Digitalisierung

Elektronische Patientenakte: Jetzt beginnt Phase zwei

David Reckers, Brenya Adjei und Sandra Hoyer auf der Bühne des BIG BANG KI FESTIVAL während eines Gesprächs über die elektronische Patientenakte

13.10.2026

Die elektronische Patientenakte reloaded: Ein Jahr nach dem flächendeckenden Start hat das digitale Großprojekt des deutschen Gesundheitswesens den Probelauf hinter sich gelassen – Zeit für ein Update.

Big Bang Patientenakte. Auch wenn der B-Dreiklang nicht ganz funktioniert – die ePA ist Dauerthema auf dem BIG BANG KI FESTIVAL. In diesem Jahr diskutierten Sandra Hoyer, Leiterin Versorgungsmanagement Projekte bei Die Techniker (TK), Gematik-Geschäftsführerin Brenya Adjei sowie der Allgemeinmediziner und Social-Media-Aufklärer David Reckers über den aktuellen Stand und die Zukunft der digitalen Akte.

Dass die ePA ein hochwirksames Instrument ist, zeigt sich im Versorgungsalltag. „Wir dürfen nicht vergessen, dass wir eines der größten Digitalisierungsprojekte in Europa gestartet haben“, betonte Brenya Adjei. Die Umstellung wirke disruptiv, insbesondere durch die Kopplung an das E-Rezept. Auch durch die automatische Übertragung von Medikationsdaten wurde der Nutzen sofort erlebbar, was zu mehr Akzeptanz geführt hat. Die Zahlen belegen den Erfolg: Die Medikationsliste wird bundesweit rund 22 Millionen Mal pro Woche aufgerufen. Damit wird das Risiko gefährlicher Wechselwirkungen spürbar gesenkt. „Transformation wird greifbar, wenn sie echten Nutzen stiftet“, so Adjei.

Sandra Hoyer unterstrich die Vorreiter-Rolle der TK, die ihren Versicherten bereits eine digitale Akte zur Verfügung gestellt hat. Trotz anfänglicher Hürden durch erneute Anmeldeverfahren beim Systemwechsel setzt sich dies fort. „Seit April dieses Jahres haben wir die millionste Versicherte bei uns im Frontend begrüßen dürfen und liegen jetzt bei 1,3 Millionen Versicherten, die die ePA bei uns aktiv nutzen“, so Hoyer. Das entspricht rund zehn Prozent der TK-Versicherten. „Zudem sichern strukturierte Zusatzangebote wie Impf-, Vorsorge- oder Zahn-Bonus-Hefte eine hohe Interaktion.“

Vom Roll-out zum echten Nutzwert

Und nun geht es in Phase zwei weiter. War Phase eins vom technischen Roll-out geprägt, geht es jetzt da­rum, aus der reinen Nutzung konkreten Nutzwert zu schaffen. Die ePA entwickelt sich vom reinen Dokumentenspeicher zum aktiven Instrument für Prävention und Versorgung. Der nächste Schritt umfasst die Einbindung strukturierter Labordaten und erweiterter Vorsorge-Reminder, um Menschen bereits in gesunden Tagen zu begleiten.

Aus Sicht der Praxis bestätigte Hausarzt David Reckers dieses Potenzial. Die Bündelung von Befunden an einem zentralen Ort spare wertvolle Zeit in der Sprechstunde. Damit das System im Alltag noch besser greift, wünscht er sich eine stärkere Strukturierung der abgelegten Daten: Aktuell handele es sich mitunter noch um eine Ansammlung diverser Dokumente. Eine gezieltere Sortierung würde den Versorgungs­ablauf weiter beschleunigen.

Ein entscheidender Treiber für diese Zukunft ist der Einsatz Künstlicher Intelligenz. Um intelligente Systeme optimal zu nutzen, bildet die ePA als strukturierter Gesundheitsdatenraum die ideale Basis. Hoyer betont dabei die hohen Sicherheitsstandards: Die Datenverarbeitung laufe in einer geschützten Umgebung ab. „All das, was wir entwickeln, all das, was wir allen zur Verfügung stellen, entspricht voll den Anforderungen des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik“, hebt Hoyer hervor. Das sichere das Vertrauen und schaffe die Grundlage für moderne, datengestützte Versorgungsservices.

Porträtfoto von Sandra Hoyer

Sandra Hoyer

ist Leiterin Versorgungsmanagement Projekte bei Die Techniker

Brenya Adjei

ist Geschäftsführerin der gematik

David Reckers

ist Allgemeinmediziner und Social-Media-Aufklärer