Als Yashveer Ramparsad beim BIG BANG KI FESTIVAL in Berlin sein Unternehmen vorstellt, staunt das Publikum. The Awareness Company, 2018 in Johannesburg gegründet, bündelt Daten und bereitet diese auf, etwa Nachrichten aus WhatsApp-Gruppen von Sicherheitskräften, die mithilfe von KI-Agenten ausgewertet werden. Manager, Politikerinnen und Sicherheitsbehörden können so schnell Entscheidungen treffen. „Wir bauen das afrikanische Palantir“, sagt Ramparsad bei der von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) initiierten Präsentation afrikanischer Start-ups. Das nächste Geschäftsfeld: die Klimawandelfolgen für Afrika.
Der Klimawandel beschäftigt auch Catherine Njeri. Sie hat 2023 in Kenia das Start-up Acre Insights gegründet. Ihr Team vermisst mit Drohnen und Satellitenbildern land- und forstwirtschaftliche Flächen. Eine Software berechnet Biomasse und Kohlenstoffgehalt von Wäldern, damit Wiederaufforstungsprojekte den Wert ihrer CO₂-Zertifikate nachweisen können. Auch Landwirte nutzen die Daten, um den Zustand ihrer Nutzpflanzen zu überwachen und Wasser effizient zu managen, berichtet Njeri.
Mahmoud AbdelAziz hat seine Technologiefirma DevisionX vor zehn Jahren in Ägypten gegründet. Mit deren Softwarelösungen und Plattformen können Unternehmen KI-gestützte Bildeffekt- und Bildverarbeitungsmodelle ohne Programmierwissen erstellen. „Wir helfen zudem Regierungen, Banken und Versicherungen, KI zu nutzen, wenn sie aus regulatorischen Gründen nur lokale Anbieter beauftragen dürfen.“
Wachstumskapital mit langem Atem
Die GIZ sieht in Afrika große Potenziale für KI. Im Rahmen ihres Projekts „AI Made in Africa“ wurde die afrikanische KI-Unternehmenslandschaft untersucht, es wurden mehr als 300 Unternehmen ermittelt. Unternehmensbefragungen und ausführliche Interviews liefern Einblicke in die Chancen und Herausforderungen für afrikanische KI-Unternehmen. Demnach liegt der Engpass bei fragmentierten Märkten, hohen Cloud- und Rechenkosten, fehlendem Kundenvertrauen und geringer KI-Kompetenz. „Es braucht Wachstumskapital mit langem Atem und internationale Partnerschaften, in denen afrikanische Akteure aktiv mitgestalten, anstatt nur Daten zu liefern“, sagt GIZ-Direktor Tobias Thiel. Die Herausforderung liege nicht so sehr in Innovationen. Vielmehr sei es schwierig, diese zu skalieren und daraus nachhaltige Geschäftsmodelle zu entwickeln.



