DUP UNTERNEHMER-Magazin: Wo sehen Sie speziell in Deutschland derzeit interessante Investmentchancen?
Björn Glück: Einer der nächsten großen Trends ist die Anwendung von KI in der Industrie, also in Produktion, Automatisierung und Robotik. Hier gibt es einige Nischenplayer mit hohem Wachstumspotenzial, wie zum Beispiel Proxima Fusion oder Neura Robotics. Aber auch die Zulieferer für die großen Tech-Konzerne aus der Halbleiter- und Energiebranche, wie etwa Aixtron oder Hochtief, erleben derzeit eine starke Nachfrage. Ich bin viel in Deutschland unterwegs, auf Konferenzen und bei den Unternehmen vor Ort, und immer wieder beeindruckt von den vielen spannenden und guten Geschäftsmodellen.
Welche Branchen werden Ihrer Meinung nach vom Markt derzeit unterschätzt, und was macht sie besonders interessant?
Glück: Das sind neben den offensichtlichen Gewinnern eines Trends wie KI auch deren Zulieferer. Gerade im Halbleiterbereich gibt es deutsche Firmen mit hohen Weltmarktanteilen. Unterschätzt werden oft auch Nischenanbieter aus der Truck-Industrie, der Bahntechnik oder dem Maschinenbau. Viele dieser Unternehmen profitieren vom Ausbau der Rechenzentren und von Infrastrukturinvestitionen. Schon moderate Umsatzsteigerungen können sich deutlich in den Ergebnissen niederschlagen.
Die deutsche Wirtschaft ist zurück auf Wachstumskurs. Was bedeutet das für den Aktienmarkt?
Glück: Viele Unternehmen berichten von einer deutlich besseren Geschäftsentwicklung, die Prognosen sind solide, es zeigt sich wachsender Optimismus. Zudem sollte man nicht vergessen, dass zahlreiche mittelständische Betriebe global tätig sind und von internationalen Trends profitieren. Dies kommt jetzt auch am Aktienmarkt in Form steigender Kurse an.
Das Wachstum beruht auch auf den Investitionsprogrammen der Bundesregierung für Verteidigung und Infrastruktur. Gibt es spezielle Branchen, die davon besonders profitieren und möglicherweise Einstiegsmöglichkeiten bieten?
Glück: Die staatlichen Programme werden allmählich in den Auftragsbüchern sichtbar. Start-ups wie Helsing oder Stark Defence zeigen, dass Deutschland eine hohe technische Kompetenz auf dem Gebiet der Verteidigung hat. Interessant sind aber auch alteingesessene Industrieunternehmen, die ihr Geschäft umbauen und mit neuen Produkten den Verteidigungsmarkt erschließen wie zum Beispiel der Motorenbauer Deutz. Er baut den Verteidigungsbereich mit der geplanten Übernahme des Militärfahrzeugherstellers FFG sogar noch weiter aus. Auf der Infrastrukturseite profitieren Bahntechnik, Bau- und Landmaschinen sowie deren Lieferanten.
Finden sich solche Chancen vor allem bei großen etablierten Konzernen oder auch bei Small und Mid Caps?
Glück: Gerade bei Small und Mid Caps. Sie sind stärker im Inland verankert als die großen Konzerne und spüren die Investitionsprogramme deshalb direkter in ihren Auftragsbüchern. Hier gibt es einige Beispiele zu nennen: Das sind im Halbleiterbereich etwa Suss Microtec, Elmos oder Siltronic, im Industrie- und Maschinenbausegment Knorr-Bremse, Rational oder Jost. Wir investieren seit 25 Jahren in deutsche Nebenwerte. Mit unserem Fonds Smaller German Champions haben wir in der Zeit eine jährliche Rendite von fast elf Prozent erzielt.
Nach Jahren der Enttäuschung kam 2025 die Erholung bei deutschen Nebenwerten. Was hat sich fundamental verändert – und was könnte die Erholung wieder ausbremsen?
Glück: In den vergangenen Jahren haben viele Anleger ihre Nebenwertepositionen reduziert, mehrere Fonds wurden liquidiert, andere deutlich kleiner. Weltweit floss Kapital in Large Caps und Big-Tech. Dieser Trend dreht sich gerade. Die großen strukturellen Probleme schwelen aber weiter: China wird in immer mehr Industriebereichen vom Kunden zum Wettbewerber. Dazu kommen Überregulierung, Energiekosten und die Unsicherheit aus der US-Zollpolitik. Der Weg nach oben wird sicher nicht geradlinig verlaufen, aber bei ausgewählten Nebenwerten sehe ich erhebliches Potenzial.
Worauf sollten Anlegerinnen und Anleger bei Small & Mid Caps besonders achten?
Glück: Bei der Auswahl von Unternehmen schauen wir im Portfoliomanagement auf vier Dinge: eine starke Marktposition, einen technologischen Vorsprung, eine im Wettbewerbsvergleich günstige Bewertung und einen tiefen Burggraben – also ein nur schwer kopierbares Geschäftsmodell mit hohen Markteintrittshürden. Dazu kommen solide Margen und nachhaltige Cashflows. Und man sollte die gute Positionierung einzelner Unternehmen nicht mit dem gesamten Nebenwertesegment gleichsetzen. Gerade bei den kleinen und mittleren Unternehmen kommt es auf die richtige Einzeltitelauswahl an.
