Finanzierung im Mittelstand

Warum CFOs so wichtig sind – und was sie können müssen

Strategischer Kopf statt reiner Zahlenmensch: Die Anforderungen an CFOs haben sich deutlich gewandelt. Warum insbesondere Unternehmen im Umbruch ihren Fokus auf eine passgenaue Besetzung der Rolle legen sollten, erklärt Enomyc-Expertin Anne Rienecker im Interview.

Illustration: Ein Mann in Businesskleidung, der nach einer Glühbirne greift, die umgeben von Euromünzen ist, als Symbolbild für CFO Aufgaben in Unternehmen

16.03.2026

Die CFO-Rolle erfordert inzwischen erweiterte Fähigkeiten und hat klar an Bedeutung gewonnen. Reine Expertise reicht heute nicht mehr aus, sagt Anne Rienecker, Head of People Advisory bei der Mittelstandsberatung Enomyc. Sie benennt die Kernfähigkeiten für eine moderne Führung von Finance-Teams, die dem Mittelstand als Kompass im Nebel dienen können, und erklärt, was Enomyc von einer klassischen Personalberatung unterscheidet.

DUP UNTERNEHMER-Magazin: Wieso hat sich die Funktion des CFO oder der Finanzchefin zuletzt so fundamental gewandelt?

Anne Rienecker: Weil Themen wie Liquidität und langfristige Finanzierungssicherheit angesichts der gewachsenen Unsicherheiten in den letzten Jahren für den Unternehmenserfolg immer wichtiger geworden sind. Daher haben wir im CFO-Bereich den Schritt vom reinen Reporting hin zur aktiven strategischen Steuerung längst hinter uns. Inzwischen geht es darum, entlang abgestimmter Leitlinien auf Basis verlässlicher Daten Entscheidungen nicht nur vorzubereiten, sondern diese auch umzusetzen – mit fester kaufmännischer Führung.

Welche Fertigkeiten müssen ein oder eine CFO mitbringen, um diese erweiterten Anforderungen ausfüllen zu können?

Rienecker: Aus meiner Sicht gibt es vier Kernfähigkeiten: operative Exzellenz, strategische Denke, umfassende Finanzierungskompetenz sowie aktives Stakeholder-Management. Letzteres umfasst vor allem die Kommunikation mit Banken, Investoren oder anderen Kapitalgebern. Dann kann die oder der CFO die Leuchtturmfunktion wahrnehmen, die der Position heute im Management zukommt: die Strukturen bieten, Entscheidungen fundiert vorbereiten, und zugleich ein wirtschaftliches Frühwarnsystem zur Absicherung aufbauen. Denn so kann sie oder er der Firmenspitze den Rücken freihalten. Unternehmerinnen und Unternehmer zeichnet oft ihre Vision aus, wie sie ihr Geschäftsmodell vorantreiben wollen. Die Basis dazu aber legt die Arbeit von CFOs mit dem Finance-Team: Die daraus erwachsende Transparenz ist nämlich mitentscheidend für die Finanzierer. Bei den Banken schlagen Umsatzzahlen jede Strategie.

Wann sollten sich Verantwortliche in Unternehmen gegebenenfalls auf die Suche nach einer Kandidatin oder einem Kandidaten machen?

Rienecker: Es gibt eine ganze Reihe von Anzeichen dafür. Ein klassisches Beispiel ist, wenn strategische Entscheidungen längst gefallen sind – die Umsetzung aber stockt. Denn Transformationen oder auch massives Wachstum scheitern meist nicht an einer guten Idee, sondern weil im Alltagsgeschäft schlicht Kapazitäten für einen Kurswechsel fehlen. So ein Engpass zeigt, dass Strukturen an ihre Grenzen stoßen. Diese gilt es zu überwinden. Daher bietet sich unter Umständen eine interimistische Lösung als passendes Instrument an. Denn hier ist schnelles, zielgerichtetes Handeln erforderlich, um die Handlungsfähigkeit unmittelbar sicherzustellen. Das oft lange Warten auf eine passende Neubesetzung kann kontraproduktiv sein: Dem Unternehmen fehlt in dieser Zeit quasi der Kompass zum Segeln durch den Nebel.

Solche Profile sind sicher rar gesät – wie findet man die richtig Guten unter den Besten?

Rienecker: Viele Kandidaten sind immer noch auf der reinen Expertise-Schiene. Für uns bei Enomyc ist das angesichts der gewandelten Anforderungen nicht ausreichend. Wir prüfen neben den Kernkompetenzen immer auch den Cultural fit. Übrigens, das mag ungewöhnlich klingen: Wir lassen Kandidaten und Kandidatinnen auch mal selbst zum Taschenrechner greifen und rechnen. Aber am Ende entscheidet das Menschliche.

Das läuft bei vielen Personalberatungen ähnlich …

Rienecker: Enomyc ist definitiv keine Personalberatung! Was uns vom klassischen Headhunting unterscheidet: Wir halten einen Zusatzservice für unsere Mandate vor, deren strategische Situation wir bereits von innen kennen. Durch unsere enge Zusammenarbeit mit Geschäftsführungen und Finanzteams haben wir Einblicke, die Anbietern mit Außensicht fehlen. Weil wir oft schon in laufende Projekte eingebunden sind, erkennen wir Bedarfe, bevor eine Vakanz offiziell entsteht, denken also eher in unternehmerischen Strategien als in Stellenprofilen. So können wir unseren Mandaten nicht nur schnell, sondern auch extrem passgenau Lösungen anbieten – für schwierige Zeiten ebenso wie für Phasen rasanten Wachstums.

Porträt von Anne Rienecker

Anne Rienecker

leitet den Bereich People Advisory bei Enomyc. Sie unterstützt mittelständische Unternehmen bei der Besetzung und Bereitstellung von C-Level- und strategischen Schlüsselrollen, die Umsetzungskraft und nachhaltige Wirkung sichern – in Phasen der Weiterentwicklung ebenso wie bei komplexen Veränderungsvorhaben.