DUP UNTERNEHMER-Magazin: In welchem Unternehmensbereich hat Automatisierung bei Ihnen aktuell den größten messbaren Effekt?
Jochen Kleh: Als Interim Manager nutze ich Gemini (alles anonymisiert) für: technische Lösungen bei Problemen, Toleranzbeurteilung bei technischen Zeichnungen, alles rund um Excel Makros und Programmierungen, Arbeitsrechtliche Fragestellungen und Lösungsvorschläge, Erstellen und Prüfen von persönlichen Unterlagen. Den größten Effekt erreiche ich bei der Einführung von No-Code Tools zur Digitalisierung von administrativen Prozessen und Abläufen mit dem Bewußtsein, dass dort auch Arbeitsplätze wegfallen. Das ist notwendig, damit die Wettbewerbsfähigkeit erreicht wird und die Kosteneffizienz sichergestellt ist.
Welche Automatisierungsmaßnahme war für Ihr Unternehmen strategisch bisher die wichtigste – und warum?
Kleh: Das Einsetzen von No-Code Tools wie zB n8n und nocodDB. Mächtige Tools, die die alte heterogene Datenwelt und -bevorratung belässt und über die neuen Tools (die gar nicht neu sind, nur jetzt bekannt geworden) verbinden und verknüpfen. Darüber lassen sich komplette Prozesse einfach neu gestalten ohne dass Externe dazu notwendig sind. Bedeutet, die Mitarbeiter werden qualifiziert, so dass sie selbst in der Lage sind, diese Tools zu bedienen und die Prozesse effizient zu gestalten. Das Vorbild hierzu ist die Stadt Kiel, die mit Jonas Dageförde vorbildlich eingeführt hat und heute durch die Mitarbeiter tagtäglich genutzt werden.
Was war die größte Herausforderung bei der Einführung von neuer Technologie zur Automatisierung – und wie sind Sie damit umgegangen?
Kleh: Die größten Herausforderungen sind: Abhängigkeit von externem Wissen und Know How, von externen KI-Agenten in den heiligsten Prozessdaten, die Klarheit über Daten- und Zugriffssicherheit. Hierbei ist als erstes wichtig, wie die gesamte Struktur aufgebaut wird, wo wie welcher Zugriff unterbunden werden muss, wie autark die Systeme laufen können und trotzdem auf einem aktuellen inhaltlichen Stand bleiben. Dann muss jede Firma für sich Klarheit haben, ob sie sich von anderen Unternehmen abhängig machen über den Kauf von KI-Agenten oder ähnliches, oder ob sie über No-Code Tools eigene Mitarbeiter auf qualifizieren und damit unabhängig bleiben. Die Herausforderung hierbei ist, diese Aufklärung gegenüber Entscheidern so einfach wie möglich zu gestalten und den Fokus auf die eigene Qualifizierung zu legen. Eine Spielweise wie eine Sandbox aufbauen, in dem Gespielt und Ausprobiert werden kann, um die Einfachheit zu zeigen und zu erleben.
