Gesundheit am Arbeitsplatz

Augen auf, Führungskräfte! Wer Sehbelastung der Mitarbeiter ignoriert, zahlt doppelt

Einen Großteil ihrer Arbeitszeit verbringen die Deutschen vor Bildschirmen. Und immer mehr klagen dabei über müde Augen oder schlechtes Sehen. Nicht nur bei der richtigen Bildschirmbrille sind die Arbeitgeber mit in der Pflicht. Auch Raumklima, die richtigen Möbel und die optimale Beleuchtung gehören zu ihren Aufgaben.

Ein junger Mann mit Brille, der sich die Augen reibt, als bildliche Darstellung für Sehbelastung am Arbeitsplatz

24.02.2026

Wer morgens mit dem Auto zur Arbeit fährt, stellt in der Regel vor dem ersten Gasgeben zunächst den Fahrersitz ein, richtet Rück- und Seitenspiegel passend aus und legt den Sicherheitsgurt an. Erst danach wird der Motor gestartet. Genauso sollte man es auch bei seinem Bildschirmarbeitsplatz machen: „Erst sollte man die Rahmenbedingungen am Arbeitsplatz optimal einstellen, dann die passende Brille für die individuelle Tätigkeit auswählen und im dritten Schritt den Monitor im richtigen Neigungswinkel und Abstand passend zur Brille positionieren“, sagt Karl-Ernst Poppendick, promovierter Leiter des Fachbereichs Produkte und Arbeitssysteme bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin.

Große Mehrheit der Büroarbeiter klagt über Augenprobleme

Doch die Realität sieht häufig anders aus. Eine Studie der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt aus Österreich, die sich auf Deutschland problemlos übertragen lässt, zeigt, dass täglich sechs von zehn Beschäftigten über Probleme mit müden und trockenen Augen, schlechtem Sehen am Bildschirm, Nackenbeschwerden oder Konzentrationsproblemen klagen.

Büroarbeit ist ohne einen Bildschirmarbeitsplatz nicht mehr denkbar. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes verbringen etwa zwei Drittel der 25- bis 54-jährigen Deutschen täglich einen Teil ihrer Arbeitszeit vor dem Computer. Gutes Sehen im Büro hat demzufolge eine hohe Bedeutung.

„Ergänzend ist die Kombination von Brillennutzung und Bildschirmarbeit weit verbreitet: Bei den 30- bis 44-Jährigen liegt der Anteil bei 42 Prozent. Von den Älteren tragen sogar 73 Prozent eine Brille“, heißt es in einer Untersuchung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Immer mehr ältere Beschäftigte setzen dabei – mit finanzieller Unterstützung meist ihrer Arbeitgeber – auf spezielle Bildschirmbrillen. Diese werden für die Sehanforderungen am Bildschirmarbeitsplatz individuell angepasst. „Während die Gläser einer Gleitsichtbrille drei Sehbereiche (Nah-, Mittel- und Fernsicht) aufweisen, hat das Glas einer Arbeitsplatzbrille nur zwei Sehbereiche (Nah- und Mittelsicht). Die Office-Gleitsichtbrille ist besonders für Personen geeignet, die während derArbeit viel Zeit vor einem Bildschirm verbringen, sei es am Computer, an einem Tablet oder an einem Smartphone. Daher ist es sinnvoll, die Bildschirm-Brille zusätzlich mit einem Blaulichtfilter veredeln zu lassen“, informiert die Optiker-Fachkette eyes + more. Aber auch, wenn die Beschäftigten in einem handwerklichen Beruf arbeiten und während ihrer Arbeit immer wieder zwischen einer nahen und mittleren Sehdistanz wechseln, kann eine Arbeitsplatzbrille für sie genau richtig sein. 

