Der 44-jährige Moritz Graf zu Rantzau dem Hotel gelegenen Schloss Breitenburg, einem historischen Ensemble mit Rittersaal, Bibliothek und Kapelle – einem Ort, der Verpflichtung und Inspiration zugleich ist. Für ihn ist klar: Eigentum bedeutet Verantwortung. „Wir sind zwar Besitzende für eine gewisse Zeit, aber eigentlich haben wir den Betrieb nur gepachtet“, sagt er. Sein Anspruch: das Ererbte bewahren, verbessern und an die nächste Generation weitergeben.

Dass diese Aufgabe alles andere als statisch ist, zeigt sein Alltag. 120 Beschäftigte, Forstwirtschaft, Immobilien, Reitanlage, Golfplatz, zwei Begräbniswälder – und seit 2021 führt er auch das „Hotel Breitenburg“ auf dem familien eigenen Gutshof in Schleswig-Holstein. Der frühere Pferdestall wurde zum Zentrum des Hauses umgebaut, das eng in die bestehende Struktur eingebettet ist. Die Motivation hinter dem beeindruckenden Hotelprojekt war pragmatisch und zugleich zukunftsgerichtet: „Erhalt geht nur durch Nutzung“, sagt der Graf. Eine Machbarkeitsstudie sprach ebenfalls dafür, das Hotel zu realisieren. Doch der Weg bis zur Eröffnung war lang und schweißtreibend: Pandemie, Kostensteigerungen, ein kontaminierter Baugrund und ein Wechsel der Baufirma verzögerten die Inbetriebnahme um zweieinhalb Jahre. „Man lernt bei so einem Projekt sehr viel – nicht nur Schönes“, sagt Graf zu Rantzau rückblickend.
Entschleunigung als Luxus
Heute steht das „Hotel Breitenburg“ nicht als Fremdkörper in der Landschaft, sondern als Weiterentwicklung des Guts. Der Wald beginnt direkt hinter dem Haus, der Golfplatz liegt vor der Tür, die Wege sind kurz – und die Elbmetropole Hamburg ist nur 45 Minuten entfernt. Für Unternehmerinnen und Unternehmer, die am verlängerten Wochenende Erholung und Abstand suchen, ist gerade diese Verbindung reizvoll. „Zeit und Entschleunigung sind großer Luxus“, sagt Graf zu Rantzau. Viele Gäste nutzen „Breitenburg“ genau dafür. Besonders in den Wintermonaten wächst die Nachfrage nach den ausgezeichneten Spa-Angeboten, und das Hotel zieht zudem zahlreiche Gäste aus dem benachbarten Dänemark an.

Die unternehmerische Logik des Hausherrn ist von Langfristigkeit geprägt. In der Forstwirtschaft zeigt sich das unmittelbar: Bäume, die heute gepflanzt werden, werden erst die Enkel nutzen können. Im Hotelbereich bedeutet Langfristigkeit für Graf zu Rantzau, ein Angebot aufzubauen, das nachhaltig trägt und zugleich flexibel bleibt. Indoor-Golf, mögliche neue Sportangebote, regionale Produzenten – all das folgt dem Prinzip, vorhandene Strukturen auf und neben dem Guthof sinnvoll weiterzuentwickeln. Als Adliger und Unternehmer bewegt er sich in einem Rollenfeld, das von außen oft größer wirkt, als er es selbst wahrnimmt. „Man wächst da rein“, sagt Graf zu Rantzau über seine ehrenamtlichen Tätigkeiten im Golfverband, im Waldbesitzerverband oder in kommunalen Gremien. Verantwortung sei für ihn kein Statussymbol, sondern Teil der Familiengeschichte. Ebenso selbstverständlich ist es für ihn, Grenzen des eigenen Wissens zu erkennen – wie bei der Pferdewirtschaft seines Vaters, die er „auf dem Papier“ weiterführt, fachlich aber längst an Experten übergeben hat.
Für jede Übernachtung wird ein Baum gepflanzt
Zur unternehmerischen Linie gehört auch ein zunächst recht nüchtern erscheinendes, aber sehr ernst gemeintes Verständnis von Nachhaltigkeit. Denn für jede Übernachtung im „Hotel Breitenburg“ wird ein Baum gepflanzt – nicht als PR-Idee, sondern als Teil der Waldstrategie des Guts. Forstwirt Graf zu Rantzau bevorzugt Herbstpflanzungen, weil dann die Bodenfeuchte stimmt. „Nachhaltig ist etwas nur, wenn es auch rentabel ist“, sagt er und beschreibt damit zugleich die Schnittstelle zwischen Tradition und Modernisierung.

Langsam steigen auch die Übernachtungszahlen an. Aber es gibt immer noch Luft nach oben, wie der Graf zugibt. Für 2026 sei deshalb eine größere Marketingoffensive für Norddeutschland geplant. Denn noch müsse sich herumsprechen, dass das „Hotel Breitenburg“ ein ausgezeichneter Ort für eine kurze Auszeit mitten im Nirgendwo ist.
Was er in zehn Jahren als Erfolg werten würde? Er erzählt von Briefen, die er nach dem Golfplatzbau seiner Eltern erhielt – von Menschen, die ihm schrieben, wie sehr die Anlagen ihr Leben begleitet habe. Solche Rückmeldungen seien es, die ein Projekt über seinen wirtschaftlichen Wert hinausheben. „Wenn meine Kinder zum Hotel einmal solche Anerkennung bekommen würden, wäre das ein riesiger Erfolg.“


