
Die Regierung verfügt mit „Malta Vision 2050“ über einen strategischen Kompass für die kommenden Jahrzehnte. „Wir sind in den vergangenen Jahren sehr stark gewachsen“, sagt Ronald Mizzi. Doch Wachstum allein ist für den Inselstaat kein Ziel, wie der Beamte erklärt. „Wir zielen auf vier bis fünf Prozent Wirtschaftswachstum ab – und darauf, dieses Tempo nachhaltiger zu gestalten und in eine bessere Lebensqualität für die Menschen zu übersetzen“, so Mizzi.
Der Weg zum Strategiepapier „Malta Vision 2050“ begann vor rund eineinhalb Jahren. Internationale Experten, darunter ein großes Beratungsunternehmen, begleiteten den Prozess. Analysiert wurden bestehende Wirtschaftsstrategien, europäische Megatrends und internationale Beispiele. Zugleich führte die Regierung einen ungewöhnlich breiten Konsultationsprozess mit Bürgern und Unternehmen. Das Ergebnis ist ein Rahmen aus vier strategischen Säulen und hundert „Macro Measures“, jeweils mit messbaren Zielgrößen hinterlegt.
Vier strategische Säulen für die Zukunft
Die erste Säule richtet sich auf nachhaltiges Wachstum. Mizzi: „Die Grundidee lautet: Wert statt Volumen.“ Der Fokus liege ab sofort auf sieben Schlüsselbranchen – darunter Tourismus, digitale Wirtschaft und Gaming, maritime Dienstleistungen, Luftfahrt sowie intelligente Produktion und Bauwirtschaft. Doch wirtschaftlicher Erfolg allein reicht nicht. Deshalb gehe es bei der zweiten Säule darum, Wachstum in Alltagserfahrung zu übersetzen: bessere Mobilität, ein stärker präventiv ausgerichtetes Gesundheitssystem, soziale Dienstleistungen und Wohnraum. Öffentliche Leistungen sollen stärker an den Bedürfnissen der Menschen ausgerichtet werden.

Die dritte Säule verbindet Bildung mit nationaler Resilienz. Für einen Inselstaat ohne Rohstoffe sei Humankapital die wichtigste Ressource. Die Covid-19-Pandemie und verschiedene Lieferkettenkrisen hätten in der jüngeren Vergangenheit gezeigt, wie abhängig kleine Volkswirtschaften bleiben. Und schließlich geht es um den knappsten Faktor des Landes: Raum. Mit der vierten Säule „smart land and sea usage“ will die Regierung Land- und Meeresflächen effizienter nutzen – auch mithilfe digitaler Technologien, Datenanalysen und langfristiger Infrastrukturprojekte. Digitalisierung soll deshalb nicht länger nur eine Ergänzung staatlicher Prozesse sein. Mizzi spricht von einem Perspektivwechsel. Malta müsse zu einem Staat werden, der „digital by design“ funktioniere.
Seit der Unabhängigkeit 1964 hat Malta eine bemerkenswerte Entwicklung genommen. Mizzi: „Wir waren zuletzt eine der erfolgreichsten Volkswirtschaften der EU – und sind von Nachzüglern zu Überfliegern geworden.“ Um auch in Zukunft erfolgreich bleiben zu können, brauche es eine Transformation. Die Basis dafür liefert „Malta Vision 2050“.


