Health Management

Waldkliniken Eisenberg: Die Traumklinik aus Thüringen

Was ein bisschen nach ARD-Serie klingt, ist in Thüringen Realität. Eine Klinik, die Menschen eine schöne Zeit bescheren will – und das auch noch wirtschaftlich erfolgreich. Eine Stippvisite.

Ein Foto der Waldkliniken Eisenberg

14.01.2026

„Wirkt fast gestellt“, sagt Marketing-Chef Bastian Guntermann und zieht die Tür sachte hinter sich zu. Dahinter liegt ein Patientenzimmer. Dunkler Holzboden, eine grüne Couch, kunstvolle Kräuterillustrationen an der Wand, dünne Vorhänge vor bodentiefen Fenstern mit Blick ins Grün. In der abgetrennten Ecke des Raums liegt ein Mann im Bett, den Arm in einer Schlinge, gut gelaunt. „Einfach herrlich hier“, sagt er. „Jetzt heißt es nur noch: genießen und genesen.“ In seinem WhatsApp-Status postet er Fotos vom Essen, vom Zimmer, von der Aussicht. Die Reaktionen: neidische Emojis. „Die denken, ich bin im Urlaub.“ Tatsächlich liegt er aber im Krankenhaus. Irgendwie zu schön, um wahr zu sein.

Eine heilsame Umgebung schaffen

Die Waldkliniken Eisenberg gelten seit Jahren als Vorzeigeprojekt im deutschen Gesundheitswesen. Kreiskrankenhaus mit regionalem Versorgungsauftrag, zugleich universitäre Orthopädie mit Spezialisierungen auf Knie, Hüfte, Wirbelsäule und Sportorthopädie. Evidenzbasierte Hochleistungsmedizin trifft hier auf ein konsequent durchgezogenes Gastlichkeitskonzept, das Patientinnen und Patienten bewusst als Gäste begreift. Sichtbar wird dieser Anspruch im kreisrunden Neubau aus Holz, entworfen von Matteo Thun, der eher an ein Hotel als an ein Krankenhaus erinnert. Die Idee dahinter ist pragmatisch. Eine Umgebung, die Stress reduziert, soll Heilung unterstützen. In unabhängigen Rankings landet das Haus regelmäßig unter den besten Kliniken Deutschlands seiner Größenklasse. Ende 2025 machte sogar Bundeskanzler Friedrich Merz auf seiner Antrittsreise durch Thüringen Station in Eisenberg, um sich ein Bild von innovativen Versorgungs- und Betreuungskonzepten zu machen. Später sagte er, er nehme den Eindruck mit, „dass man Gesundheit wirklich gut organisieren kann“.

Und dabei war der Kanzler noch nicht einmal auf der Privatstation, durch die Guntermann gerade führt. Sie besteht aus sieben Einzel- und sechs Doppelzimmern. Zum Bereich gehört ein Restaurant, das eher an ein Sternehotel erinnert als an eine Klinik. Stofftischdecken, hausgemachtes Gebäck zum Kaffee, ein gut gefüllter Weinkühlschrank. Das Pflegepersonal wird hier von einem Concierge-Team unterstützt. Es geht um Aufmerksamkeit, Ruhe, Service. Um Wohlfühlen in allen Facetten. Krankheit wird nicht verdrängt, aber spürbar in den Hintergrund gerückt.

35-Stunden-Woche auch in der Pflege möglich

Wer an dieser Stelle von Luxus spricht, verkennt das Prinzip. „Exzellente medizinische Versorgung ist kein Luxus, sondern sollte selbstverständlich sein“, sagt Guntermann. Dazu gehöre mehr als ein technisch sauberer Eingriff. Menschen kämen nicht freiwillig ins Krankenhaus, sie seien krank, verunsichert, oft überfordert. „Dann nur das medizinische Minimum zu liefern, greift zu kurz.“ Eine Umgebung, in der sich Patienten ernst genommen fühlen, in der Essen schmeckt, Licht und Ruhe vorhanden sind, sei kein Zusatz, sondern Teil der Therapie. „Wenn Patienten sich wohlfühlen, sparen wir an ganz anderer Stelle Zeit, Energie und Kosten.“ Beschwerden nähmen ab, Abläufe würden ruhiger, Pflege und Verwaltung entlastet. Vierbettzimmer mögen rechnerisch günstiger erscheinen. Im Gesamtsystem seien sie es nicht.

