Berufsunfähigkeit – wie sichern sich Selbstständige am besten ab?
Viele Selbstständige glauben: „Ich halte schon durch.“ Bis Krankheit, Unfall oder Burnout das Gegenteil beweisen. Rechnungen laufen weiter – nur der Umsatz nicht. Wer nicht in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlt, hat oft keinen Anspruch auf Erwerbsminderungsrente. Versorgungswerke? Strenge Hürden. Genau deshalb ist die private Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) keine Kür, sondern Ihre Überlebensversicherung.

Was eine BU wirklich leisten muss
Die Berufsunfähigkeitsversicherung ersetzt nicht „ein bisschen Gehalt“, sie schützt Ihre Lebensplanung. Planen Sie die Rente so, dass Sie im Falle einer Berufsunfähigkeit Privates und Unternehmer-Fixkosten trägt: Miete/Büro, Software, Leasing, KV/PKV, Altersvorsorge, Rücklagen. Aus unserer Beratungspraxis bei Versicherungen mit Kopf wissen wir: Wer mit Bestcase-Einnahmen rechnet, landet später zu knapp. Starten Sie tragfähig, sichern Sie Nachversicherungsgarantien und eine Beitragsdynamik von 2 bis 3 Prozent pro Jahr ab, damit die Kaufkraft nicht wegschmilzt.
Die Klauseln, die im Ernstfall den Unterschied machen
- Umorganisationsklausel: Gute Tarife legen klar fest, wann Umorganisation zumutbar ist (zum Beispiel nur bei geringer Einkommenseinbuße). Manche verzichten bei kleinen Betrieben (weniger als vier Personen inklusive Geschäftsführerin beziehungsweise Geschäftsführer) oder bei Akademikerinnen und Akademikern mit überwiegend administrativer Tätigkeit ganz auf die Prüfung. Teilweise gibt’s Umorganisationshilfen (Einmalzahlung in Monatsrentenhöhe). Schwammig formuliert = Risiko.
- Infektionsklausel: Für Ärztinnen, Zahn-/Tierärzte, Lebensmittelberufe essenziell – Berufsverbot nach Infektionsschutzgesetz löst Leistung aus.
- Weitere Must-haves: Verzicht auf abstrakte Verweisung, AU-Klausel (Zahlung bei längerer Krankschreibung), Beitragsstundung, rückwirkende Leistung ab Eintritt, Gründer-/Anpassungsklauseln bei wechselnden Gewinnen.
Rentenhöhe und Annahme: realistisch statt heroisch
Unter 2.000 Euro BU-Rente wird’s für viele eng. Denken Sie daran: Sie wollen auch im Falle einer Berufsunfähigkeit PKV-Beiträge und Vorsorge weiterzahlen. Ab circa 1.500 Euro schauen viele Versicherer genauer auf die wirtschaftliche Angemessenheit; ab rund 2.500 Euro ist oft ein Gesundheitscheck fällig – mit dem Risiko eines Zuschlags oder einer Ablehnung. Praxislösung bei hohem Bedarf: Splitte auf zwei Verträge (zum Beispiel 2 × 2.000 Euro) bei unterschiedlichen Anbietern. Das reduziert medizinische Hürden und bringt zusätzliche Erhöhungsoptionen.
Gesundheitsfragen ohne Eigentor
Der teuerste Fehler ist selten die Prämie – es ist der Formfehler. Paragraph 19 VVG ist knallhart: unvollständige oder falsche Angaben = gefährlich. Wir bei Versicherungen mit Kopf machen das deshalb so: Gesundheitsaufbereitung → anonyme Risikovoranfragen bei mehreren Anbietern → erst dann Antrag. So vermeiden Sie unnötige HIS-Spuren (Das Hinweis- und Informationssystem (HIS) der Versicherungswirtschaft; Anm. d. Redaktion), senken Ablehnungsrisiken und bekommen belastbare Konditionen. Bitte fallbezogen antworten – keine ungeprüfte Komplettakte schicken.
Typische Fehler – und die bessere Variante
- Zu niedrig abgesichert → heute tragfähig starten, Nachversicherung fixieren
- Falsche Einstufung → den realen Arbeitsalltag sauber beschreiben
- Keine Dynamik → Beitrags- und Leistungsdynamik gegen Inflation
- Klauseln ignoriert → Umorganisation/Infektion aktiv prüfen
- Unterlagen chaotisch → BWA, Steuerbescheide, Tätigkeitsprofil früh sortieren
Übrigens: BU-Leistungen aus der sogenannten 3. Schicht werden in der Rentenphase nur mit dem Ertragsanteil besteuert – meist moderat. Aber Kranken-/Pflegeversicherungsbeiträge sollten Sie auf für den Fall einer Berufsunfähigkeit einplanen.
Fazit zur Absicherung bei Berufsunfähigkeit
„Selbstständig“ heißt: Sie sind Ihr größter Vermögenswert. Sichern Sie Ihre Arbeitskraft mit starken Bedingungen, realistischer Rentenhöhe und sauberem Antrag. Der größte Fehler ist nicht der „zu teure“ Beitrag, sondern der fehlende Schutz, wenn Sie ihn am dringendsten brauchen. Klingt hart – schützt aber Ihr Leben und Ihr Business.

