E-Health

KI in Unternehmen: Was Banken und Krankenkassen verbindet

Zwei der sensibelsten und am stärksten regulierten Branchen Deutschlands stehen vor demselben tiefgreifenden Wandel. Wie Künstliche Intelligenz das Banking und das Gesundheitswesen verändert.

Dr. Thorsten Brackert und Christoph Rabenseifner auf der Bühne des BIG BANG KI FESTIVALS in einem Gespräch zu KI in Unternehmen

02.10.2026

Ob Vermögenswerte oder Diagnosecodes: Wer mit den vertraulichsten Daten von Millionen Menschen arbeitet, navigiert beim KI-Einsatz auf einem schmalen Grat zwischen Innovation und Vertrauen. Auf den ersten Blick trennen eine globale Großbank und eine Krankenkasse Welten, doch die strategischen He­rausforderungen auf dem Weg in die digitale Zukunft sind verblüffend identisch. Auf dem BIG BANG KI FESTIVAL trafen Dr. Thorsten Brackert, Leiter Unternehmensentwicklung bei Die Techniker (TK), und Christoph Rabenseifner, Chief Strategy & Innovation Officer der Deutschen Bank, aufeinander, um die KI-Transformation ihrer Häuser von heute bis (über-)morgen zu beleuchten.

HEUTE: Erleichterung im Arbeitsalltag

Schon heute ist KI in beiden Organisationen fest verankert. Bei der Techniker nutzen monatlich rund 10.000 Mitarbeitende KI-Tools. Thorsten Brackert vergleicht generative KI prägnant mit einem „Exoskelett fürs Hirn“, das die Möglichkeiten des Einzelnen erweitert. Auch die Deutsche Bank setzt auf Skalierung: Das gemeinsam mit Google entwickelte Tool „dbTextract“ verarbeitet unstrukturierte Dokumente wie Post oder Scans und kommt inzwischen in Hunderten Bankprozessen zum Einsatz. Christoph Rabenseifner betont dabei den Fokus: „Es gilt ja nicht nur, die Tools den Leuten an die Hand zu geben, sondern wirklich Wert zu schaffen. Dies gelingt uns nur, wenn wir Leistungen in einer Qualität, Geschwindigkeit und Skalierung erbringen, die bislang ohne KI gar nicht möglich waren.“

MORGEN: Echter Mehrwert und die Hürde „Vertrauen“

Echte Wertschöpfung entsteht erst dort, wo Prozesse nicht nur günstiger, sondern spürbar besser werden – etwa durch schnellere Kreditentscheidungen oder zügigere Antragsbearbeitungen. Doch bei Gesundheit und Finanzen ist Vertrauen die entscheidende Währung.

Während Menschen auf Social Media Daten freigiebig teilen, gelten für Bank- und Gesundheitsdaten höchste Standards. Brackert mahnt vor zu strenger Regulierung für etablierte Player: „Wenn man das sichere und gut kontrollierte System zu streng reguliert, passiert genau das Gegenteil: Die Daten landen dort, wo sie nicht hingehören.“ Auch Rabenseifner sieht die Kernaufgabe darin, die Technologie so nutzbar zu machen, „dass die Kunden das gleiche Vertrauen haben, das sie auch ihrem Bankberater entgegenbringen“.

ÜBERMORGEN: Wenn KI-Agenten verhandeln

In der Zukunftsbetrachtung verändern sich die Rollen grundlegend. Rabenseifner sieht eine Entwicklung hin zu autonomen Systemen: „Ich glaube daran, dass das Geschäftsmodell sich massiv verändern wird. Wenn wir unsere Produkte für Agenten öffnen, die außerhalb unseres Ökosystems agieren, ermöglichen wir ganz neue Geschäftsmodelle und Maschine-zu-Maschine-Interaktionen.“ Brackert ergänzt dies für die Krankenkasse: weg von reiner Verwaltung, hin zu einer stärkeren Begleitung der Versicherten. Angesichts des Demografiewandels blicken beide optimistisch nach vorn – denn wer Daten, Vertrauen und Technologie richtig kombiniert, wird die digitale Zukunft maßgeblich prägen.

Dr. Thorsten Brackert

ist Leiter des Geschäfts- bereichs Unternehmensentwicklung der TK

Christoph Rabenseifner

ist Chief Strategy & Innovation Officer der Deutschen Bank