DUP UNTERNEHMER-Magazin: In welchem Unternehmensbereich hat Automatisierung bei Ihnen aktuell den größten messbaren Effekt?
Christian Schmid: Im operativen Kerngeschäft, und zwar dort, wo täglich Volumen anfällt: bei der Erfassung bestehender Versicherungsverträge im Kunden-Onboarding. Dieser Prozess ist heute stark manuell geprägt, dauert je nach Vertrag 4–10 Minuten pro Dokument und bindet hochqualifizierte Mitarbeitende an Routinetätigkeiten. Automatisierung wirkt hier unmittelbar, weil sie Sinn stiftet, Bearbeitungszeit reduziert und Übertragungsfehler senkt, ohne die fachliche Verantwortung zu verändern.
Welche Automatisierungsmaßnahme war für Ihr Unternehmen strategisch bisher die wichtigste – und warum?
Schmid: Der Hebel lag bei uns nicht im Beschleunigen einzelner Abläufe mit entsprechenden Automatisierungsmaßnahmen, sondern im Auflösen eines strukturellen Flaschenhalses: der manuellen Erfassung von Vertragsdaten. Solange dieser Schritt manuell geblieben wäre, würde weder die Beratung noch der Bestand effizient skalieren, völlig unabhängig davon, wie gut nachgelagerte Prozesse sind.
Was war die größte Herausforderung bei der Einführung von neuer Technologie zur Automatisierung – und wie sind Sie damit umgegangen?
Schmid: Die größte Herausforderung war die Heterogenität der Realität: unterschiedliche Versicherer, wechselnde Dokumentlayouts und stark variierende Qualität der Unterlagen in Verbindung mit einer hohen Skepsis der Mitarbeitenden gegenüber KI. Wir haben uns deshalb bewusst für maximale Transparenz, klare Einsatzregeln sowie einen kontrollierten Einstieg entschieden: klare Regeln, Impulsvorträge, MVP, kleine Pilotgruppe und ein Vorgehen, bei dem Ergebnisse überprüfbar bleiben. Unser Grundsatz war und ist: Automatisierung mittels KI unterstützt, sie entscheidet aber nicht.
