Gesundheit

Longevity für Führungskräfte: High Performance ohne Verschleiß

Führungskräfte optimieren Prozesse, Strategien und Organisationen. Die eigene Gesundheit dagegen oft erst, wenn Probleme auftreten. Auf dem BIG BANG KI FESTIVAL zeigte Biogena-Geschäftsführer Martin Gratzer, was Unternehmerinnen und Unternehmer vom Leistungssport lernen können und warum Prävention zum Teil moderner Führung werden sollte.

Martin Gratzer über High Performance ohne Verschleiß: Was Führungskräfte vom Spitzensport lernen können

06.10.2026

Unternehmende und Spitzensportlerinnen und -sportler haben mehr gemeinsam, als es auf den ersten Blick scheint. Beide müssen unter Druck Leistung bringen, Entscheidungen treffen und über lange Zeit belastbar bleiben. Einen entscheidenden Unterschied sieht Martin Gratzer allerdings: Im Profisport gehören Regeneration und Belastungssteuerung zum System. Im Unternehmensalltag werden sie häufig dem Zufall überlassen.

Gratzer kennt beide Welten. Der Geschäftsführer von Biogena war selbst Leistungssportler und mehrfacher österreichischer Meister im Kugelstoßen. Heute arbeitet er neben seiner Managementtätigkeit mit Spitzensportlern und sogenannten High Performern. Auf dem BIG BANG KI FESTIVAL 2026 brachte er diese Erfahrungen in drei Auftritten zum Thema Longevity und High Performance ein. Biogena war darüber hinaus mit einem eigenen Stand auf dem Festival vertreten.

Der Manager als „Corporate Athlete“

Gratzers zentrale These klingt zunächst selbstverständlich: Wer dauerhaft viel leisten will, muss nicht nur seine Arbeit, sondern auch seine Energie managen. Unternehmen optimierten Prozesse und Organisationen, sagte Gratzer auf der Bühne. „Oft vergessen wir aber sozusagen die Optimierung der eigenen Gesundheit.“

Im Leistungssport wäre das undenkbar. Training und Erholung werden dort gemeinsam geplant, weil Leistungssteigerung ohne Regeneration nicht funktioniert. Bei Führungskräften beobachtet Gratzer dagegen häufig, dass Erholung erst stattfindet, wenn der Urlaub im Kalender steht – und selbst dann das Abschalten schwerfällt. Sein Gegenmodell ist der „Corporate Athlete“: Führungskräfte sollten ihre körperlichen und mentalen Ressourcen ähnlich bewusst steuern wie Leistungssportler ihre Belastung.

Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, den ohnehin hohen Leistungsdruck noch weiter zu steigern. Gratzer grenzt Longevity deshalb vom klassischen Biohacking ab, wenn dieses ausschließlich auf maximale Selbstoptimierung zielt. Für ihn gehe es vielmehr darum, „mehr gesunde und leistungsfähige und erfüllte Jahre zu haben“.

Erst die Grundlagen, dann die Optimierung

Wer bei Longevity sofort an Kältekammern, Wearables oder eine lange Liste von Nahrungsergänzungsmitteln denkt, überspringt nach Gratzers Verständnis einen entscheidenden Schritt. Am Anfang stehen die Grundlagen: Ernährung, Bewegung, Schlaf und Regeneration.

Gerade bei Supplements warb Gratzer für ein systematisches Vorgehen. Einzelne Präparate aufgrund eines Trends einzunehmen, greife zu kurz. Sinnvoller sei es, zunächst die Basis zu betrachten und – wo angebracht – anhand von Blutuntersuchungen zu prüfen, ob überhaupt ein entsprechender Bedarf besteht.

Sein Ansatz ist damit weniger spektakulär als manches Longevity-Versprechen, aber näher am Alltag. Regelmäßige Bewegung, Krafttraining, ausgewogene Ernährung und guter Schlaf bilden das Fundament. Zusätzliche Maßnahmen können darauf aufbauen.

„Longevity ist einfach, aber nicht leicht“, brachte Gratzer die Herausforderung auf den Punkt. Denn das Wissen um einen gesünderen Lebensstil ist meist nicht das Problem. Entscheidend ist, daraus Gewohnheiten zu machen, die auch in einem vollen Terminkalender bestehen können.

Gesundheit messbar machen

Wie stark sich Prävention durch Daten und neue Technologien verändern könnte, wurde auch in der Masterclass „Die Medizin von morgen beginnt vor der Krankheit“ deutlich. Gemeinsam mit Prof. Dr. Jochen A. Werner und Biohacker Dr. Patrick Kramer diskutierte Gratzer, wie personalisierte Gesundheitsdaten und Künstliche Intelligenz dabei helfen können, Risiken früher zu erkennen.

Gratzer stellte dabei einen Ansatz für niedrigschwellige Präventionsdiagnostik vor. Mittels EKG und Bioimpedanzmessung sollen innerhalb weniger Minuten verschiedene Gesundheitsparameter erfasst werden. Sein entscheidender Punkt: Trotz immer neuer Biomarker dürften grundlegende Werte wie Blutdruck oder Knochendichte nicht aus dem Blick geraten.

Werner formulierte die größere Perspektive dahinter: Medizin müsse stärker einsetzen, bevor Menschen krank werden. Die möglicherweise größte Chance der KI für Longevity bestehe nicht darin, das Altern zu stoppen, sondern Krankheiten zu erkennen, bevor sie sichtbar werden.

Damit verschiebt sich auch die Bedeutung von Longevity. Es geht weniger um das Versprechen eines möglichst langen Lebens als um die Frage, wie sich die Zahl gesunder Lebensjahre erhöhen lässt. Prävention wird so vom privaten Lifestyle-Thema zu einer Frage, die auch Unternehmen betrifft.

Leistungsfähigkeit wird zur Führungsaufgabe

Denn für Führungskräfte liegt darin eine wirtschaftliche Dimension. Wer über Jahre Unternehmen führt, Transformationen verantwortet und täglich unter hoher Entscheidungsdichte arbeitet, kann die eigene Leistungsfähigkeit nicht dauerhaft als unbegrenzte Ressource behandeln.

Genau darin lag die verbindende Botschaft der Biogena-Auftritte beim BIG BANG KI FESTIVAL: High Performance und Gesundheit müssen keine Gegensätze sein. Entscheidend ist, Belastung und Regeneration nicht voneinander zu trennen.

Oder, wie Gratzer es am Ende seiner Keynote formulierte: „Wer langfristig viel leisten will, muss seine Energie genauso systematisch managen wie seine anderen Aufgaben.“

Noch mehr von Martin Gratzer: Warum uns die Arbeit erschöpft

Wer tiefer in das Thema High Performance und Longevity einsteigen möchte, sollte auch in den DUP Business Talk mit BIOGENA-Geschäftsführer Martin Gratzer reinhören. Im Gespräch mit Fanny Rosenberg erklärt er, warum wir trotz KI und Digitalisierung immer erschöpfter sind, weshalb wir Funktionieren mit Leistungsfähigkeit verwechseln und warum Gesundheit längst zum Wettbewerbsfaktor für Unternehmen wird.

Porträtfoto von Martin Gratzer

Martin Gratzer

ist Geschäftsführer der Biogena Group, Mitentwickler von BIOGENA ONE und Longevity-Coach