BIG BANG UNTERNEHMER

Ex-Bundespräsident Wulff warnt wegen deutscher NS-Vergangenheit vor KI, Fake News und Social Media: „Dramatische Melange“

Berlin - Der Bundespräsident a.D. Christian Wulff hat eindringlich vor KI, Fake News und sozialen Medien gewarnt. „Massen und Menschen sind wieder manipulierbar“, sagte er gegenüber der BIG BANG UNTERNEHMER-Redaktion und warnte mit Blick auf die deutsche NS-Geschichte vor einer "dramatischen Melange".

Christian Wulff auf der Bühne des BIG BANG KI FESTIVALS 2026

23.09.2026

Noch 2012 habe Wulff in der Wannsee-Villa gesagt, je länger die NS-Zeit zurückliege, desto schwieriger sei es, sich vorzustellen, wie es dazu kommen konnte. Aber er könne es sich "heute wieder mehr vorstellen, wie manipulierbar Massen und Menschen sind, bestimmten Dingen nachzulaufen und sich für bestimmte Dinge begeistern zu lassen."

„Dramatische Melange“ bedroht demokratische Gesellschaften

Besonders gefährlich sei das Zusammenspiel verschiedener Entwicklungen. Wulff sprach von einer „dramatischen Melange“ aus sozialen Medien und Fake News, KI-generierten Bildern und Videos sowie autoritären politischen Kräften, die demokratische Institutionen und den Rechtsstaat unter Druck setzten. KI ermögliche es, Bilder und Videos zu erzeugen, „die mit der Wirklichkeit nichts zu tun haben“. Damit wachse auch die Gefahr gezielter Täuschung und gesellschaftlicher Spaltung.

Wulff appellierte ausdrücklich an die Verantwortung jedes Einzelnen. Jeder müsse sich entscheiden, „ob er die Manipulation zulässt oder sie bekämpft, ob er das Recht, Pluralität, Gleichheit, Freiheit unserer Art zu leben verteidigt oder allein lässt“.

Wulff widerspricht Elon Musk

In diesem Zusammenhang widersprach der frühere Bundespräsident auch Elon Musk. Wulff griff dessen Aussage auf, Empathie sei eine fundamentale Schwäche des Westens. "Wenn Elon Musk, der sicher ein großer Pionier und Ingenieur ist, vor einem Jahr gesagt hat, die größte Schwäche des Westens ist Empathie, dann kann ich Ihnen nur sagen, dass wir seit 81 Jahren in Frieden und Freiheit im Inneren wie nach Außen leben."

Das, so Wulff, habe wesentlich damit zu tun, dass die europäischen Staaten gelernt hätten, nicht nur ihre eigenen Interessen, sondern auch die ihrer Nachbarn zu berücksichtigen. Empathie und Menschlichkeit seien deshalb keine Schwäche, sondern eine Voraussetzung für den Zusammenhalt demokratischer Gesellschaften.

Gleichzeitig warnt Wulff vor „Weltuntergangsstimmung“

Trotz seiner Warnungen sprach sich Wulff ausdrücklich gegen einen pessimistischen Blick auf Künstliche Intelligenz aus. „Die größten Lästerer und Moserer" kämen aus dem Ausland zurück, "spätestens wenn sie ein Krankenhaus brauchen. Weil sie dann eben doch wissen, Deutschland ist besser, als sie ständig rumlästern. Das ist die Wahrheit. die man in der Welt sieht. “

Wulff weiter: "Wir reden wahrscheinlich auch zu Recht über Probleme, über Herausforderungen. Eines der großen Probleme ist, dass wir dann meistens vergessen, dass wir auch ganz große Potenziale, ganz große Attraktivität als Europa haben, für die klügsten Köpfe der Welt ganz große Möglichkeiten bieten und dass wir diese Chancen auch ergreifen." Wulff wolle „keine Weltuntergangsstimmung“, sehe „keinen Untergang des Abendlandes“. Europa brauche eine positive Vision und müsse die Chancen der Technologie konsequenter nutzen.

Deutschland und Europa verfügten über starke Forschungsorganisationen, innovative Start-ups, eine leistungsfähige Industrie und rund 1.600 Hidden Champions. KI könne nach Ansicht Wulffs dazu beitragen, Krankheiten besser zu behandeln, Produktivität zu steigern und die Folgen des demografischen Wandels abzufedern.

Dafür müsse Europa schneller werden – beim Ausbau von Rechenzentren, bei der Anwendung von KI in Unternehmen und bei der Qualifizierung von Beschäftigten. Wulffs zentrale Botschaft: Ob Künstliche Intelligenz Demokratie und Gesellschaft stärkt oder schwächt, sei nicht vorbestimmt. „Das liegt am Ende wesentlich in unseren Händen. Und deshalb bin ich optimistisch.“