BIG BANG TECH REPORT PODCAST

KI-Boom unter Druck: Was Anthropic, Apple und DeepSeek anders machen

Anthropic bereitet seinen Börsengang vor, Apple spart Milliarden bei der KI-Infrastruktur und DeepSeek drückt die Preise. Im BIG BANG TECH REPORT erklären Prof. Alvin Wang Graylin und Jens de Buhr, was diese Entwicklungen für den KI-Markt bedeuten – und warum Unternehmen ihre IT-Sicherheit stärken müssen.

Thumbnail der 22. Episode des BIG BANG TECH REPORT Podcast

29.10.2026

Anthropic: Kommt die Marktkorrektur?

Anthropic hat die Unterlagen für einen möglichen Börsengang eingereicht. Der Prospekt umfasst mehr als 200 Seiten, davon rund 90 zu Risiken. Graylin sieht darin und in der Finanzierung ein mögliches Warnsignal: Das Unternehmen setze auf Aktien statt Bargeld, um seine Liquidität zu schonen. Seine Vermutung: Anthropic rechnet mit einer Marktkorrektur und will dann liquide Mittel haben, um günstig investieren zu können. Innerhalb der kommenden sechs bis zwölf Monate hält Graylin eine Korrektur für möglich.

Apple profitiert von seiner Zurückhaltung

Während andere Tech-Konzerne Milliarden in KI-Rechenzentren stecken, hat Apple vergleichsweise wenig in eigene KI-Infrastruktur investiert. Graylin nennt das eine ungeplante, aber möglicherweise erfolgreiche Strategie. Apple kann auf Modelle anderer Anbieter setzen und hat zugleich etwas, das im Wettbewerb immer wichtiger werden könnte: Kundendaten, Vertrauen und direkten Zugang zu mehr als einer Milliarde Kunden. Auch die Möglichkeit, kleinere KI-Modelle direkt auf Geräten laufen zu lassen, ist ein Vorteil.

DeepSeek setzt GPU-Anbieter unter Druck

Viele Betreiber von KI-Rechenzentren haben ihre Investitionen mit günstigen Krediten finanziert. Laut Graylin wird neues Fremdkapital knapper – manche Projekte könnten deshalb unvollendet bleiben. Gleichzeitig wächst die Rechenleistung rasant. Ungenutzte GPUs werden zum Kostenproblem: Wie leere Flugzeugsitze bringen sie kein Geld ein.

DeepSeek verschärft den Preiskampf. Laut Graylin erzielt das Unternehmen rund 38 US-Dollar Umsatz pro GPU-Stunde, obwohl seine Tokenpreise nur 10 bis 20 Prozent der Preise führender KI-Modelle betragen. Das setzt sowohl die Anbieter von Rechenleistung als auch die KI-Labore unter Margendruck. Unternehmen begrenzen zudem ihre KI-Budgets, weil sich Produktivitätsgewinne nicht automatisch einstellen.

Cybersicherheit: Unternehmen müssen jetzt handeln

Graylin berichtet von einem starken Anstieg veröffentlichter Sicherheitslücken: Schwerwiegende Schwachstellen seien binnen eines Jahres um 300 bis 400 Prozent gestiegen, kritische sogar um rund 1.000 Prozent. Angreifer können bekannte Lücken ausnutzen, bevor Unternehmen sie schließen. KI-Agenten beschleunigen die Suche nach Schwachstellen zusätzlich.

Graylins Rat an CEOs: erfahrene Sicherheitsexperten einstellen, Unternehmensdaten besser schützen und auf neue Bedrohungen schnell reagieren. Denn die Folgen der KI-Entwicklung könnten sich innerhalb von Monaten oder Jahren zeigen. Politik und Wirtschaft nähmen diese Dringlichkeit bislang nicht ernst genug.

Welche Folgen diese Entwicklungen für Unternehmen und Investoren haben, diskutieren Prof. Alvin Wang Graylin und Jens de Buhr in der aktuellen Folge des BIG BANG TECH REPORT. Jetzt die komplette Folge ansehen: