DUP UNTERNEHMER-Magazin: Was bedeutet für Sie Sichtbarkeit eines Unternehmens in LLMs?
Konstantin Pötschke: Die Sichtbarkeit in Large Language Models ist kein einheitliches Ziel, sondern hängt stark vom jeweiligen Geschäftsmodell ab. Ein Finanzdienstleister oder eine Bank verfolgt andere Ziele als ein E-Commerce-Unternehmen oder ein SaaS-Anbieter. Grundsätzlich geht es jedoch um zwei zentrale Aspekte: zum einen um die sogenannte Brand Visibility, also die direkte Nennung einer Marke als Quelle oder Referenz innerhalb von LLM-Antworten, und zum anderen um die gezielte Platzierung von Produkten, Dienstleistungen oder Lösungen in relevanten Informations-, Vergleichs- oder Transaktionskontexten.
LLM-Sichtbarkeit bedeutet damit nicht nur Reichweite, sondern vor allem Kontextkontrolle. Unternehmen wollen dort präsent sein, wo Nutzer reale Entscheidungen treffen, und dabei möglichst korrekt, konsistent und vertrauenswürdig dargestellt werden. Gleichzeitig führt diese Entwicklung dazu, dass Unternehmen verstärkt hochwertige und informative Inhalte erstellen. Das verbessert nicht nur die eigene Sichtbarkeit, sondern auch die Qualität des gesamten digitalen Informationsraums.
Viele Firmen konzentrieren sich weiterhin auf SEO. Ergibt das in Zeiten von KI-Sprachmodellen überhaupt noch Sinn?
Pötschke: Mehr denn je. Generative Engine Optimization ist kein Ersatz für SEO, sondern baut direkt darauf auf. Sprachmodelle greifen sowohl auf Trainingsdaten als auch auf aktuelle Informationen aus klassischen Suchmaschinen zurück. Dabei fließen Signale wie Content-Qualität, semantische Struktur und thematische Relevanz indirekt in die Antworten der Modelle ein.
Wer heute auf SEO verzichtet, schwächt damit automatisch auch seine Sichtbarkeit in LLM-Systemen. SEO bildet die infrastrukturelle Basis, auf der GEO überhaupt erst sinnvoll aufsetzen kann.
Wie müssen Daten aufbereitet werden, um von Sprachmodellen aufgegriffen zu werden?
Pötschke: Ziel ist es, Inhalte so aufzubereiten, dass sie leicht extrahierbar, eindeutig interpretierbar und dialogfähig sind. Besonders wirkungsvoll sind klar strukturierte Frage-Antwort-Formate, die reale Nutzerfragen aufgreifen. Ergänzend helfen Übersichten, Tabellen, Vergleichsdarstellungen und kompakte Zusammenfassungen, da Sprachmodelle Inhalte mit hoher Informationsdichte bevorzugen.
Auch strukturierte Daten, etwa nach dem Schema.org-Standard, gewinnen weiter an Bedeutung. Sie erleichtern es Maschinen, Inhalte semantisch korrekt einzuordnen und miteinander zu verknüpfen. Viele dieser Prinzipien sind aus dem klassischen SEO bekannt, im Kontext von Sprachmodellen werden sie jedoch deutlich wichtiger.
Welche Rolle spielen externe Quellen wie Wikipedia, Fachmedien oder Auszeichnungen für die Sichtbarkeit?
Plötschke: Hier bewegen wir uns im Bereich von E-E-A-T – also Experience, Expertise, Authority und Trustworthiness –, einem Qualitätsmodell, das ursprünglich von Google geprägt wurde und inzwischen den gesamten digitalen Suchraum beeinflusst.
Wenn eine Marke auf renommierten Plattformen wie Wikipedia, Fachmedien oder etablierten Portalen zitiert oder referenziert wird, stärkt das die thematische Autorität und das Vertrauen in die Inhalte – sowohl bei Suchmaschinen als auch bei Sprachmodellen. Auch Siegel, Zertifizierungen oder Auszeichnungen können diesen Effekt unterstützen, sofern die Zusammenhänge technisch nachvollziehbar und maschinell interpretierbar sind. Entscheidend ist nicht die bloße Erwähnung, sondern die klare Verknüpfung zwischen Quelle, Thema und Marke.
Werden Sprachmodelle die Unternehmenskommunikation grundlegend verändern?
Plötschke: Das lässt sich derzeit noch nicht abschließend beurteilen. Klar ist jedoch, dass der Nutzer weiterhin im Mittelpunkt steht. Suchmaschinen haben über Jahre hinweg den Fokus auf Relevanz, Qualität und Nutzermehrwert gelegt, und diese Prinzipien prägen inzwischen auch die Bewertung durch Sprachmodelle.
Unternehmenskommunikation wird sich daher weniger in Richtung einer reinen Maschinenoptimierung entwickeln, sondern vielmehr hin zu klareren, strukturierteren und stärker nutzerorientierten Inhalten. Sprachmodelle verstärken diesen Trend, ersetzen ihn jedoch nicht.
Welche Tools und Beratungsangebote gibt es derzeit – und wie werden sie nachgefragt?
Plötschke: Die Tool-Landschaft im GEO-Umfeld ist aktuell umfangreich, aber in ihrer Aussagekraft noch begrenzt. Offizielle Sichtbarkeitsdaten von Anbietern wie OpenAI oder Google existieren nicht, und externe Messungen sind nur eingeschränkt möglich.
Das liegt unter anderem daran, dass Sprachmodelle nicht deterministisch arbeiten und semantisch ähnliche Prompts zu unterschiedlichen Ergebnissen führen können. Außerdem entsteht Sichtbarkeit häufig erst im Verlauf eines Dialogs und nicht bereits bei der ersten Anfrage. Hinzu kommen Personalisierungseffekte durch Nutzerhistorien und Modellkonfigurationen.
Deshalb konzentriert sich die Beratung derzeit stärker auf strukturelle Optimierung als auf absolute Messwerte. Im Mittelpunkt stehen Content-Strategien, technische Lesbarkeit, semantische Klarheit und Markenautorität. Die Nachfrage nach solchen strategischen Ansätzen wächst derzeit deutlich. Unternehmen werden dabei ganzheitlich begleitet – von der Content-Strategie über geeignete Formate bis hin zur technischen Umsetzung –, mit dem Ziel, Inhalte langfristig sichtbar und zitierfähig im digitalen Informationsraum zu machen.