Der Reflex liegt nahe, das Eisenberger Modell kopieren zu wollen. Das Nachmachen sei auch wünschenswert und ausdrücklich erlaubt. Sicher nicht im Gesamten und 1:1, dass betonen auch die Verantwortlichen. „Man kann nicht sagen: Wir bauen das jetzt in Stuttgart nach und dann läuft es“, sagt Guntermann. Übertragbar seien keine Gebäude, sondern Denkweisen. Das beginnt bei der Frage, warum Badezimmer oder Gastronomie zwingend von klassischen Krankenhauszulieferern stammen müssen, und endet bei grundlegenden Organisationsentscheidungen wie der Arbeitszeit. Hier wurde im Rahmen des New-Work-Ansatzes ein Haustarifvertrag 2023 mit verdi erarbeitet, mit einer sukzessiven Umstellung bis 2028 auf die 35-Stunden-Woche. Eine bewusste Entscheidung, die Teil desselben Kulturwandels ist.

Vom Dummy zur Serienreife

Diese Haltung prägt auch die Art, wie hier gearbeitet wird. Bevor Begriffe wie New Work im Gesundheitswesen kursierten, wurde in Eisenberg bereits experimentiert. Schon ab 2013 bezog die Klinik Mitarbeitende systematisch in Planungs- und Gestaltungsprozesse ein, zunächst beim Bau, später bei Arbeitsabläufen. In der Stadthalle diskutierten Pflegekräfte, Ärztinnen, Reinigung, Verwaltung und Architekten darüber, wie ihr Arbeitsplatz aussehen soll. Später folgte das Programm „Dialog Zukunft“. Wie soll die Klinik in drei Jahren funktionieren? Welche Strukturen braucht es? Nicht jeder machte begeistert mit, manche fühlten sich überfordert. Es gab Phasen mit Projekt-Overload und Widerstand. Am Ende aber wurden Projekte abgeschlossen, Prozesse verändert, Routinen hinterfragt. Beteiligung war kein Wohlfühlversprechen, sondern Arbeit.

Eine zentrale Rolle spielte dabei Geschäftsführer David-Ruben Thies. Er war über Jahre in jede Planungsrunde involviert, diskutierte mit Architekten und Mitarbeitenden, zeichnete Skizzen, stellte Fragen. Das kostete Energie und Nerven. Für das Haus erwies es sich als Vorteil. Ein klassisches Zweibettzimmer wurde als Dummy in Originalgröße aufgebaut. Türen, Fenster, Wege, Belastungen wurden ausprobiert. Dabei zeigte sich z.B., dass große Schiebetüren zu den Wintergärten für frisch Operierte zu schwer waren. Heute lässt sich nur der obere Teil der Fenster leicht und vollständig öffnen. Viele Details entstanden so, nicht am Schreibtisch, sondern im Testbetrieb. Weil vieles zu Ende gedacht wurde, musste später weniger nachgebessert werden.

Bleibt die Frage, wie sich all das rechnet. Die Antwort fällt nüchtern aus. Zufriedene Patienten verursachen weniger Reibung. Sie beschweren sich seltener, binden weniger Zeit in Pflege, Verwaltung und Beschwerdemanagement. Die Weiterempfehlungsrate liegt bei über 90 Prozent. Mund-zu-Mund-Propaganda ergänzt strategische Marketingkampagnen. Wartelisten füllen sich nicht durch aggressive Werbung, sondern durch Fotos aus WhatsApp-Gruppen unterstützt mit Geschichten aus der Klinik. Gastlichkeit ist hier kein Kostenfaktor, sondern ein Effizienzhebel.

Ein Leuchtturm für Thüringen

Für die Region ist das Haus weit mehr als ein architektonisches Aushängeschild. Mit rund 900 Beschäftigten ist es der größte Arbeitgeber im Saale-Holzland-Kreis. Die meisten Mitarbeitenden stammen aus der Umgebung, ganze Familien arbeiten hier über Generationen hinweg. In einer Zeit, in der kommunale Kliniken schließen oder verkauft werden, wächst in Eisenberg ein Gesundheitscampus, der investiert, ausbildet und bindet. Ein Leuchtturm für Deutschland und zugleich fest verankert in Thüringen.

Vielleicht ist es das, was die Waldkliniken Eisenberg am treffendsten beschreibt. Kein Traum, sondern ein durchdachtes Gegenmodell. Eines, das zeigt, dass ein anderes Krankenhaus möglich ist, wenn man bereit ist, Medizin, Arbeit und Wirtschaft neu zusammenzudenken.