Technologie

Erfolgreiche KI-Projekte benötigen einen holistischen Ansatz

Eine aktuelle Studie von Red Hat, einem der führenden Open-Source-Anbieter, zeigt: Deutsche Unternehmen wollen ihre KI-Investitionen erhöhen. Dafür wurden 100 IT- und KI-Führungskräfte befragt. Gregor von Jagow, Country Manager Germany bei Red Hat, spricht über digitale europäische Souveränität und darüber, wie die richtige Technologie dem Mittelstand dabei hilft, schneller voranzukommen.

Illustration: Ein Mann in Businesskleidung als Symbol für holistische KI-Projekte

20.02.2026

DUP UNTERNEHMER-Magazin: Laut einer Studie von Red Hat wollen deutsche Unternehmen ihre KI-Investitionen deutlich steigern. Welche Schritte empfehlen Sie C-Level-Managern, um einen spürbaren Nutzen zu erzielen?

Gregor von Jagow: Der Maßnahmenkatalog ist dick. Das muss er auch sein, denn wer erfolgreich KI-Projekte umsetzen will, der muss das Thema holistisch ­angehen – angefangen bei der unternehmensweiten Strategie, die nicht nur die Bereiche Cloud, Sicherheit und Daten verzahnt, sondern auch die digitale Souveränität als Top-Priorität verankert. Die technologische Wahlfreiheit ist ausschlaggebend. Egal ob bei Modellen, der Inferenz, Trainingsdaten oder Anbietern: Die Kombination aus Open-Source-Komponenten und hybriden oder Multi-Cloud-Architekturen verhindert den Vendor-Lock-in und vereinfacht zentrale Aspekte wie Auditierbarkeit, Compliance-Anforderungen und natürlich die Datenhoheit.
Auf der kulturellen Ebene müssen Unternehmen systematisch in die Weiterbildung ihrer Belegschaft investieren und zusätzliche KI-Expertise, etwa in Form von KI-Engineers oder Data-Scientists, ins Boot holen. Auch hier kommt es letztlich auf die enge Verzahnung an, also interdisziplinäre Teams aus IT, Fachseite und Security, um KI wirklich in die DNA eines Unternehmens einzubringen und nicht an oberflächlichen Silo-Projekten zu scheitern.

80 Prozent der in der Studie befragten IT-Entscheider aus Deutschland priorisieren digitale Souveränität. Wie hilft Red Hats neuer EU-lokaler Support Firmen?

von Jagow: Unser Ansatz unterstützt Unternehmen, indem der Support ausschließlich durch verifizierte EU-Mitarbeitende innerhalb der EU erfolgt, mit voller operativer Kontrolle und 24/7-Verfügbarkeit nach europäischen Compliance-Standards. Ergänzt durch ein breites EU-Cloud-Ökosystem reduzieren wir damit die Abhängigkeiten von außereuropäischen Anbietern und ebnen den Weg zu souveränen Hybrid-Cloud- und KI-Umgebungen.

Bei Cyberbedrohungen gilt Open Source durch ­globale Prüfung als sicherer. Wie schützt Red Hats Ansatz Unternehmen vor Risiken in Hybrid-Umgebungen?

von Jagow: Gerade in diesen Umgebungen spielt Transparenz eine zentrale Rolle. Der Open-Source-Ansatz ermöglicht es, Codes weltweit prüfen zu lassen, Schwachstellen frühzeitig zu erkennen und schneller zu beheben. Darauf aufbauend setzen wir auf eine mehrstufige Sicherheitsarchitektur, die Sicherheit durchgängig über Infrastruktur, Plattformen und Anwendungen hinweg integriert.
Zusätzlich sorgen automatisierte Sicherheits- und Compliance-Prüfungen dafür, dass zentrale Vorgaben in allen IT-Umgebungen verlässlich eingehalten werden – unabhängig davon, wo Anwendungen betrieben werden. Unterstützt wird dies durch integrierte Sicherheitsmechanismen für moderne Software-Architekturen sowie Entwicklungsansätze, bei denen Sicherheit von Beginn an mitgedacht wird. So lassen sich Risiken frühzeitig erkennen, Ausfälle vermeiden und die Stabilität komplexer Hybrid-IT-Landschaften nachhaltig stärken.

Red Hat steht für Flexibilität und Unabhängigkeit sowie für sein Netzwerk von über 500 EU-Partnern. Für welche Zwecke können Mittelständler dieses Ökosystem nutzen?

von Jagow: Zum einen natürlich für die freie Kombination aus Open-Source-Technologien, Cloud-Anbietern und Betriebsmodellen sowie die Wahl von regionalen EU-Partnern für die Implementierung, den Betrieb und Support. Zum anderen steht dem Mittelstand damit das branchenspezifische Know-how und die langjährige Expertise unserer Partner zur Verfügung – zum Beispiel für Industrie, Handel, Finanzwesen oder den öffentlichen Sektor. Ein breites Netzwerk mit zertifizierten lokalen Partnern ist zudem die Grundlage für eine rechtskonforme Umsetzung von EU-Regularien. Mit unserem Ökosystem verbinden wir also technologische Freiheit mit lokaler, branchenspezifischer Expertise. Das Ergebnis sind zukunftssichere Innovationen ohne Abhängigkeiten.

Neben KI: Wie prägen Low-Code/No-Code und Cloud-native die Branche, und welche Chancen ergeben sich für den Mittelstand?

von Jagow: Wir sehen aktuell, dass sowohl Low-Code/No-Code als auch Cloud-native für spürbar mehr Dynamik in der Branche sorgen. Mit Low-Code- und No-Code-Plattformen lassen sich Anwendungen deutlich schneller entwickeln, oft sogar direkt aus den Fachbereichen heraus. Das hilft dem Mittelstand, Prozesse sehr viel pragmatischer zu digitalisieren, Ideen schnell zu testen und Anpassungen ohne lange Entwicklungszyklen effizienter umzusetzen. Cloud-native-Technologien bilden dafür das Fundament. Sie ermöglichen flexible, skalierbare Anwendungen in hybriden oder Multi-Cloud-Umgebungen und unterstützen moderne Ansätze wie Container, Microservices und DevOps. Gleichzeitig wird es damit deutlich einfacher, neue Technologien wie KI oder auch komplexere Datenanalysen in bestehende Systeme einzubinden. Für den Mittelstand heißt das: schneller vorankommen, wettbewerbsfähig bleiben und digitale Geschäftsmodelle aufbauen – ohne hohe Anfangsinvestitionen oder große, kostspielige IT-Teams.

Porträt von Gregor von Jagow

Gregor von Jagow

ist Senior Director & Country Manager Germany bei Red Hat.