Gastbeitrag

Mittelstand unter Druck

Warnsignale frühzeitig erkennen – und richtig handeln

Schwaches Umsatzwachstum, verfehlte Ziele: Die Konjunkturlage lässt bei kleineren und mittelgroßen Unternehmen die Alarmglocken schrillen. Wann es ernst wird und wie Verantwortliche konkret gegensteuern können, schildert Stefan Frings, Partner der Unternehmensberatung Enomyc, in seinem Gastbeitrag.

Illustration: Ein Mann in Businesskleidung arbeitet mit einem Laptop auf dem Schoß sitzend auf einem brennenden Streichholz, als symbolische Darstellung wie man Unternehmenskrisen früh erkennt

25.02.2026

Kein Umsatzanstieg in Sicht: Das zeichnet sich quer durch den Mittelstand ab. Wichtigstes Indiz sind immer wieder herabrevidierte Wachstumsprognosen für die deutsche Volkswirtschaft. Zuletzt hat auch die Bundesregierung ihre Erwartung für das Bruttoinlandsprodukt in 2025 von einem Plus von 1,3 auf 1 Prozent zurückgenommen. Aus dem Heimatmarkt dürfte damit wenig Bewegung kommen.

Die Alternative Auslandsexpansion wird zugleich gehemmt durch scharfe globale Konkurrenz – insbesondere aus China – sowie schwierige Investitionsfinanzierungen. Letztere dämpft auch den möglichen, aber steinigen und teuren Weg, eigene Marktanteile zu Lasten der Wettbewerber zu gewinnen. Die Herausforderungen für kleinere und mittelgroße Firmen nehmen damit weiter zu.

Warnsignale erkennen

Doch woran erkennen Unternehmen, dass sie mit ihrem gegenwärtigen Kurs in Richtung einer veritablen Krise steuern?

  • Die Produktlinie ist bewährt und am Markt etabliert; trotzdem springen immer wieder langjährige Abnehmer ab.
  • Die naheliegendsten Maßnahmen zur Kostenreduktion sind umgesetzt; dennoch bessert sich die Liquiditätslage nicht entscheidend.
  • Die Finanzierer fragen bereits an, warum Umsatzziele verfehlt wurden; sie erwägen, ihre internen Zuständigkeiten zu wechseln.
  • Das Finance-Team ist nicht in der Lage, durch eine ständig aktuell angepasste Planung gegenzusteuern; es fehlt an entscheidungsrelevanten Daten und klarer Führung.

Wir bei Enomyc haben 2025 rund 200 Expertinnen und Experten aus dem Finanzierungsumfeld befragt, woran Restrukturierungen von potenziellen Krisenunternehmen scheitern. Die Antworten zeigen: Misslingt eine Transformation, liegen die Ursachen (zu) oft innerhalb der Organisation selbst. Am häufigsten genannt werden etwa fehlendes Commitment im Unternehmen oder unzureichende kaufmännische Leistung.

Zukunft selbst in die Hand nehmen

Im Umkehrschluss heißt das aber auch – und das ist das Gute! –: Die Verantwortlichen im Unternehmen haben es selbst in der Hand, eine notwendige Transformation erfolgreich umzusetzen. Besser noch: Wer rechtzeitig mit klugen Maßnahmen gegensteuert und dabei alle Stakeholder von Gesellschafterinnen und Gesellschaftern über Kunden und Kundinnen sowie Finanzierer bis hin zur Belegschaft kommunikativ eng einbindet, dem stehen viele Wege offen, die statt in eine veritable Krise in eine erfolgreiche Zukunft für das Unternehmen führen.

Was können Verantwortliche konkret tun, wenn Alarmglocken zu schrillen beginnen? Alle Antworten auf eine Absatz- und Umsatzschwäche müssen in der aktuellen Lage letztlich dauerhaft reduzierte Fixkosten zum Ziel haben. Die Optionen sind vielfältig:

  • Der Overhead sollte verschlankt werden.
  • Indirekte Funktionen wie Personalabrechnung oder einfache Buchhaltungsfunktionen können in Shared Service Center im günstigeren Ausland verlegt werden, zum Beispiel nach Osteuropa.
  • Einschnitte beim Personal dürfen auch vor dem Management nicht Halt machen.
  • Konsequente und umfassende Digitalisierung sowie Einsatz von KI in allen Prozessen.
  • Im Produktionsbereich sind Werkszusammenlegungen oder -verlagerungen denkbar.
  • Alle Unternehmensaktivitäten sollten hinsichtlich möglicher Carve-outs überprüft werden.

Klare Kommunikation und kaufmännische Führung

Handeln, bevor es zu spät wird! Das muss die Devise für jedes Unternehmen sein, wenn sich die Herausforderungen verdichten. Klare kaufmännische Führung, klare Konzepte für Maßnahmen und Finanzierung und eine klare Kommunikation sind dabei unerlässlich – egal, welcher konkrete Weg letztlich als der erfolgversprechendste identifiziert worden ist. Dazu ist eine straffe kaufmännische Führung insbesondere durch das CFO-Team notwendig. Helfen kann dabei externe Expertise, die einen unverstellten Blick auf Lage und Optionen beisteuern kann und mit langjähriger Erfahrung die Transformation begleitet.

Porträt von Stefan Frings

Dr. Stefan Frings

ist Partner und Head of Strategy bei Enomyc, der führenden Unternehmensberatung für die erfolgreiche Re-Dynamisierung des Mittelstands. Als Verantwortlicher für den Standort Köln bringt er mehr als 25 Jahre Erfahrung in der Top-Management-Beratung mit, vor allem in den Bereichen Restrukturierung und Performanceverbesserung. Dabei setzt er speziell auf die nachhaltige Optimierung von Umsatz-, Kosten- und Ertragsfaktoren.