Seit 18 Jahren ist Ulvi I. Aydin als Consultant, Unternehmensentwickler und preisgekrönter Premium-Executive-Interim-Manager für den Mittelstand tätig. Er berät sowohl Familienunternehmen wie auch Beteiligungen bei Marken- und Marktentwicklung, Neu-Positionierung, Restrukturierung und Vertriebsexzellenz. Im DUP UNTERNEHMER-Interview erklärt er, warum Künstliche Intelligenz (KI) gerade für den Mittelstand relevant ist.
Digitalisierung
„KI ist immer noch etwas sehr Abstraktes“
Dem deutschen Mittelstand fehlt es in Rahmen der Digitalisierung oft noch an Standards, stellt Unternehmensberater Ulvi I. Aydin regelmäßig fest. Dabei sind diese Pflicht, damit Künstliche Intelligenz zum Einsatz kommen kann.

06.12.2023

Ulvi I. Aydin
ist Gründer und CEO von Aycon, einem Consulting-Unternehmen, das unter anderem mittelständische Unternehmen und Konzerne bei Marken- und Marktentwicklung berät
DUP UNTERNEHMER-Magazin: Wie wird Künstliche Intelligenz den Mittelstand verändern?
Ulvi I. Aydin: KI wird einen solchen gewaltigen Impact auf das gesamte Arbeiten und Miteinander-Wirken haben, dass der Begriff der Arbeit selbst möglicherweise komplett neu definiert werden muss. Es wird einen ähnlichen Impact haben wie die Erfindung der Dampfmaschine vor 250 Jahren. Auch damals handelte es sich um etwas Abstraktes: Es war unvorstellbar, wie diese die Arbeit übernehmen sollte, die zuvor Pferd und Pflug erledigt hatten. Der deutsche Mittelstand befindet sich aktuell noch 20 Jahre vor dem Einsatz der Dampfmaschine.
Was meinen Sie damit?
Aydin: Für den klassischen Mittelstand ist KI noch immer eine Terra incognita, etwas Bedrohliches oder zumindest etwas sehr Abstraktes. Digitalisierung bedeutet für KMU oft immer noch, ein PDF anstelle eines Word-Dokuments zu verschicken. Da stimmt das Klischee. Leider! Politisch werden ethisch-moralische und gesellschaftliche Aspekte diskutiert. Das hat aber keine Hebelwirkung. Es fehlt der Zugang für kleine und mittelständische Unternehmen. Als Consultant werde ich gerufen, weil Unternehmerinnen und Unternehmer merken, dass etwas nicht richtig läuft. Ich stelle durchgängig fest: Excel ist immer noch die Lieblingssoftware. Oftmals wird noch nicht mal mit einem ERP-System richtig gearbeitet. Kurz: Es fehlt oft noch an der Pflicht beziehungsweise an den Standards. KI aber ist die Kür.
Wo könnte Ihrer Ansicht nach KI eingesetzt werden?
Aydin: Überall dort, wo ich Prozesse verschlanken und die Effektivität stärken kann. Effektivität ist: die richtigen Sachen machen. Effizienz ist: die Sachen richtig machen! Ich muss erst effektiv sein, bevor ich effizient bin, denn ich kann auch die falschen Sachen richtig machen. Das passiert leider sehr oft. Ich empfehle Unternehmen einen Zukunftsworkshop und sich zu fragen, was ihre Existenzberechtigung ist. Andernfalls werden sie immer nur immer mehr vom Gleichen bloß technologisch schneller machen. Das ist häufig ein Haltungsfehler. Stattdessen sollte man überlegen, was der Kunde wirklich will und braucht. In der Uhrenbranche geht es beispielsweise nicht mehr darum, die Zeit zu erfahren, sondern um Prestige. Ganz sicher brauche ich in Zukunft keine Buchhaltung mehr. Die KI weiß automatisch, welche Leistung ein Kunde erhalten hat, verrechnet und bucht automatisch ab. Manager wollen KI als Instrument nutzen, das ist der größte Fehler. Nein, KI ist kein Instrument, sondern ein System. Den Unterschied zu verstehen wird noch dauern. Da sprechen wir aber von Dekaden.
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