DUP UNTERNEHMER-Magazin: Herr Wegner, der Branchenreport „mmb‑Trendmonitor 2025/26“ sieht in KI‑gestützten Chatbots und Lernassistenten eine große Konkurrenz für Trainerinnen und Trainer aus Fleisch und Blut. Ersetzt auch hier bald die Maschine den Menschen?
Wegner: Bei bestimmten Themen, etwa regelmäßigen Sicherheitsschulungen, ist das eigenständige Lernen mit KI-Unterstützung bereits heute einem physischen Seminar überlegen, nicht nur im Hinblick auf die Kosten, sondern auch die aufgewendete Zeit. Sie müssen dafür nicht extra anreisen, können das bequem von Zuhause aus erledigen und sich die Inhalte auch in Häppchen aufteilen.
Und wo endet der Einsatz der KI?
Wegner: Überall dort, wo es um Themen geht, die viel Erklärung und menschliches Einfühlungsvermögen erfordern. Doch das eigentliche Problem der Branche ist nach meiner Beobachtung nicht das Aufkommen der KI, die in vielen Fällen ohnehin kein Konkurrent, sondern eher Helfer ist.
Was ist denn dann das Hauptproblem der Seminaranbieter?
Wegner: Das Denken in veralteten Strukturen und Formaten. Wer nur auf alte Formate setzt, verliert Marktanteile. Das gilt vor allem für das Feedback. Mobile First und Direkt-Feedback per Link oder QR-Code haben alle anderen klassischen Feedback-Strukturen wie Papierbögen weitgehend ersetzt. Richtig eingesetzt, wird Feedback zum Frühwarnsystem. Für die Unternehmen, die Kurse buchen, und für die Firmen und Trainer, die diese anbieten. Denn ausführliches und ehrliches Feedback zeigt, welche Inhalte, Formate oder Trainer gut wirken und welche auch nicht mehr funktionieren, bevor Umsätze sinken.
Aber wir werden doch bei jedem Kurs am Ende um Feedback gebeten?
Wegner: Schon richtig. Aber zum einen können wir über den richtigen Zeitpunkt diskutieren, zum anderen über die Art und Weise, wie es erhoben wird. Geht es nur um ein routiniertes Abnicken im Sinne von „Na, wart Ihr alle zufrieden?“ oder um das Einholen ehrlicher, offener Antworten? Am Ende eines zwei- oder dreitägigen Kurses wollen alle am liebsten nur noch schnell nach Hause, sind müde, im Kopf leer und haben vor allem keine Lust mehr, sich ordentlich und reflektiert die Meinung zu sagen. Doch das Feedback, das Sie so gewinnen, ist leider wenig belastbar.
Wie sieht ein effektiver Ablauf für Seminarfeedback also aus?
Wegner: Kurz, mobil, zielgerichtet. Wer Seminarfeedback erstellen möchte, sollte es kurz vor Ende des Seminar einholen, per Link oder QR-Code mit sechs bis acht Fragen. Darunter drei Skalenfragen für schnelle Auswertung, zwei gezielte offene Fragen („Was hat konkret gefehlt?“, „Was war besonders hilfreich?“), plus eine Frage zur Weiterempfehlung. Vorab klar kommunizieren, wofür das Feedback genutzt wird — das erhöht die Ehrlichkeit bei den Antworten.
Skalen oder offene Fragen, was ist wichtiger?
Wegner: Beides. Skalen liefern schnelle KPIs, offene Antworten sind das Gold für die tiefere Ursachenanalyse. Ohne systematische Auswertung offener Texte bleibt Feedback ein reines Stimmungsbarometer. Unsere Erfahrung: Unternehmen, die Return-on-Invest sehen, analysieren qualitative Antworten und leiten daraus konkrete Maßnahmen ab.
Nochmals nachgefragt zum optimalen Timing: Wann sollte man Feedback erheben? Nur am Ende oder auch während eines Seminars oder kurz danach?
Wegner: Nicht nur am Ende. Timing ist strategisch: Kurzes Pulsnehmen während des Seminars, zum Beispiel nach dem Ende eines Modus, und ein Abschluss‑Link erhöhen die Trefferquote. So erkennen Sie, ob Inhalte im Verlauf an Wirkung verlieren und können als emphatischer Trainer sogar noch während eines Seminars nachjustieren.
Wie wird Seminar-Feedback zum Teil eines kontinuierlichen Lernsystems?
Wegner: Durch automatisierte Auswertung, Trend‑Alerts bei wiederkehrenden Mustern und letztlich entschlossenes Handeln. Feedback muss in Schulungs‑Roadmaps einfließen: in die Auswahl der Trainer, in deren Coaching, das kontinuierliche Verbessern der Inhalte. Ohne diese Übersetzung bleibt Feedback nutzlos.