Die Merkmale und Vorteile der „Gleitsichtbrille fürs Office“

Ein großer Vorteil: Die spezielle Brille hilft, die Augen zu entlasten und kann helfen, Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich zu vermeiden. Das schont die Gesundheit. Daher bieten viele Unternehmen auch im deutschen Mittelstand ihren Beschäftigten vorsorglich regelmäßige Augen-Check-ups an oder subventionieren gar den Kauf der nicht ganz so günstigen Bildschirmbrillen.

Aber: Das Problem müder und trockener Augen oder verspannter Nackenmuskeln allein auf die falsche oder fehlende Brille zu verkürzen, geht am Thema vorbei. Augenermüdung entsteht selten isoliert. Monitorhöhe, Sitzhaltung und Beleuchtung können wesentliche Mitursachen sein. Auch hier sollten Firmenchefs nicht kurzfristig geizen – langfristige gesundheitliche Schäden und damit unfreiwillige längere Fehlzeiten von Mitarbeitenden kommen sie teurer zu stehen als der zudem steuerlich absetzbare Kauf neuer Büromöbel.

Umso wichtiger ist es, dass Brille und Bildschirm, einschließlich der ergonomischen Anordnung, möglichst optimal auf die Bedürfnisse der Beschäftigten abgestimmt sind. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, das Ermüden der Augen und Muskel-Skelett-Beschwerden bei der Bildschirmarbeit durch eine optimierte Auswahl der Brille, eine günstige Kopfhaltung und eine ergonomische Gestaltung am Bildschirmarbeitsplatz zu verbessern: Nützlich sind beispielsweise Flachbildschirme in Kombination mit flexiblen Monitorhalterungen. Sie erlauben es, den Arbeitsplatz an die individuellen Erfordernisse anzupassen. „Denn der beste Stuhl, der größte Monitor und die neueste Brille bringen nichts, wenn nicht alles zueinander passt“, informiert die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin.

Raumklima als unterschätzter Faktor

Einen zu selten beachteten Punkt spricht Professor Thomas Reinhard an, Ärztlicher Direktor der Klinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Freiburg: die trockeneRaumluft in vielen Büros.„Durchschnittlich blinzelt ein Mensch mindestens alle zehn bis 15 Sekunden. Wer jedoch konzentriert auf den Computerbildschirm starrt, öffnet und schließt sein Augenlid deutlich seltener. Durch den starren, konzentrierten Blick sinkt die Lidschlagfrequenz ganz automatisch und die Tränenflüssigkeit wird nicht mehr so gut auf der Hornhaut und der Bindehaut verteilt“, erklärt Reinhard. Das führt häufig zu Ermüdungserscheinungen und Symptomen wie Trockenheit, Juckreiz, verschwommener Sicht und Kopfschmerzen. Hinzu kommt: „Die Luftfeuchtigkeit in Arbeitsräumen ist oft zu gering, was die Augen zusätzlich belastet. Regelmäßiges Lüften oder ein Luftbefeuchter am Arbeitsplatz tuen den Augen gut.“

Auch das richtige Licht ist wesentlich für gutes Sehen am Arbeitsplatz: „Eine LED-Tischleuchte und eine Arbeitsplatzleuchte sind unverzichtbare Lichtquellen, wenn es um konzentriertes und effizientes Arbeiten geht. Beide Leuchten sorgen für eine gezielte Ausleuchtung des Arbeitsbereichs und sind daher ideal für Büros, Werkstätten oder das Homeoffice geeignet“, schreiben die Lichtprofis der Kaiser+Kraft GmbH aus Stuttgart auf ihrer Website. Fürs Büro empfehlen sie zur Beleuchtung der Schreibtische eine Lichtfarbe im Tageslichtspektrum (über 5.300 K) oder mit neutraler Wirkung (rund 4.000 bis 5.300 K) – bei einer Helligkeit von wenigstens 500 Lux. Denn: „Diese Kombination fördert die Konzentration, ohne den Arbeitsplatz zu steril auszuleuchten. Das optimale Licht muss dabei so gewählt werden, dass es die Auswirkungen von kalten Selbstleuchtern wie Bildschirmen auf die Augen möglichst ausgleichen kann.“