Investition

Gold: Korrektur als Chance

Der Goldpreis gab nach jahrelangem Anstieg zuletzt deutlich nach. Kemal Bagci, Kapitalmarktexperte bei BNP Paribas in Frankfurt, erklärt die Hintergründe.

Ein Goldbarren in Nahaufnahme mit der Aufschrift "Fine Gold 999.9"

09.04.2026

Gold: Korrektur als Chance

Lange Zeit kannte der Goldpreis nur eine Richtung: gen Norden. Doch in den letzten Wochen – überraschender Weise fast parallel zum Ausbruch des Irankrieges – korrigierte er heftig. „Das war wohl eine gesunde Korrektur, nachdem der Markt so stark überkauft war. Der Gegenspieler des Goldpreises ist der US-Dollar. Der legte im Zuge des Irankonflikts eine Trendumkehr hin. Der deutlich gestiegene Ölpreis wirkt inflationstreibend. So stark, dass die Zentralbanken wahrscheinlich von ihrem Zinssenkungszyklus abkehren müssen“, sagt Kemal Bagci, Derivate-Spezialist bei BNP Paribas in Frankfurt am Main (siehe Interview unten). Er entwickelt für die Bank neue strukturierte Produktlösungen, unter anderem auf Aktien- und Rohstoffmärkte.

Gelegenheit zum günstigen Einstieg?

Um mehr als 800 Dollar gab der Goldpreis im März ab. Als US-Präsident Donald Trump Anfang April meinte, die Ziele des Angriffs auf den Iran seien erreicht, gab er nochmals nach, mit der Verkündung einer zweiwöchigen Waffenpause ging es wieder in die andere Richtung. Zuletzt stand er bei knapp 4.800 US-Dollar je Feinunze (rund 31,1 Gramm). Offenbar hatten sich viele Marktteilnehmer verspekuliert und mussten nun verkaufen. Anleger, die einen Teil ihres Depots in eine Goldposition investieren möchten, können dies jetzt zu einem deutlich niedrigeren Preis als noch vor Monaten zu verwirklichen.

„Fulminante Rallye“

Kemal Bagci von BNP Paribas über die Entwicklung des Preises für das gelbe Edelmetall.

DUP UNTERNEHMER-Magazin: Der Goldpreis hat sich in den vergangen Jahren hervorragend entwickelt, zuletzt lag er auf Dreijahressicht in etwa 120 Prozent im Plus. Was waren die Hintergründe des fulminanten Anstiegs?

Kemal Bagci: Der Goldpreis hat eine fulminante Rallye hingelegt, die seit Jahren anhält. Die Gründe sind vielseitig. Vorweggenommen sei aber, dass der Goldmarkt ein Erwartungsmarkt ist, wie alle Kapitalmärkte. Das heißt, die erwarteten Ereignisse werden vom Goldpreis vorweggenommen, und lösen nicht erst eine Preisaktion aus, wenn sie eintreten. Der größte Treiber sind natürlich die Inflationserwartungen und Unsicherheit. Hier erfüllt Gold seine Funktion als sicherer Hafen und die für Wertstabilität. Geopolitische und makroökonomische Risiken waren dann auch die Treiber der letzten drei Jahre. Es gibt einen Starken Trend zu De-Dollarisierung. Zentralbanken, insbesondere in Asien und Osteuropa kaufen sehr viel Gold. Aber auch Haushalte steigen auf die Rallye ein, insbesondere in China und in den USA sind die Importe stark gestiegen. Wir haben eine dramatische Schuldenentwicklung in den USA. Nicht nur der Schuldenberg, sondern auch das jährlich hinzukommende Haushaltsdefizit wird als nicht nachhaltig eingestuft. Die Ukraine- und Nahostkonflikte scheinen Investoren in Gold zu treiben.
Hinzu kommen vor allem Unsicherheiten für die Weltwirtschaft, die Konsequenzen der Handelspolitik der US-Administration werden belastend sein. Politisch sehen unsere Analysten übrigens auch die Midtermwahlen in den USA als wichtigen Goldpreistreiber. Hier könnten die republikanische Partei wohl ihre Mehrheit verlieren. 

