geprüft und werben mit hohen Sicherheitsstandards, doch jeder zusätzliche digitale Identitätsanker erhöht die Angriffsfläche – ein gehacktes Wallet kann dann weit mehr preisgeben als nur die Führerscheinklasse B.
