Gerade in der Elektronikfertigung, in der komplexe Baugruppen, hohe Qualitätsanforderungen und enge Zeitfenster zusammentreffen, zeigt sich besonders deutlich, wie entscheidend ein professionell gesteuerter Serienanlauf ist. Dabei geht es nicht um Tempo um jeden Preis. Entscheidend ist die Fähigkeit, den Übergang von der Entwicklung in die Serie trotz komplexer Projektmechanik sicher, planbar und zügig zu beherrschen.
Wo Zeit wirklich verloren geht
In der Praxis entsteht der größte Zeitverlust selten in der eigentlichen Fertigung. Moderne Produktionslinien sind schnell genug. Verzögerungen entstehen vielmehr an den Schnittstellen: bei unklaren Spezifikationen, langwierigen Abstimmungen, Änderungsentscheidungen und vor allem in der Materialverfügbarkeit. In vielen Projekten erleben wir, dass diese Themen erst dann sichtbar werden, wenn der Serienstart bereits terminiert ist. Nämlich genau dann fehlt die Zeit für saubere Lösungen.
Gerade im Übergang vom Prototyp zur Serie zeigt sich, wie gut ein Projekt vorbereitet ist. In Test- und Vorserienphasen werden nahezu immer Optimierungspunkte sichtbar. Je besser Entwicklung und Industrialisierung verzahnt sind, desto weniger Korrekturschleifen entstehen. Doch diese notwendige Zeit wird in vielen Projekten nicht realistisch eingeplant. Der Effekt: Für den eigentlichen Serienstart bleibt erneut weniger Zeit, der Druck steigt und Geschwindigkeit wird zur Improvisationsleistung. Unsere Erfahrung bei EPS zeigt: Wer Industrialisierung und Serienfähigkeit früh mitdenkt, gewinnt später Wochen. Nicht durch Hektik, sondern durch Vorbereitung.
Serienreife ist mehr als ein funktionierendes Design
Ein Produkt kann technisch funktionieren und dennoch nicht serienreif sein. Serienreife bedeutet stabile Prozesse, beherrschte Prüfkonzepte, abgesicherte Lieferketten und reproduzierbare Qualität. Typische Fehler entstehen, wenn Fertigungspartner zu spät eingebunden werden, DFM-Aspekte nur oberflächlich betrachtet werden oder das Änderungsmanagement nicht klar geregelt ist.
Besonders kritisch ist eine fehlende Materialstrategie. Ohne qualifizierte Alternativbauteile, Second Sources oder frühzeitig gesicherte Long-Lead-Teile wird selbst ein freigegebenes Design schnell zum Terminrisiko. In solchen Fällen wird Zeit zunächst verloren und später teuer zurückgekauft, etwa durch Expressbeschaffung, Brokerware oder kurzfristige Re-Qualifikationen.
Wie EPS den Übergang beschleunigt – ohne Abkürzungen
EPS beschleunigt den Serienanlauf nicht durch das Überspringen von Prüfungen, sondern durch eine konsequente Parallelisierung von Industrialisierung, Materialmanagement und Qualitätssicherung. Zentrale Grundlage ist eine klare Prozessorganisation mit eindeutiger Verantwortung – insbesondere im Angebotsprozess und im Serienanlauf. Wir arbeiten bewusst mit klar benannten Prozessverantwortlichen für Angebot und Serienanlauf, um Übergabeverluste zu vermeiden und Entscheidungen zu beschleunigen.
Bereits in der Angebotsphase werden DFM-Risiken, Materialverfügbarkeiten, Testkonzepte und Ramp-up-Pläne strukturiert bewertet. Im Serienanlauf wird diese Linie konsequent fortgeführt: mit klar definierten Freigabewegen, toolgestützten DFM-Analysen nach IPC-orientierten Kriterien, früh aufgebauten Prüf- und Testkonzepten sowie einem aktiven Materialmanagement.