Zuletzt korrigierte der Preis fürs gelbe Edelmetall jedoch. Erst Ende Januar und dann quasi mit der Eskalation des Irankonflikts. Warum war dies so und hat Gold seinen Nimbus als sicherer Hafen damit verloren?

Bagci: Überhaupt nicht. Das war wohl eine gesunde Korrektur, nachdem der Markt so stark überkauft war. Der Gegenspieler des Goldpreises ist der US-Dollar. Der legte im Zuge des Irankonflikts eine Trendumkehr hin. Der deutlich gestiegene Ölpreis wirkt inflationstreibend. So stark, dass die Zentralbanken wahrscheinlich von ihrem Zinssenkungszyklus abkehren müssen. In vielen Ländern drohen sogar Zinserhöhungen. Ein starker US-Dollar mit Aussicht auf steigende Zinsen wirkt sich negativ auf den Goldpreis aus. Auch die hohen Gewinne, die Goldanleger in der Vergangenheit erzielt haben, mussten wohl leider veräußert werden, um Verluste in anderen Anlageklassen zu kompensieren.

Wie schätzen Sie die mittel- bis langfristigen Perspektiven für Gold ein?

Bagci: Unsere Analysten sind der Meinung, dass die 6.000 US-Dollar pro Feinunze noch erreicht werden. Die Unsicherheiten und zugrundeliegenden Treiber für den Goldpreis sind weiterhin intakt.

Im vergangenen Jahr kursierten Überlegungen, dass der Goldpreis über die nächsten Jahre auf bis zu 38.000 Dollar je Feinunze steigen könnte. Wie realistisch sind solche Erwartungen?

Bagci: Das entspricht nicht der Einschätzung unseres Hauses.

BNP Paribas gilt als einer der Spezialisten für Derivate wie Zertifikate oder Optionsscheine. Eignen sich solche Produkte für Durchschnittsanlegende, die auf Gold setzen wollen?

Bagci: Gold zählt zu den beliebtesten Basiswerten im Zertifikatemarkt. Dabei können Anlegende über klassische Partizipationszertifikate direkt am Goldpreis teilhaben, ohne diesen physisch erwerben und lagern zu müssen. Aufgrund der aktuell hohen Schwankungen können sogar gute Seitwärtsrenditen durch Discountzertifikate erzielt werden, ohne dass der Goldpreis weiter steigen muss. Oder man kann auch mal die satten Gewinne durch Put Optionsscheine absichern. Erfahrene Trader mit sehr kurzem Anlagehorizont setzen gerne auf Knock-out-Turbos, mit denen gehebelt auf steigende oder fallende Kurse gesetzt werden kann. Bei diesen Produkten ist dann aber das Risiko entsprechend hoch.

Wie hoch sollte den Goldanteil im Portfolio eines Durchschnittsanlegenden sein, bietet das Edelmetall doch weder eine Verzinsung noch Dividenden?

Bagci: Deshalb wird Gold gerne als Absicherungskomponente und Inflationsschutz im Portfolio eingesetzt, entsprechend gering sollte der Anteil sein. Es bietet sich als gute Beimischung an, da es oft eine geringe Korrelation zu anderen Anlageklassen aufweist, und damit das Gesamtrisiko des Portfolios diversifiziert und reduziert werden kann.

Porträt von Kemal Bagci, Experte für Rohstoffe und Gold bei BNP Paribas

Kemal Bagci

ist Head of Exchange Traded Solutions und Senior Sales bei BNP Paribas. Er entwickelt neue strukturierte Produktlösungen, unter anderem auf Aktien- und Rohstoffmärkten. Im Zertifikatemarkt arbeitet er seit dem Jahr 2006, zunächst bei der Deutschen Asset Management in London und danach bei RBS Frankfurt.