Laut einer Umfrage von KfW Research planen bis Ende 2028 rund 532.000 kleine und mittlere Unternehmen die Übergabe ihres Betriebs – das ist mehr als ein Viertel aller kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in Deutschland. Die Generation der Babyboomer will ihr Lebenswerk weitergeben, doch die Nachfolger bleiben aus. Wer übernimmt also? Viele potenzielle Nachfolgerinnen und Nachfolger, häufig aus der eigenen Familie, scheuen die Verantwortung. Risiko, Fachkräftemangel und Bürokratie wirken für die Nachfolgegenerationen oft abschreckend, während feste Anstellungen mit Sicherheit und planbaren Arbeitszeiten locken. Laut einem aktuellen Report der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) lehnt mehr als die Hälfte der Unternehmerkinder eine Übernahme kategorisch ab. In der Folge drohen viele Betriebe ohne Nachfolger zu bleiben.
Auch auf Käuferseite wächst die Unsicherheit. Veraltete Strukturen, fehlende Digitalisierung und neue Vorgaben – zum Beispiel im Bereich ESG-Reporting – erschweren Investitionsentscheidungen. Nach Angaben des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn brechen mehr als 40 Prozent der potenziellen Käuferinnen und Käufer die Prüfung einer Unternehmensübernahme (Due Diligence) ab, weil sie die Zukunftsfähigkeit des Betriebs nicht gut genug einschätzen können.
Politik und Förderinstitute reagieren mit Programmen und Beratung, doch häufig zu spät oder zu bürokratisch. Rund 70 Prozent der Unternehmerinnen und Unternehmer befassen sich laut DIHK erst ernsthaft mit der Nachfolge, wenn gesundheitliche oder familiäre Gründe sie dazu zwingen. Damit wird aus einem planbaren Übergang oft ein Wettlauf gegen die Zeit – mit Folgen für Arbeitsplätze, Know-how und Innovationskraft im gesamten Mittelstand.
Nachfolge verlangt mehr als Kapital
Wer ein Unternehmen übernimmt, übernimmt nicht nur eine Bilanz, sondern Verantwortung für Menschen, Strukturen und eine gewachsene Kultur. In dieser Situation gewinnt ein Ansatz an Bedeutung, der über reine Kapitallogik hinausgeht: unternehmerisch geprägte Beteiligungen mit langfristigen Zielen und aktiv übernommener Verantwortung.
Beteiligungsgesellschaften wie Mition setzen dabei auf ein anderes Verständnis von Eigentum. Mition-Gründer Dirk Pramann beschreibt es so: „Werte und Wachstum schließen sich nicht aus. Erst Werte schaffen die Basis für nachhaltigen Erfolg.“ Nachfolge ist für ihn keine Transaktion, sondern der Beginn einer neuen Entwicklungsphase. „Unser Ziel ist es, unternehmerische Substanz auszubauen, nicht auszutauschen“, sagt Pramann. Wer Verantwortung übernimmt, soll den Kern eines Unternehmens stärken, nicht ersetzen.
Diese Haltung verändert den gesamten Prozess einer Übergabe. Statt rascher Eingriffe und neuer Hierarchien steht das gemeinsame Verständnis im Mittelpunkt. Führungsteams bleiben eingebunden, Strukturen werden überprüft, angepasst und dort weiterentwickelt, wo sie tragen. Pramann betont: „Unternehmer brauchen Vertrauen, und das entsteht, indem Verantwortung aktiv übergeben und dauerhaft begleitet wird.“ Vertrauen werde so zum Fundament einer Nachfolge, die Stabilität schafft, ohne Stillstand zu riskieren.
Mut zur langfristigen Perspektive
Mition-Gründer Pramann erläutert: „Beteiligung ist keine rein finanzielle Entscheidung, sondern ein langfristiges Engagement im Unternehmen selbst. Ich will wissen, wie das Unternehmen wirklich funktioniert – nicht nur aus Excel-Folien, sondern von den Menschen, die es tragen. Vertrauen entsteht nicht durch Kennzahlen, sondern durch Gespräche.“ Entscheidungen werden im Dialog mit den bisherigen Eigentümern und den Führungsebenen gefällt. Veränderungen erfolgen nicht auf Druck, sondern mit Blick auf Tragfähigkeit und Zukunftsfähigkeit. Der operative Fokus liegt darauf, Bestehendes zu verstehen, bevor Neues gestaltet wird. Dieser Ansatz verlangt Zeit, Präsenz und die Bereitschaft, Verantwortung wirklich zu leben. Er unterscheidet sich von transaktionalen Prozessen, bei denen Effizienzprogramme und Exit-Strategien im Vordergrund stehen. Unternehmerisch geprägte Investoren setzen stattdessen auf Weiterentwicklung aus der Substanz heraus. Das braucht Geduld – und Mut zur langfristigen Perspektive.
Noch ist dieses Verständnis nicht flächendeckend etabliert, doch es findet zunehmend Beachtung. Denn viele Unternehmer suchen Nachfolger, die ihr Werk nicht umformen, sondern fortführen. Es zeigt sich, dass Nachfolge gelingen kann, wenn Kapital mit Haltung verbunden wird. Das ist ein Weg, der wirtschaftliche Stärke und Werteorientierung zusammenführt und damit eine der drängendsten Fragen des Mittelstands neu beantwortet.

