Baden-Württemberg steht vor einer neuen industriellen Bewährungsprobe. Die Stärke unseres Landes basiert auf einer langen Tradition von Automobilwirtschaft und Maschinenbau. Von Ingenieurskunst und Tüftlergeist gepaart mit harter Arbeit.
Um auch in Zukunft erfolgreich zu sein, müssen wir unseren Erfolg auf neue Felder übertragen: auf Künstliche Intelligenz, Robotik, Green Tech, Life Sciences, Halbleiter und Quantentechnologie. Erfolg in diesen Zukunftsbereichen ist nicht nur für künftigen Wohlstand entscheidend, sondern auch für unsere technologische Souveränität.
Die Herausforderungen sind enorm. Disruptive Technologien verändern Märkte. Neue Wettbewerber treten mit disruptivem Potenzial und großer Geschwindigkeit auf. Handelsbarrieren nehmen zu. Geopolitische Spannungen wachsen. Auch unsere Demokratie steht unter Druck. Aber ich bin überzeugt: Mit harter Arbeit, Entschlossenheit und Teamgeist ist in Baden-Württemberg alles möglich.
Baden-Württembergs Stärke liegt in seiner Innovationskraft
Die wirtschaftliche Stärke Baden-Württembergs ist die Grundlage für unseren Wohlstand, soziale Sicherheit und Lebensqualität. Deshalb hat die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft für meine Landesregierung höchste Priorität. Beispielsweise wollen wir Baden-Württemberg zu einem führenden Standort für KI und Robotik in Europa machen.
Entscheidend ist dabei die gesamte Wertschöpfungskette: von der Grundlagenforschung über den Transfer bis zur erfolgreichen Anwendung in Unternehmen.
Daten sind dabei eine neue strategische Ressource. Früher war Baden-Württemberg ein Land ohne große natürliche Rohstoffe. Heute verfügen unsere Unternehmen über etwas, das für die Zukunft mindestens so wertvoll ist: verlässliche Daten, technisches Know-how und industrielle Exzellenz.
Diese Stärke müssen wir schützen und in wirtschaftlichen Erfolg verwandeln.
Digitale Souveränität wird zur Standortfrage
Dabei geht es auch um digitale Souveränität. Wo speichern Unternehmen ihre Daten? Welche Software nutzen sie? Von welchen Plattformen, Cloud-Anbietern und KI-Systemen sind sie abhängig?
Europa darf bei zentralen Zukunftstechnologien nicht dauerhaft in Abhängigkeit geraten. Gerade bei KI und Software brauchen wir mehr eigene Stärke, mehr eigene Lösungen und mehr Mut zur Anwendung.
Baden-Württemberg hat dafür eine hervorragende Ausgangslage. Mit dem Cyber Valley verfügt das Land über Europas größtes Forschungszentrum für KI und Robotik. Das ELLIS-Institut in Tübingen vernetzt Top-Talente, damit wir global relevant bleiben. Unsere in Heilbronn neu gegründete Research School for Applied AI, connAIx, nimmt an Fahrt auf: Hier arbeiten die Universitäten Karlsruhe, Tübingen und Stuttgart bei der akademischen Ausbildung herausragender Talente zusammen. Der Fokus liegt auf einer engen Zusammenarbeit mit der Wirtschaft und neuen agilen Strukturen, um mit dem gewaltigen Tempo weltweit mitzuhalten.
Der IPAI in Heilbronn zeigt, wie eng Forschung und Wirtschaft zusammenarbeiten können, wenn alle ein gemeinsames Ziel verfolgen: Wertschöpfung aus KI zu schaffen. Es ist ein Reallabor für industrielle KI.
Aus Ideen müssen erfolgreiche Unternehmen werden
Baden-Württemberg ist reich an guten Ideen. Es muss uns jedoch gelingen, aus diesen noch schneller erfolgreiche Geschäftsmodelle zu machen. Deshalb wollen wir Ausgründungen aus Hochschulen stärken, Unternehmensgründungen vereinfachen und beschleunigen und den Staat stärker als frühen Kunden für innovative digitale Lösungen nutzen.
Außerdem müssen wir den Zugang zu Kapital verbessern, insbesondere in der Wachstums- und Scale-up-Phase. Mit dem Aufbau des "ZukunftsFondsBW" müssen gute Ideen aus Baden-Württemberg nicht mehr anderswo groß werden. Aber wir müssen auch die Potenziale des Europäischen Binnenmarkts besser nutzen und dessen Fragmentierung überwinden.
Sicherheit ist die Grundlage von Innovation
Gleichzeitig gehört zur Zukunftsfähigkeit auch Sicherheit. Cyberkriminalität und Cyberspionage sind längst reale Bedrohungen für Unternehmen, Verwaltung und Gesellschaft. Wer Know-how verliert, verliert Wettbewerbsfähigkeit.
Sicherheit ist kein Nebenthema der Transformation. Sie ist eine Voraussetzung für Vertrauen und wirtschaftlichen Erfolg.
Der Staat selbst muss dabei schneller, einfacher und verlässlicher werden. Wir brauchen weniger Berichtspflichten, weniger unnötige Dokumentation und mehr Vertrauen in Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Bürgerinnen und Bürger.
Der Staat darf Innovation nicht ausbremsen. Er muss sie ermöglichen.
Europa muss gemeinsam stärker werden
Baden-Württemberg kann diese Aufgaben nicht allein lösen. Etwa bei KI, Cybersecurity, Forschung, Kapital und Regulierung brauchen wir mehr europäische Zusammenarbeit. Als eine der stärksten Innovationsregionen Europas sollte Baden-Württemberg hier vorangehen.
Die Zukunft unseres Landes entsteht nicht durch Klagen über Veränderung. Sie entsteht durch Menschen, die Neues wagen. Durch Unternehmen, die investieren. Durch Forscherinnen und Forscher, die Grenzen verschieben. Durch Politik, die ermöglicht statt blockiert.
Baden-Württemberg weiß, wie weit harte Arbeit, Entschlossenheit und Teamgeist tragen können. Jetzt geht es darum, diese Stärke in die nächste technologische Ära zu führen.

