DUP UNTERNEHMER-Magazin: Sie sprechen regelmäßig mit Führungskräften über Künstliche Intelligenz. Welche Fehlannahmen beobachten Sie insbesondere im deutschen Mittelstand?
Laura Lewandowski: Viele Menschen glauben zuerst, es gehe vor allem um Tools und darum, schnell etwas einzuführen. In den Gesprächen zeigt sich dann aber oft etwas anderes: Es ist weniger eine Sache und mehr eine Mindset-Geschichte. Unternehmen können viele Tools bereitstellen – wenn Menschen nicht verstanden haben, was auf sie zukommt, bleibt der Effekt gering.
Das heißt: Nicht die Technik ist das Hauptproblem?
Lewandowski: Oft nicht. Viele Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer wissen, wie wichtig das Thema ist, fühlen sich aber mit der Veränderung allein. Sie haben nicht immer den Rückenwind aus der Belegschaft, teilweise erleben sie sogar Kritik.
Wie bewerten Sie die strukturellen Voraussetzungen im Mittelstand? Sind Unternehmen technologisch bereit für die KI-Ära?
Lewandowski: Die Spannbreite ist groß. Es gibt ambitionierte Mitarbeitende, die etwas vorantreiben wollen, aber nicht über Budgets entscheiden. Es gibt Unternehmen mit langen Abstimmungswegen. Und es gibt inhabergeführte Firmen, in denen ein CEO sagen kann: Wir brauchen das – und dann wird entschieden.
Warum ist Geschwindigkeit derzeit so entscheidend?
Lewandowski: Was gerade passiert, ist aus meiner Sicht ein Zeitfenster, das sich bald schließen kann. Wer jetzt lernt und umsetzt, baut Vorsprung auf. In den USA etwa wird weniger gefragt, ob man KI nutzen sollte. Dort arbeiten viele längst damit.
Woran erkennt man den Übergang von Pilotprojekten zu echter Wertschöpfung?
Lewandowski: An klaren Kennzahlen. Ich kann nichts messbar machen, wohinter keine Zahl steht. Das heißt, es reicht einfach nicht aus, ein Mehr an Output zu produzieren. Entscheidend ist, ob daraus Reichweite, Leads, Umsatz oder bessere Qualität entstehen.

Wie gelingt es, KI als festen Bestandteil der täglichen Arbeit zu etablieren?
Lewandowski: Es braucht kleine Gruppen, regelmäßigen Austausch und Lernformate. Man muss Menschen die Grundlagen erklären und sie dort abholen, wo sie stehen. Hilfreich sind interne Runden, in denen Erfolge und Misserfolge geteilt werden.
Welche Rolle spielt dabei die Führungskraft?
Lewandowski: Eine zentrale. Es kann nicht sein, dass man nur sagt: Nutzt KI – aber als Chef oder Chefin macht man es eigentlich gar nicht. Führung muss das Thema vorleben. Wenn Entscheiderinnen und Entscheider selbst neugierig sind und lernen, wirkt das nachhaltig ins Unternehmen hinein.
Hilft der Austausch über KI auch dabei, Ängste vor Jobverlust zu reduzieren?
Lewandowski: Ja, weil Menschen schnell Erfolgserlebnisse haben können – auch ohne technischen Hintergrund. Gleichzeitig stimmt natürlich: Manche Tätigkeiten werden wegfallen. Vor allem Routinen. Aber es entstehen immer neue Aufgaben.
Führt KI im Mittelstand also eher zu Personalabbau oder zu einer qualitativen Transformation der Arbeit?
Lewandowski: Eher zu einer Verschiebung. Es wird ja Energie freigesetzt. Die Frage ist am Ende, wofür Unternehmen diese Energie nutzen: für neue Geschäftsmodelle, strategische Arbeit oder kreative Lösungen. Schwieriger wird es für die mittlere Klasse, die einfach nur Dienst nach Vorschrift macht.
Hat der deutsche Mittelstand strukturelle Vorteile beim Einsatz von KI?
Lewandowski: Ja, vor allem enormes Fachwissen. Viele Unternehmen sind Weltmarktführer in Nischen und verfügen über jahrzehntelange Erfahrung. Wenn dieses Wissen mit KI verbunden wird, entsteht ein Turbo. Und wenn es mit dem eigenen Wissen gefüttert wird, dann ist es eine individuelle Arbeitsmaschine.
Welche drei strategischen Prioritäten sollten Unternehmerinnen und Unternehmen jetzt setzen, um für die Zukunft gerüstet zu sein?
Lewandowski: Erstens: selbst lernen und ein eigenes Set-up aufbauen. Zweitens: die Datenbasis im Unternehmen ordnen. Drittens: einen Mindset-Wechsel schaffen – weg vom reinen Ausführen, hin zu mehr Eigenverantwortung und Steuerungskompetenz.
Also braucht es am Ende vor allem mehr Mut?
Lewandowski: Ja. Und Begeisterung, die wirkt ansteckend. Wenn Führungskräfte selbst vorangehen, ziehen Teams meist mit.