Ein entscheidender Hebel ist die Musterfertigung. Prototypen entstehen bei EPS nicht als isolierte Laborstücke, sondern bewusst im Serienprozess. AOI-Programme, Prozessparameter, Prüfadapter und Dokumentation werden bereits in der Musterphase aufgebaut, sodass Muster und Serie aus demselben Prozess entstehen. Dadurch beginnt die Serie nicht mit einem Lernprozess, sondern mit einem belastbaren Setup.
Geschwindigkeit als Organisationsleistung
Schnelle Produktion ist kein Ergebnis schneller Maschinen, sondern schneller Entscheidungen. Flache Hierarchien und direkte Kommunikationswege wirken nur dann als Beschleuniger, wenn sie auf einer sauberen Prozessstruktur aufsetzen. Klar definierte Verantwortlichkeiten, geregelte Entscheidungsräume und ein stringentes Änderungsmanagement sorgen dafür, dass Themen nicht eskalieren, sondern gelöst werden. Bei EPS bedeutet das: klare Governance für ECR/ECN, definierte Entscheidungsräume und kurze Wege zwischen Shopfloor, Arbeitsvorbereitung, Qualität und Einkauf.
Geschwindigkeit wird damit reproduzierbar. Nicht als Ausnahme im Feuerwehrmodus, sondern als Ergebnis einer Organisation, die Industrialisierung, Material und Qualität von Anfang an auf Serienfähigkeit ausrichtet.
Resilienz schlägt perfekte Planung
Lieferkettenkrisen, Allokationen oder plötzliche Marktverwerfungen lassen sich nicht vollständig verhindern. Entscheidend ist, wie schnell ein Unternehmen wieder handlungsfähig wird. EPS setzt daher auf Resilienz statt auf die Illusion vollständiger Planbarkeit: Second Sources, qualifizierte Substitutionspfade, Frühwarnsysteme für kritische Bauteile sowie flexible Produktions- und Reihenfolgeplanung begrenzen die Wirkung externer Schocks.
So bleibt Geschwindigkeit auch unter volatilen Bedingungen erhalten – nicht risikolos, aber kontrolliert.
Partnerschaft als Beschleuniger
Ein schneller Serienanlauf funktioniert nur, wenn alle Beteiligten Verantwortung übernehmen. Auf Kundenseite sind klare Datenstände, schnelle Entscheidungen und Transparenz über Anforderungen entscheidend. Gleichzeitig versteht sich EPS als aktiver Partner, der Lücken schließt, Risiken benennt und Vorschläge macht, bevor sie zu Problemen werden. Diese Haltung gilt bei EPS nicht nur gegenüber Kunden, sondern ebenso gegenüber Lieferanten. Als integraler Bestandteil der Wertschöpfungskette.
Geschwindigkeit als wirtschaftlicher Hebel
In vielen Unternehmen wird Geschwindigkeit noch immer primär als Kostenfaktor betrachtet. Tatsächlich ist sie ein wirtschaftlicher Hebel: kürzere Time-to-Market, früherer Umsatz, weniger Nacharbeit, stabilere Qualität. Entscheidend ist dabei nicht die Taktzeit der Linie, sondern die Aktionsgeschwindigkeit der Organisation. Bei EPS zeigt sich dieser Effekt insbesondere im Serienanlauf: Je besser vorbereitet, desto geringer die Kosten im Ramp-up und desto stabiler die Lieferfähigkeit.
Wer seine Time-to-Market verkürzen will, braucht vor allem eines: realistische Planung, frühzeitige Industrialisierung und einen Fertigungspartner, der nicht nur produziert, sondern mitdenkt. Dann wird Geschwindigkeit kein Risiko, sondern ein verlässlicher Wettbewerbsvorteil.
Kurz gesagt: Ein schneller Serienanlauf gelingt, wenn Vorbereitung und Industrialisierung frühzeitig erfolgen und wenn alle Beteiligten partnerschaftlich, klar und lösungsorientiert handeln. Genau diesen Anspruch verfolgt EPS – intern wie extern – und macht Geschwindigkeit damit planbar.

