DUP UNTERNEHMER-Magazin: Warum beeinflussen Werbegeschenke so stark, wie ein Unternehmen wahrgenommen wird?
Oriol Badia: Menschen treffen Urteile oft schneller, als ihnen bewusst ist. Ein Werbegeschenk ist ein physischer Kontaktpunkt und damit ein extrem wirksamer. Wenn ein Unternehmen ein hochwertiges, gut durchdachtes Produkt verschenkt, entsteht sofort das Gefühl: „Die meinen es ernst, die investieren in Beziehungen.“ Ist das Geschenk dagegen billig, unpraktisch oder lieblos, färbt das unmittelbar auf die Marke ab. Werbeartikel sind kleine Botschafter, die täglich im Einsatz sind. Sie transportieren Werte, Haltung und Anspruch – ob man will oder nicht.
Peter Schwerin: Werbegeschenke sind ein Stück Markenführung zum Anfassen. Sie wirken im Unterbewusstsein, weil sie haptisch sind und im Alltag der Empfänger auftauchen. Ein Kugelschreiber, der nach zwei Tagen kaputtgeht, sagt mehr über ein Unternehmen aus als jede Imagebroschüre. Umgekehrt kann ein hochwertiges, nützliches Produkt Vertrauen schaffen, bevor überhaupt ein Gespräch stattgefunden hat. Diese Wirkung wird oft unterschätzt.
Viele Unternehmen behandeln Werbeartikel immer noch als Streuartikel. Warum ist das aus Ihrer Sicht ein Fehler?
Badia: Weil Streuartikel in der Regel Streuverluste produzieren. Wer einfach irgendetwas bestellt, nur um „auch etwas zu haben“, verbrennt Budget und verpasst die Chance, echte Bindung aufzubauen. Werbeartikel haben eine hohe Erinnerungswirkung – aber nur, wenn sie relevant und wertig sind. Ein gut gewähltes Geschenk bleibt Monate oder Jahre im Einsatz. Ein schlechtes landet sofort im Müll.
Schwerin: Hinzu kommt: Die Zeiten, in denen man Massenware auf Messen verteilt hat, sind vorbei. Nachhaltigkeit, Employer Branding und Markenpositionierung spielen heute eine viel größere Rolle. Ein Werbeartikel muss zur Zielgruppe passen, zur Marke, zur Botschaft.
Was macht ein Werbegeschenk aus Ihrer Sicht wertig? Woran erkennen Empfänger Qualität?
Badia: Wertigkeit entsteht durch drei Faktoren: Material, Funktion und Individualisierung. Ein Produkt muss sich gut anfühlen, es muss im Alltag wirklich nützlich sein und es sollte eine persönliche Note tragen – sei es durch Branding, Personalisierung oder eine Story. Menschen spüren sofort, ob ein Unternehmen sich Mühe gegeben hat. Das ist keine rationale Bewertung, sondern ein Gefühl.
Schwerin: Empfänger merken Qualität intuitiv. Sie spüren Gewicht, Haptik, Verarbeitung. Und sie merken, ob ein Produkt billig wirkt oder nicht. Aber Qualität bedeutet nicht automatisch „teuer“. Es geht darum, dass das Geschenk sinnvoll ist und Wertschätzung ausdrückt. Ein hochwertiger Hoodie, eine langlebige Trinkflasche oder ein gut gestaltetes Notizbuch können mehr Eindruck hinterlassen als jedes teure Event.
Sollten Werbeartikel Chefsache sein?
Badia: Unbedingt. Sie sind ein strategisches Instrument. Werbeartikel beeinflussen Markenwahrnehmung, Mitarbeiterbindung und Kundentreue. Das sind Themen, die auf Geschäftsführungsebene entschieden werden sollten.
Wie können Unternehmen sicherstellen, dass Werbegeschenke ihre Positionierung stärken, statt nur Budget zu verbrauchen?
Badia: Indem sie sich drei Fragen stellen: Passt das Produkt zu unserer Marke? Passt es zur Zielgruppe? Und erzählt es eine Geschichte? Wenn alle drei Punkte erfüllt sind, entsteht ein Geschenk, das wirkt.
Welche Trends sehen Sie aktuell, und was bedeutet das für die Zukunft von Werbeartikeln?
Schwerin: Wir sehen eine klare Bewegung hin zu nachhaltigen, langlebigen Produkten. Unternehmen wollen nicht mehr nur Reichweite, sondern Wirkung. Außerdem gibt es eine Professionalisierung. Unternehmen messen heute viel genauer, was funktioniert. Studien zeigen, dass Werbeartikel oft eine höhere Conversion erzeugen als digitale Werbung – weil sie physisch präsent sind. Die Zukunft gehört hochwertigen, personalisierten Produkten, die echte Wertschätzung ausdrücken. Wer das versteht, hat einen klaren Wettbewerbsvorteil.


