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Freelancer im Mittelstand: Strategischer Vorteil statt Notlösung

Der „Freelancer-Kompass 2025“ zeichnet ein klares Bild: 80 Prozent der befragten freien Mitarbeitenden schätzen sich als effizienter als festangestellte Mitarbeitende ein – und 45 Prozent haben ihr zuletzt abgerechnetes Projekt in einem mittelständischen Unternehmen realisiert. Warum sich die Zusammenarbeit mit freien Expertinnen und Experten lohnt.

Illustration: Ein Mann in Businesskleidung, der mit einem Laptop auf dem Schoß in einem Liegestuhl sitzt, als Symbol für Freelancer im Mittelstand

16.02.2026

Auf der Auftraggeberseite bestätigt sich der Trend: 64 Prozent zeigen sich "sehr zufrieden" mit Projektergebnissen, weitere 48 Prozent bewerten die Zusammenarbeit positiv. Thomas Maas, CEO der Plattform Freelancermap, bringt es auf den Punkt: „Freelancer bringen jahrelange Berufserfahrung, unternehmerische Denkweise und flexible Zeit- und Budgetplanung mit in Unternehmen. Sie sind also kein Notnagel, sondern ein strategischer Vorteil.“

Ein konkretes Beispiel illustriert, wie das Zusammenspiel von Mittelstand und Freelancern in der Realität aussehen kann. „Wir brauchten vor einiger Zeit kurzfristig eine UX-Designerin, die sofortige Projektqualität liefert – über das Onlineportal Freelancermap war das passend besetzt“, sagt Tobias Mulack, Leiter Digitalentwicklung bei Sellwerk. Über Freelancermap fand das Unternehmen freie Mitarbeitende, parallel wurde über Projektlaufzeiten hinweg ein freier Entwickler eingesetzt. So entstand Stabilität ohne langfristige Fixkosten. Dieser doppelte Ansatz – kurzfris­tige Spitzen abfangen und dauerhaft projektbasierte Unterstützung – zeige laut Maas, wie Freelancerinnen und Freelancer für kleine und mittlere Unternehmen nicht nur reagieren, sondern präventiv wirken könnten.

Ökonomische Rahmenbedingungen und Risiken

Im „Freelancer-Kompass 2025“ wird ein durchschnittlicher Stundensatz von 104 Euro angegeben, was einem Tagessatz von knapp 832 Euro entspricht. Doch für viele freie Mitarbeitende ist Akquise nach wie vor eine große Herausforderung: 60 Prozent nennen sie als größte Schwäche, gefolgt von Unsicherheit in der Auslastung. Hinzu kommen politische und regulative Unsicherheiten: Im Koalitionsvertrag aus dem Frühjahr 2025 ist vorgesehen, selbstständig Tätige beim Thema Altersvorsorge stärker in den Blick zu nehmen – etwa durch eine verpflichtende Rentenversicherung für neue Selbstständige. Eine Ausnahme ist allerdings möglich, wenn eine private Vorsorge nachgewiesen werden kann.

Besonders heftig diskutiert wird die geplante „Aktivrente“. So sieht der Entwurf vor, dass bis zu 2.000 Euro monatlich steuerfrei hinzuverdienbar sein sollen – aber ausschließlich für abhängig Beschäftigte. Selbstständigen, die oft im Alter weiterarbeiten, drohen so Nachteile. Der Verband der Gründer und Selbstständigen spricht von einer „Schlechterbehandlung“. Freelancermap selbst fordert im Rahmen des Koalitionsvertrags eine Gleichbehandlung und politische Rahmenbedingungen, die das Arbeiten als Freie langfristig sicherer machen. 79 Prozent der befragten Freelancerinnen und Freelancer sehen derzeit Defizite in der politischen Struktur, 66 Prozent benennen unklare Regelungen als Hindernis.

Mittelstand mit Strategie

Die klassische Mittelstandsstruktur mit klar definierten Prozessen, festgelegten Budgets und vorhersehbaren Abläufen steht im Spannungsfeld zu dynamischen Innovationsprozessen. Diese sind oft projektorientiert, agil und technologiegetrieben. Aus dieser Spannung ergeben sich laut Maas jedoch große Chancen für freie Mitarbeitende:

  • Flexibilität und Resilienz
    Unternehmen können kurzfristig reagieren, wenn Engpässe entstehen – ohne dauerhaftes Commitment.
  • Frisches Know-how und externe Perspektive
    Freelancer arbeiten vielfach branchenübergreifend und bringen „Best Practices“ ein.
  • Weiße Flecken schließen
    Wenn ein internes Team Know-how-Lücken hat (etwa beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz oder bei UX-Design), lässt sich punktuell Expertise einkaufen.
  • Skalierung ohne Overhead
    Bei Wachstumssprüngen lassen sich Leistungen auslagern, statt neue Abteilungen zu schaffen. Doch dieser Ansatz verlangt Reife: Schnittstellen, Rollen, Steuerungskonzepte. Die Zusammenarbeit mit Freelancern muss so gestaltet sein, dass Kommunikation, Qualität und Verantwortung klar geregelt sind – und nicht zulasten der Effizienz gehen.

Freelancer und mittelständische Unternehmen sind kein Widerspruch, sondern ein modernes Bündnis. Für den Mittelstand bieten freie Expertinnen und Experten die Möglichkeit, kurzfristig zu reagieren und gleichzeitig Potenziale für Innovation zu heben. Doch gerade angesichts politischer Unwägbarkeiten – insbesondere in puncto Scheinselbstständigkeit (siehe Infokasten unten) – und regulatorischer Reformen ist es entscheidend, dass sowohl Unternehmen als auch Freelancerinnen und Freelancer klare Rahmenbedingungen fordern. Die Zeit der spontanen Pflaster­ösungen ist vorbei: Freie Mitarbeitende können vielmehr zum festen Baustein moderner Mittelstandsstrategie werden – nachvollziehbar, kalkulierbar und langfristig nutzbar. Dann ergibt sich eine Win-win-Situation für beide Seiten.

Porträt von Thomas Maas

Thomas Maas

ist seit 2011 CEO von Freelancermap, der größten Plattform für freie Expertinnen und Experten im Raum Deutschland, Österreich, Schweiz. Er bringt jährlich die repräsentative Marktstudie „Freelancer-Kompass“ heraus