Investieren Es war ein Börsengang der Superlative: SpaceX, das Raumfahrt- und KI-Unternehmen von Elon Musk. Die Firma wurde mit sagenhaften 1,8 Billionen Dollar bewertet und ihre Aktien waren nach Medienberichten dennoch vierfach überzeichnet.
Der Start war fulminant, der Kurs der SpaceX-Aktie rauschte nach der Erstnotiz nach oben – um dann aber auf eine rasante Talfahrt zu gehen. Haben sich Profis und Millionen von Privatanlegenden blenden lassen, als sie wie wild die Titel von Elon Musk's Raumfahrt- und KI-Konzern zeichneten?
Bislang schreibt die Firma nur Verluste. Und Kritiker wie Dirk Arning, Geschäftsführer des Investmentclubs „Actien Club Coeln", warnen: „Unsere Analyse von SpaceX zeigt viel Fiktion, aber wenig Aktienkultur. Die Investoren werden zu weitgehend rechtelosen Geldgebern gemacht. Elon Musk bleibt uneingeschränkter Gebieter über die Milliarden, die SpaceX einsammelt.“
Ängste vor Zinserhöhungen
Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank, sagt zum Einbruch der Aktie: „Da das Unternehmen als Tech-Wert verstanden wird, wird es auch von der Großwetterlage der Branche beeinflusst. Und diese war ja zuletzt angeschlagen, weil man Zinserhöhungsangst vor allem in den USA hatte. Es ist grundsätzlich von erhöhter Volatilität auszugehen“
DUP UNTERNEHMER-Magazin: Die Bewertung von SpaceX beim Börsengang schätzten viele Experten als überzogen ein. Was meinen Sie?
Robert Halver: Ja, die Bewertung ist ohne Zweifel teuer. Viele Anleger erinnern sich an die Internet-Blase und sind daher grundsätzlich empfindlich. Aber offensichtlich ist dies ja bei jeder neuen pionierhaften Börseneinführung der Fall. Wichtig ist immer, ob die Vision auch Substanz hat. Und das bei Raumfahrt gewährleistet.
Trotzdem war der Titel laut Nachrichtenlage mehrfach überzeichnet. Wie erklären Sie sich das?
Halver: Viele vor allem institutionelle Anlegergruppen wollen bei diesem Zukunftsthema dabei sein. Und wenn man den Analysten zuhört, dann sprechen sie davon, dass Raumfahrt und KI immer mehr eins werden. Nicht zuletzt sind ja nur circa fünf Prozent Anteile an die Börse gekommen. Es gab Knappheitspreise.
Nach einem zwischenzeitlichen Hoch bei gut 190 Euro hat der SpaceX-Titel wieder heftig nachgegeben. Was sind Ihre Erwartungen an die weitere Entwicklung?
Halver: Da das Unternehmen als Tech-Wert verstanden wird, wird es auch von der Großwetterlage der Branche beeinflusst. Und diese war ja zuletzt angeschlagen, weil man Zinserhöhungsangst vor allem in den USA hatte. Es ist grundsätzlich von erhöhter Volatilität auszugehen.
Wie ist es um die Zukunftsaussichten des Unternehmens bestellt, zumal es vor allem von der Person Elon Musk abhängt?
Halver: Elon Musk ist wohl der beste Verkäufer der Welt. Es braucht aber diese Visionäre, die auf die Zukunft vorbereiten. Was bei uns früher Gottlieb Daimler, Werner von Siemens oder Robert Bosch waren, ist heute in Amerika eben Elon Musk. Die Abhängigkeit von einer Person sehe ich grundsätzlich nicht als Gefahr. „ Auf jedem Schiff, das dampft und segelt, gibt es einen, der die Sache regelt.“
Wie belastbar sind die Cashflows von SpaceX jenseits einzelner Raketenstarts und Regierungsaufträge?
Halver: Es wird Geld aus dem Börsengang und aus den anderen Sparten des Unternehmens gebraucht, um die Zukunft im Raumfahrtgeschäft für sich zu sichern. Überhaupt sollten Raketenstarts und Regierungsaufträge nicht unterschätzt werden.
Es wird über weitere Mega-Börsengänge spekuliert, etwa von den KI-Anbietern Open AI oder Anthropic. Auch diese Firmen schreiben wie SpaceX nur Verluste. Sie prahlen mit hohen Zahlen an Nutzern, doch nur die allerwenigsten sind zahlende Kunden. Zeichnet sich hier ein Desaster ab, wie vor rund 25 Jahren in der Dotcom-Krise?
Halver: Offensichtlich wird ja darüber nachgedacht, den Börsengang bei nicht attraktiver Marktlage zu verschieben. Die Börse führt also eine harte Knute. Viele Anleger wollen wohl auch abwarten, wie sich SpaceX entwickelt. Grundsätzlich haben heutige KI-Werte mehr Potenzial als die früheren Potemkinschen Dörfer der Internet-Blase oder des Neuen Markts.
Und ist am Markt überhaupt genügend Kapital vorhanden, um weitere solcher Multi-Milliarden-Börsengänge zu absorbieren?
Halver: Amerika hat genügend Geld, um auch große und größte Börsengänge zu finanzieren. Im Übrigen kommen ja zunächst nur überschaubare Anteile an die Börse.

